Joachim-Ernst Berendt liest Rainer Maria Rilke: „Seelenlandschaften“
09.10.2013 17:32 von jazz (Kommentare: 0)

Jaro 4267-2
Die Geschichte der Jazz & Lyrik Produktionen reicht Jahrzehnte zurück. Unvergessen sind die Aufnahmen mit Gedichten von Gottfried Benn sowie Kompositionen von Dave Brubeck, Jay Jay Johnson und Kai Windig oder die musikalischen Interpretationen der Lyrik von Heinrich Heine durch den österreichischen Gitarristen Attila Zoller. Beide Aufnahmen produzierte der „Jazzpapst“ J. E. Berendt bereits Anfang der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts mit dem Rezitator Gerd Westphal. Dann 1985 „Der Walzer vom Weltende“,dieses Mal Jazz und Lyrik aus Polen mit dem Polski Jazz Ensemble und der String Connection des begnadeten Geigers Krzesimir Debski. Unvergleichlich vor allem „Hesse Between Music“ von 1974 mit Texten von Hermann Hesse und der Musik von Peter Michael Hamels Gruppe Between – eine der einprägsamsten Einspielungen dieses Genre. Und immer wieder Gerd Westphal als Sprecher.
Da konnte es nicht ausbleiben, dass J.E. selbst einmal zum Mikrophon griff und mit seiner pastoral timbrierten Stimme einen seiner Lieblingsdichter rezitierte: Rainer Maria Rilke, den Berendt als Visionär eines spirituellen Bewusstseins erlebte.
In dieser geistigen Verwandtschaft erlaubte es sich der Interpret Berendt, einige Textstellen aus dem ursprünglichen Kontext herauszunehmen und in andere Zusammenhänge zu setzen. Die Verständlichkeit und Logik haben dabei keinen Schaden erlitten. Nur Puristen unter den Rilke-Liebhabern werden es ihm übel nehmen. Denn entstanden ist ein beeindruckendes Werk - auch dank der einfühlsamen musikalischen Untermalung durch den Gitarristen Philip Catherine, den Flötisten Krzystof Zgraja und den Pianisten Vladislav Sendecki.
Manche Passagen erinnern in der Text-Musik-Zusammeführung an die Hesse-Platte. An manchen Stelle ist die Sprachmelodie Berendts ein wenig zu getragen, ja fast betulich, könnte mehr Spannung vertragen. Vielleicht bedarf es auch des „dritten Ohres“, um in Berendts spiritueller Welt ganz aufzugehen.
In der Musik schwingt – wie es der Produzent bei seinen Arbeiten nach eigenem Eingeständnis besonders liebt – die Musik der ganzen Welt: Meditatives und Gregorianik, Jazziges und Indisches, Bach und Schönberg.
(km)


