Colosseum - Bread & Circuses

01.07.1998 19:48 von jazz (Kommentare: 0)

 

 

 

Cloud Nine Records/Intuition Music&Media, rec. 1996-97

 

Im Plattenschrank des Jazz-Hörers finden sich ja in der Regel einige Platten die dann doch eher in Richtung Rock oder gar - igitt - Pop gehen. Das steht dann Zappa neben der Scheibe von Blood, Sweat & Tears und ... möglicherweise "Valentyne Suite" von Colosseum. Diese Scheibe hat im Original bald 30 Jahre auf dem Buckel - gut eine Generation.

 

Und jetzt flattert einem ein zeitgemäßer Silberling in den CD-Player, das erste Studioalbum der Band seit 27 Jahren. Nachdem sich Colosseum 1994 zu einer ganzen Reihe von "Reunion Concerts" wieder zusammengefunden hatte und eine Live-CD von Fans und Kritik prächtig aufgenommen wurde, war wohl die Zeit reif für diese Aufnahmen. In den Liner Notes warnt Jon Hiseman allerdings gleich einmal davor den "Son of Valentyne Suite" zu erwarten - sein Kommentar: "Forget it!". Was ist also draus geworden?

 

Ausgesprochen kraftvoll und dynamisch legen die Mannen um Sänger Chris Farlowe los. Wuchtiger Baß, druckvolles Schlagzeug - Bluesrock der dynamischen Sorte. Mit hohem "Colosseum -Wiedererkennungswert" - die Stimme, die Saxophonsoli und vor allem der typische Orgelsound von Dave Greenslade. Genau das sind die würzigen Zutaten, die den Unterschied zu vergleichbaren Platten anderer Formationen ausmachen. Zwar gibt es nicht mehr die völlig ausgedehnten Soloausflüge der einzelnen Musiker - das längste Stück der CD dauert gerade einmal 5:11 - trotzdem bleibt allemal genug Raum mit solistischen Einlagen zu glänzen. Insgesamt sind die Songs griffig und damit auch radiotauglich, bestimmt kein ganz unbeabsichtigter Effekt. Manchmal geht mir die Nähe zum Pop ein bißchen sehr weit, in "The Playground" klingt es bisweilen als ob die Scorpions Pate gestanden hätten. Doch das sind glücklicherweise wenige schwächere Momente der Aufnahmen. Ansonsten ein durchaus empfehlenswertes Album sowohl für alte Fans - wiederhören macht wirklich Freude - als auch für die "neuen" Zuhörer. Für die ist diese Scheibe möglicherweise auch der Zugang zu den hörenswerten 70er Aufnahmen der Band.

 

 

(fs) Juli 1998

 

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