Ernst Burger - Erroll Garner
09.10.2013 18:03 von jazz (Kommentare: 0)

Leben und Kunst eines genialen Pianisten
ConBrio-Verlag, Regensburg, 220 Seiten, 49,90 Euro, ISBN 3932 5818 14
„Erroll Garner war ein Gigant unter den Jazzpianisten“, sagt ganz ohne Neid ein Kollege, der Pianist Billy Taylor. „Es gibt kaum einen, der Errolls Level erreichen konnte, vielleicht Tatum, aber Erroll war eine Klasse für sich“,urteilt auch Dave Brubeck über die Tastenkünstler, dessen Spiel mit den unglaubliche rhythmischen Spannungen und melodischen Feelings legendär geblieben sind. Über diesen Erroll Garner ist jetzt erstmalig in deutscher Sprache eine Biografie erschienen, die vor allem wegen ihrer großformatigen, prachtvollen Bilddokumentation ins Auge fällt.
Ernst Burger, ein Münchner Musikschriftsteller und Pianist, hat äußerst penibel und detailversessen recherchiert, die Archive von Zeitungen und Fachzeitschriften geplündert und nicht gezählte Platten gehört, bevor er die Lebensgeschichte des Pianisten mit dem orchestralen Sound von 1921 bis 1942 in Blöcken sowie anschließend Jahr für Jahr bis zu Garners Tod 1977 ausführlich beschreibt. Wie eingehend Burger sich mit dem musikalischen Wirken befasst hat, belegt etwa die Aussage, dass der Künstler am 6. Februar 1957 im Columbia Studio 16 Stücke eingespielt hat, von denen ein Drittel bis heute unveröffentlicht ist. Das macht den Leser und Garner-Fan neugierig auf (hoffentlich) noch zu erwartende, technisch aufbereitete Pressungen. Unterhaltsam ist das Kapitel über „Garner als Mensch“, einschließlich der bekannten Tatsache, dass der Künstler ein begabter Zeichner und beidhändig tätiger Virtuose war.
Die ausführliche und trotz aller Genauigkeit keineswegs langweilige Lebensbeschreibung wird illustriert durch 215 Fotos, auf denen dem Betrachter neben Garner natürlich eine ganze Reihe weiterer Größen des Jazz begegnen. Bei der Fülle ließ es sich jedoch nicht vermeiden, dass eine Reihe Konzertaufnahmen vom Motiv her wie Doubletten wirken.
Interessanter fast als der Lebenslauf, der in gröberem Raster auch in Lexika nachzulesen ist, sind die Bemerkungen des Autors über Garners Spielweise und Klaviertechnik, die in manchen Passagen musiktheoretische Kenntnisse voraussetzen. Damit die Bewertung des Klavier-Giganten mit der prägnanten Linken nicht zu sehr aufs Subjektive beschränkt bleibt, fügt Burger auf gut 30 Seiten die Urteile anderer Musiker, Kritiker und Jazzimpressarios an und ergänzt das Ganze durch eine ausführliche Discographie – auch diese konsequenterweise mit Abbildungen der Plattenhüllen samt Titeln.
Zuguterletzt ist dem vorzüglichen Buch noch eine CD beigefügt, die ausgewählte Aufnahmen aus den Jahren 1946 bis 1955 enthält – darunter Interpretationen, die der Autor zu seinen Lieblingsstücken zählt.
(km)


