Gregor Huebner New York – NRG Quartet

09.10.2013 18:34 von jazz (Kommentare: 0)

 

Niveau Records/Nuromusic

Die klassische Ausbildung ist unüberhörbar, ebenso die offensichtliche Liebe zur Balkan-Folklore. Beides leugnet der Geiger Gregor Huebner nicht, hebt indessen das Violinspiel unter dieser Bewahrung auf die Ebene des freien und pulsierenden Jazz. Erinnerungen an Zbigiew Seifert werden wach (den der Geiger nie erlebt hat), wenn Huebner mit virtuosem Strich in die höchsten Lagen streicht, Flageolett-Obertöne Mehrstimmigkeit vorspiegeln, das Instrument jubilieren, ekstatisch aufschreien oder sich in zarten Lyrismen mit unsentimentalem Schmelz dahinfließen lässt. Früher nannte man Virtuosen, als welcher sich Huebner schon im bekannten Up-Tempo-Stück „Snow Leopard“ von Richard Beirach erweist, „Teufelsgeiger“. Der 1967 in Baden-Württemberg geborene und in New York lebende Pianist-Geiger-Komponist Huebner fasziniert mit energetischem, vibrierendem Strich etwa in „Redemption“ ebenso wie mit sensiblen Melodielinien in der Intro von „Blue in Green“. Das Spiel des Quartetts mit dem Pianisten Luis Perdomo, dem Bassisten Hans Glawischnig und dem Schlagzeuger Billy Hart neben Huebner steht ständig unter Hochspannung, die in den langsamen Passagen nur geringfügig zurückgefahren wird. Und schließlich bindet der Geiger gar in „Lullaby Or Not“ das Sirius String Quartet ein, das sich zwischen Jazz und Crossover zuhause fühlt. Perdomo wechselt ebenso wie der Geiger zwischen zielstrebigen, gradlinigen Läufen und retardierenden, ausufernden freien Soundflächen. Glawischnig steuert einige wunderschön melodiöse und swingende Soli bei und Billy Hart zeigt erneut als ein Meister der motorischen Präzision bei gleichzeitiger einfühlsamer Flexibilität. Die Kompositionen sind komplex und zugleich klar strukturiert, was dazu beiträgt, dass die Musik vom ersten bis zum letzten Ton gefangen nimmt und nicht locker lässt.

 

(km)

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