Christof Sänger - Reflections on Art Tatum

09.10.2013 18:01 von jazz (Kommentare: 0)

 

Laika Records/Rough Trade, Katalog-Nr. 3510223.2

Zu seiner Zeit wirkte Art Tatums brillante Technik sensationell und Klassikfreunde schätzten seinen kultivierten Anschlag. Tatums Blindheit ließ in ihm ein sicheres und äußerst präzises Gefühl für Time reifen. Alles in allem war er kein Revolutionär, eher ein Vollender. Die „Schönheit des Klangs, der fortschrittliche Gebrauch der Harmoniebildung und die polyphonen Strukturen“ begeistern auch den Wiesbadener Pianisten Christof Sänger.
Art Tatum sei einer der größten und am weitesten entwickelten Jazzpianisten findet Sänger, der nach eigenem Bekenntnis seit langer Zeit über ein Tatum-Projekt nachdachte und den 50. Todestag des großen Vorbildes zum Anlass nahm, um ihm eine CD zu widmen, auf der er nur zwei kurze Kompositionen für „A“ und „T“ schreibt, ansonsten aber Standards auf seine eigenständige und nichtsdestotrotz reflektive Weise interpretiert. Dass seit weit mehr als zehn Jahren Energie, Präzision und Rasanz auch Sängers Wahrzeichen sind, erleichtert ihm die Umsetzung seiner Vorstellungen. Sänger huldigt dem legendären Pianisten, versucht klugerweise aber erst gar nicht, seinen Übervater zu kopieren, was verhindert, dass er notgedrungen scheitern müsste.
So entstand eine CD, die wie auch der Pianist selbst, eher der swingenden Tradition als der Modernität verpflichtet ist. Aber die technische Brillanz und Musikalität Sängers mit seinen virtuosen perlenden Läufen, den markanten Verschleppungen und Gegenläufigkeiten faszinieren. Insofern sind Sängers Reflektionen über Art Tatum zeitlos.

(km)

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