Johnny Cash - The Man Comes Around
09.10.2013 16:34 von jazz (Kommentare: 0)

Island Mercury, 2002
Als wäre er gerade noch einmal vom Totenbett aufgestanden, so klangen seine letzten Aufnahmen auf "Solitary Man". "Der stilvolle Abgang eines einsamen alten Manns" - so war eine der Rezensionen betitelt. Es wäre tatsächlich ein würdiges letztes Werk gewesen – persönlich und eindringlich. Ein Vermächtnis und ein Bollwerk gegen allen überproduzierten Trallalla-Schwachsinn und 0815-Popgeseiche. Und dann kommt am 4.11. im Jahre des Herren 2002 doch wieder eine Silberscheibe in die Läden – mittlerweile die vierte Ausgabe der von Jack Rubin produzierten "America"-Reihe: "The Man Comes Around".
Das Erfolgsrezept kennt man aus den letzten Jahren, mit John Lee Hooker wurde es beispielsweise vorexerziert: man nehme einen unbestrittenen Meister und schare exzellente Musiker um ihn herum, die Synergie-Effekte werden es schon richten und am Ende steht das geniale Produkt im Plattenregal. Das funktioniert recht gut aber meist klappt es so richtig nur bei der ersten Scheibe, danach wird jeder Versuch ein leicht müderer Abklatsch der vorherigen Aufnahmen.
Nicht so in dieser Reihe. The Man Comes Around ist von gleicher exzellenter Qualität wie seine Vorgänger. Wieder covert sich Cash durch eine ganze Reihe von Klassikern der Pop- und Rockmusik, von U2 über Paul Simon bis hin zu den Beatles oder Depeche Mode. Das ist an sich nichts besonderes aber Cash entkernt die Musik, es bleibt die Reduktion auf das Allerwesentlichste, es bleibt der Text und es bleibt – natürlich - seine Stimme: Markant und eher brüchig als kraftvoll eignet sie sich die Lieder an und läßt sie klingen, als ob sie nie für jemand anderen geschrieben worden wären.
(fs)


