Frank Sackenheim Quintett - Eurotrash

09.10.2013 19:04 von jazz (Kommentare: 0)

 

Laika Records, Kat.Nr. 3510254.2
Als „Eurotrash“ werden aus amerikanischer Sicht abfällig europäische Musik-Produktionen wie Eurodance oder Eurodisco bezeichnet. Warum sollte nicht auch europäischer Jazz nach Meinung einiger US-Jazzer Abfall sein. Der deutsche Saxophonist und Klarinettist Frank Sackenheim stellte sich dieser Herausforderung augenzwinkernd und ironisierend mit einer Einspielung, die eine solche abwertende Einstufung Lügen straft. 

Zwar in der Mainstream-Tradition des Bebop verwurzelt, aber doch oft die Grenzen fließend erweiternd, bürgt Sackenheim mit seinem eingespielten Quintett für ein weites Spektrum von melancholischen, weit schwingenden Saxophonlinien bis zu nervös pulsierenden, schnellen Läufen. Faszinierend sind vor allem aber seine teils pastellartigen Klangbilder, die zweistimmigen und Unisono-Soundflächen, die er mit Saxophonen oder Bassklarinette im Duo mit Matthias Bergmann am Flügelhorn malt. „Day One“ ist ein Beispiel für diesen Personalstil eines modernen Mainstreams jenseits aller Klischees. 

Eine lyrische Single-Note-Intro auf dem Piano, impressionistische Sounds über dem gestrichenen Bass von Christoph Devisscher, dann nervöse Bläserläufe vor dem pulsierenden Schlagzeug Jens Düppes stehen für musikalische Vielfalt. Lars Duppler an Piano und Fender Rhodes sorgt für melodische Soli ebenso wie im Titelstück für kratzenden Trash. Ein ausgeprägt ästhetisches Saxophon-Solo erbaut „Touch her soft lips...“. Ebenso mit Streichern und sinfonischem Touch sowie tänzerischer Leichtigkeit hat danach Dupplers Komposition „Mezzanine“ wenig mit dem gleichnamigen, düster wirkenden Hip-Hop-Klassiker der Gruppe „Massive Attack“ zu tun. Da höre ich doch lieber Eurotrash.

 

(km)

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