Dejan Terzic - Underground

09.10.2013 17:38 von jazz (Kommentare: 0)

 

Bezug: www.dejanterzic.com

Der in Weinheim lebende und in Mainz als Dozent lehrende Schlagzeuger Dejan Terzic stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien, einem Staat der nicht mehr existiert. Wenn man seine nationale Identität nicht mehr in der Politik findet, dann umso stärker in der Musik, sagt Terzic und hat die Folklore der Heimat in den Mittelpunkt seiner neuen CD gestellt. Dass die Besinnung und folkloristische Tradition aber nicht gleichbedeutend mit Volkstümelei sein muss, belegt schon das erste Stück „Sunet Oro“ mit seinem expressiven Saxophonsound, dem gleißenden Gitarrensolo sowie der pulsierenden Percussion. 

Gewiss, es gibt auch ruhige und lyrische Bearbeitungen wie „Ruzica“, die mit Klarinette, Bass, Gitarre und Schlagzeug viel von der Schwermut der Volksweisen vom Balkan, ihrer Melodiosität und tänzerischen Leichtigkeit vermitteln. In der Regel aber prallen ethnologisch gebundene Tradition und zeitgenössischer Jazz in aufregenden Reibungen aufeinander. 

Dass diese einander befruchtende Symbiose so mitreißend gelingt, ist nicht nur der Kreativität Terzic´s, sondern auch den ausgezeichneten Mitmusikern zu verdanken. An erster Stelle dem Saxophonisten und Klarinettisten Chris Speed, der zwischen verklärten Klarinettenläufen und aggressiven Saxophon-Sheets pendelt, dem Bassisten Mark Helias, der mit erdigem Spiel die anderen immer wieder ans Fundament fesselt, in seinem Con-Arco-Spiel - etwa in „Da Dapp“ - mit Free-Sound-Effekten die Klangspielereien von Gitarre und Klarinette einleitet. Frank Möbus an der Gitarre zeigt vor allem in „Everybody tells me“ nervös pulsierende Gitarrenläufe, ziseliert in dem swingenderen „Aven Ivenda“ perlende Single-Note-Linien, die er mit Akkordgriffen abschließt. Die ganze Bandbreite der Ausdruckskraft dieser Musik zeigt sich in der Terzic-Komposition „Balkan Roundtrip“ mit dem stetigen Wechsel von Intensität, Tempo und Metrum, den Free-Ausbrüchen des Saxophons, dem treibenden Pulse des Schlagzeugs und dem Up-Tempo-Lauf auf der Gitarre, ein Geflecht, das wiederum vom Bass zusammengehalten wird. – und so prägt die folkloristische Stimmung nur noch untergründig die Stimmung.

Dejan Terzic hat sich bei diesem CD-Projekt von Emir Kusturica´s Film „Underground“ inspirieren lassen, der den Zerfall Jugoslawiens schildert. Ich kenne den Streifen nicht. Dejan Terzic´s Musik jedenfalls, ist ein würdiger Nachruf auf eine Heimat, die zwar politisch nicht mehr existiert, aber in der musikalischen Tradition - und in dieser jazzigen Interpretation - weiterlebt.

 

(km)

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