Christoph Stiefel - Inner Language Trio

09.10.2013 18:49 von jazz (Kommentare: 0)

 

Neuklang NCD 4025

Poesie und romantische Stimmungen prägen das Klangbild. Der Schweizer Pianist Christoph Stiefel lässt impressionistische Läufe aus dem Instrument perlen, baut weite Bögen mit repetitiven Jazzphrasen, die sich in das percussive Grundgerüst einbetten oder darüber verschoben werden. Solche Spannung erzeugende Wiederholungen rhythmischer und melodischer Teile sowie deren Überlagerung im Gleichlauf oder Verschiebung sind aus dem 14. und 15 Jahrhundert als Isorhythmie bekannt - eine Kompositions- und Spieltechnik, auf die sich der Pianist vor allem in schnellen Stücken der CD „Inner Language Trio“ ausdrücklich beruft. Daneben sind langsame Kompositionen wie „In this moment“ zu hören, in denen sich der Pianist gleichsam tastend dem Thema nähert, im Zwiegespräch mit dem Bassisten Patrice Moret und dem Perkussionisten Marcel Papaux den Kern harmonisch umspielt. Sowohl ins ruhige als auch ins swingende Konzept fügt sich bei einigen Stücken der Saxophonist und Klarinettist Reto Suhner ein. Exotische sowie neutönerische Klangfarben kommen bei „In & out of order – Isorhythm #15“ oder „In ferne Himmel – Isorhythm #20“ ins Spiel. „Travessia“ weckt Assoziationen an die hymnische Melodieführung eines Abdullah Ibrahim. So bewegt sich das Trio in einem eigenständigen Musikkosmos, der Ruhe und Spannung zugleich umfasst, der mal romantisch verklärt, dann wieder expressiv groovt – wie mit überblasener Bassklarinette und Akkordtrauben auf dem Piano in „Isorhythm #2.2“. Dazwischen gibt es höchst konventionelle Kompositionen, wie man sie schon vielfach bei anderen Gruppen hören konnte - etwa das swingende „Testsieger“ oder das verspielte, lyrische „Nao em Vao“. Dies alles geschieht ohne konzeptionelle Brüche, wirkt trotz spannungsreicher Abwechslung – auch dank der traumhaft sicheren Interaktionen der drei Musik wie auch einem Guss. Der Titel „Inner Language Trio“ könnte auch so ausgelegt werden.

 

(km)

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