Hops, Radtke, Reiserer, Schilde, Schneider - Carte Blanche

09.10.2013 18:51 von jazz (Kommentare: 0)

 

Radau Records 071125


Die CD ist direkt über folgende E-mail erhältlich: carteblanche@freenet.de

Diese CD ist ein treffendes Beispiel dafür, dass man Vielfalt nicht mit Beliebigkeit gleichstellen darf. „Carte Blanche“ nennt die Gruppe mit dem Gitarristen Carsten Radtke, dem Bassisten Peter Hops, dem Saxophonisten und Klarinettisten Christoph Reiserer, dem Pianisten und Keyboarder Leonard Schilde sowie dem Schlagzeuger-Percusionisten Jürgen Schneider die Einspielung. Dabei swingt das Quintett mal im modernen Mainstream, pulsiert später im radikalen Free-Jazz oder experimentiert in der zeitgenössischen E-Musik. Die Kompositionen stammen mit einer Ausnahme aus der Feder Schneiders, bauen auf komplexen rhythmischen Strukturen auf, klingen teils melodisch und wie in „Realisation VII“ fast ätherisch schwebend, können aber auch durch anarchische Kollektive erregen. Klangfärbend ist die zumeist die Gitarre, bei deren Spiel die Wandlungsfähigkeit Radtkes immer wieder in Erstaunen setzt – ganz gleich, ob er perlende Läufe oder suchende Single-Note-Kürzel zupft, akustisch oder elektronisch mit dem E-Bow Klangflächen ausbreitet. Vom Free-Geschnatter auf Saxophon und Klarinette bis zu singbaren Linien reicht die Ausdrucksmöglichkeit Reiserers, wie auch Schilde auf den Tasteninstrumenten mit Blockakordschichtungen, rasend schnellen Läufen oder wie im Opener mit einer hintergründigen elektronischen Soundfläche besticht. Peter Hops kommt (zurückhaltend) hörbar aus der M-Base-Szene. Nahezu klassisch ist ein Drum-Solo Schneiders, zumeist aber stützt er flexibel, aber Akzente setzend die rhythmische Basis oder lässt sein Percussions-Set in den freien Stücken nervös pulsieren.


Die unterschiedlichen Charaktere der Kompositionen leben unter anderem durch die wechselnden Besetzungen vom Duo bis zum Quintett. Ruhige Teile wechseln sich mit aggressiven Explosionen ab. Die Musik von „Carte Blanche“ ist unverwechselbar, eigenwillig und stets für Überraschungen gut. Es ist nichts für den relaxen Hintergrund. Man muss schon genau hinhören – wird dann aber immer wieder neue Nuancen und Eigenheiten entdecken.

 

(km)

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