Christof Thewes Quintett Plays the music of Charles Mingus

09.10.2013 18:44 von jazz (Kommentare: 0)

 

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Schon die ersten herrlich schrägen hymnischen Takte und die anschließenden brodelnden chaotischen Kollektive bringen den Zuhörer auf den Geschmack. Dass das Quintett anschließend wunderbar swingt, in dem fast konventionell boppigen Solo des Trompeters einen straight marschierenden Bass unterlegt und dann wiederum mit einem dissonanten Gitarrensolo sowie gleichartigen Bläser-Einwürfen mitreißend groovt, all dies belegt, auf welche erfrischende Weise der saarländische Posaunist und Bandleader Christof Thewes das schwierige Projekt angeht, Charles Mingus, dem Meilenstein setzenden Meister des freien Jazz, gerecht zu werden und dennoch sein eigenes Profil zu schärfen. 

Ein bewegendes Duo von Posaune und Trompete wird in „Goodbye pork pie hat“ von einem pulsierenden Kollektiv abgelöst, das in hervorragender Weise die typische Mingus-Stimmung trifft. Faszinierender noch ist die Bearbeitung von „Better get hit in your soul“ mit seinen eigenwilligen Rhythmen und schnatternden Bläsersätzen. Thewes und sein Quintett mit dem Gitarristen Christoph Klein, dem Schlagzeuger Daniel Prätzlich, Jan Oestreich am Bass sowie Daniel Schmitz mit Trompete und Flügelhorn haben Mingus so sehr verinnerlicht, dass sie - wie in einem Solo des Bassisten Oestreichs - die Seele des Altvaters zu treffen scheinen. 

Die ekstatische Intensität, die besondere Farbgebung in den Kollektivimprovisationen, die Ostinato-Technik und Tempowechsel, die abrupten Wechsel von zartem Bläser-Break und voranstürmendem Tutti in „fables of faubus“ sowie in „Pithecantropus erectus“ sowie geschmeidige Trompeten und raue Posaunensoli halten den Zuhörer bis zum letzten Ton gefangen. Ohne Übertreibung: Besser kann man einem großen Musiker wie Mingus kein Denkmal setzen.

 

(km)

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