Claudio Puntin - Rot - Musik zum Hörbuch „Rot ist mein Name“ von Orhan Pamuk
09.10.2013 18:42 von jazz (Kommentare: 0)

Double Moon DMCHR 71901
Istanbul, die Metropole am Schnittpunkt zweier Kontinente und Kulturen, erhält in dem Roman „Rot ist mein Name“ des türkischen Schriftstellers Orhan Pamuk eine literarische Stimme, deren Klang der Komponist und Klarinettist Claudio Puntin mit östlicher Melodie und westlicher Harmonik unterlegt hat. 25 Miniaturen aus dem musikalischen Gesamtwerk zum Hörbuch des Romans hat Double Moon Records auf eine CD gepresst, Miniaturen voller intimer Emotionen und exotischer Schönheit. In dem vorzüglichen Begleitheft betont Puntin, dass die von ihm komponierten Themen nicht als Volksmusik oder Adaptionen traditioneller Musik verstanden werden sollten. Vielmehr sei es aktuelle Musik mit Einflüssen aus improvisierter Musik und zeitgemäßer Kunstmusik, versehen mit Farben traditioneller türkischer Volksmusik. In der Tat werden Puntin und seine Musiker so dem Roman wie seinem Autor gerecht, der im Bewusstsein der Geschichte und mit heutiger Schreibweise die (Kriminal-)Geschichte aus dem Winter des Jahres 1591 erfindet und erzählt.
Die kleinen Kunstwerke zwischen einer und maximal viereinhalb Minuten Länge ziehen ihren Reiz aus dem Klangfarbenspiel der unterschiedlichen Klarinetten, die mal frei überblasen wie in „Pub“ oder mit Percussion in „Olive´s Exposure“, in der Regeln aber mit nahöstlicher Stimmung geblasen werden, aus dem Sound bestimmenden Spiel des Kurden Taner Akyol auf dem lautenähnlichen Saiteninstrument Baglama, der Percussion Marcio Doctors mit Rahmentrommeln - vor allem in „Osman the Padishah“ und Taraboukaas sowie dem Spiel von Peter Herbert auf Kontrabass und dem gnawaianischen Bassinstrument Gjembre. Ebenso einfühlsame wie virtuose Improvisatoren sind Gerdur Gunnarsdottir mit Violine und vor allem ihrer Stimme, Rolf Marx mit Gitarre und Daniel Raabe mit Violoncello.
Durch das Fehlen des verbindenden Textes wirkt vereinzelt der Übergang zwischen zwei Stücken wie bei „Oheim´s Dead“ und „Seküre“ abrupt, zumeist aber wie bei „Hammam Sauna“ zu „Osman´s Palace“ harmonisch. Claudio Puntins teils notierte, teils improvisierte Musik bereitet auch Jenen Genuss, die den Roman nicht kennen, macht aber dennoch neugierig auf das Hörbuch.
(km)


