Giuseppe Pino – Love My Jazz
09.10.2013 16:56 von jazz (Kommentare: 0)

ear BOOKS / edel CLASSICS
Ein Augen- und Ohrenschmaus zugleich ist “Love My Jazz”. In erster Linie ein Photobildband, fest gebunden und ordentlich gedruckt im Format 29x29 cm und zudem finden sich in der ersten Umschlagsseite vier Sampler-CDs, thematisch geordnet nach Blues & Classics, Swing & Joy, Bop & More und Soft & Cool, alles Musik aus dem Katalog von ZYX. Also aus verschiedenen Quellen, vieles im Original von Fantasy oder Pablo. Durchweg exzellente Musik bekannter (im Bildband abgebildeter) Jazzmusiker, überwiegend Klassiker in eher unbekannten (Live-)Versionen.
Die Bandbreite der Musik – und ja, das Konzept geht auf: CD in den Player, gemütlich hinsetzen und die Photos genießen – entspricht dem photographischen Ansatz Pinos. Im Buch finden sich Bilder über rund drei Jahrzehnte von Mitte der 60er Jahre bis in das Jahr 2000. Der Schwerpunkt liegt bei Aufnahmen aus den 70ern. Die Namen der Abgelichteten aufzuzählen ist müßig, es sind unzählige von Rang und Namen dabei.
Phototechnisch scheint Giuseppe Pino keine Vorlieben zu haben: Schwarz-Weiß-Aufnahmen neben Farbbildern – Kleinbild vorwiegend aber auch Mittelformataufnahmen – Bildgrößen und Formate bunt gemischt - „komponierte Portraits“ wenige, Schnappschüsse viele. Die Vielfalt des Jazz auch ein Grundprinzip in der Gestaltung dieses Photobandes.
Photographisch steht für Pino immer der Augenblick im Vordergrund. Ausdruck ist ihm wichtiger als Bildschärfe und wenn der entscheidende Moment stimmt, stören auch keine ins Bild ragende Mikrophone. Die Zusammenstellung der Bilder besticht spätestens auf den zweiten Blick mit ihrer sorgfältigen Anordnung. Meist korrespondieren die Bilder der Doppelseiten in manchmal fast schon surrealistisch anmutenden Kombinationen. Wenn Duke Ellington und Dexter Gordon in zwei ansonsten völlig unterschiedlichen Bildern durch einen gemeinsame Geste eine Brücke zwischen den Seiten schlagen zeigen sich Regie und skurriler Humor des „Art Directors“ Pino.
Oft fängt er „seine“ Musiker in heiteren Momenten ein (klappt natürlich nicht immer, es gibt auch notorisch mürrisch blickende Musiker...) in denen auch die Kommunikation zwischen Musiker und Photographen Teil des Bildes ist. Der Titel „Love my Jazz“ spiegelt sich allerdings in allen Aufnahmen wider, denn Pino gelingt es, die Konzentration und die (Lebens-)Freude der Musiker aber auch die Flüchtigkeit von Momenten in seinen Bildern einzufangen. Sein wacher Blick für kleinste Details und die Magie des Moments in seinen Bildern lassen mehr als erahnen warum Jazz die lebendigste aller Musikformen ist.
(fs)


