Jörg Seidel - Gipsy Jazz Connection

09.10.2013 18:29 von jazz (Kommentare: 0)

 

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Ines Reiger & Jörg Seidel Swing Trio
Teach me tonight
Swingland-Records 0007

Im Alter von zwölf Jahren stieß der 1967 in Bremerhaven geborene Jörg Seidel auf die Musik von Django Reinhardt. Vier Jahre später hatte der junge Gitarrist Gelegenheit mit deutschen Zigeunern zu spielen und war wiederum später fünf Jahre lang Mitglied im Quintett des Heidelberger Sinti-Geigers Wendeli Köhler. Zwischendurch entdeckte Seidel den Bebop und den Jazz der Westcoast-Musiker. Nach der Gipsy-Swing-Zeit gründete er deshalb mit dem Pianisten Joe Dinkelbach und dem Bassisten Gerold Donker das Jörg Seidel Swing Trio. 
Jetzt liegen somit gleich zwei CD-Einspielungen vor, die beide Lieben des Norddeutschen wiederspiegeln. „Gipsy Jazz Connexion“ mit dem Geiger Hajo Hoffmann, Ottorino Freier an der Rhythmusgitarre, J.-L. Rassinfosse am Kontrasbass sowie dem Gast-Saxophonisten Frank Delle zeigt den Gitarristen als inspirierten Zigeuner-Swing-Interpreten, der mit diesen Aufnahmen sozusagen an die Quelle seiner jazzmusikalischen Erfahrungen zurückgeht. Ein Kleinod der Improvisationskunst sind exemplarisch die Soli des Bassisten und des Gitarristen in dem Duo-Stück „Wenn ich Dich seh´“. In Hawkins´ Komposition „Stuffy“ bestimmt Delles Saxophon den Sound, stützen die beiden Gitarristen dabei als Rhythmusgeber. Seine aus der Verwurzelung im Gipsy-Swing resultierende Kompetenz beweist der Geiger Hoffmann – ob er die Violine nun schnell „tanzen“ lässt oder wie in „With Love to Perm“ mit viel Schmelz streicht.
Die andere Seite Seidels zeigt sich bei der Aufnahme des klassischen Swing-Trios mit der österreichischen Sängerin Ines Reiger, die die Breite ihrer Ausdrucksstärke und Wandlungsfähigkeit mit Kompositionen von Sonny Rollins über ein Gershwin-Potpourri bis Jobim belegt. Sie besticht mit sicherer Phrasierung und weitem Tonumfang, sie scattet zur Gitarre und solo oder singt textgerecht – mit der Folge, dass manchmal - wie in „I fall in love too easily“ - ihre Interpretation fast zu dramatisch wirkt. Insgesamt sind die neun Stücke dank der swingenden Souveränität des Trios mit Dinkelbach am Piano, Donker am Bass und Seidel an der Gitarre sowie des schwarzen Jazz-Feeling der Wienerin ein Genuss für die Freunde des klassischen Mainstreams.

 

(km)

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