Jürgen Wölfer - Das Lexikon „Jazz in Deutschland“
09.10.2013 18:53 von jazz (Kommentare: 0)

Hannibal Verlag 2008
ISBN 978-3-85445-274-4
Das Lexikon „Jazz in Deutschland“ ist ein wahrhaft gewichtiges Werke. Es enthält auf einer nicht angegebenen Seitenzahl immerhin 1 675 Einträge von Michael Abene bis Walter Zwingemann, auch wenn das Versprechen des Verlages, alle Musiker und Plattenfirmen von 1920 bis heute zu nennen, nicht eingehalten werden kann. So fehlen — um nur zwei Beispiele zu nennen - der aus Mainz kommende und mit dem Henessey-Jazzpreis ausgezeichnete Bassist Christian von Kaphengst oder der Mannheimer Jazzpreisträger Steffen Weber, dafür werden recht neue Stars wie der Trompeter Nils Wülker oder eher regional bekannte Jazztalente wie der Posaunist Christoph Thewes vorgestellt. Die Zahl der professionellen Musiker und Musikerinnen ist in den zurückliegenden Jahrzehnten beträchtlich angewachsen — gefördert durch die Einrichtung von Jazz-Studiengängen oder Hochschulen, so dass es in der Tat unmöglich ist, alle Jazzer und mit der Jazzszene befassten Personen in Deutschland nennen zu.
Autor Jürgen Wölfer, der seit mehr als 20 Jahren in der Schallplattenbranche arbeitet hat eine immense Fleißarbeit geleistet. Er ist bescheidener als der Verlag, wenn er von einem Versuch spricht, den Jazz in Deutschland von den Anfängen bis zur Gegenwart in Lexikonform darzustellen. Dabei hat er gerade bei der sorgfältigen Bearbeitung der Jazzmusik in der früheren DDR zahlreiche Lücken geschlossen.
Da es um die Darstellung dieser Musik in Deutschland und nicht um deutsche Jazzer geht, haben eine Reihe ausländischer Musiker , die zeitweise oder für immer in Deutschland spielten, Aufnahme in das Werk gefunden. An erster Stelle sind der Saxophonist Charlie Mariano, der Pianist Mal Waldron oder der Posaunist Eje Thelin zu nennen. Ebenfalls im lexikalischen Teil führt Wölfer Plattenfirmen, Einrichtungen wie das Darmstädter Jazz-Institut und dessen Leiter Wolfram Knauer, Jazz-Kritiker und Autoren, Jazzfestivals wie das Berliner Jazzfest sowie Veranstaltungsreihen wie „Jazz at the Philharmonic“ (JatP) auf.
Im Anhang ist eine chronologische Diskografie der Jazz-Einspielungen des Labels Amiga von 1947 bis 1991 zu finden.
Die 29,90 Euro für diese umfangreiche Fundgrube für Sammler und Historiker sind gut angelegtes Geld. Das Lexikon „Jazz in Deutschland“ aus dem Hannibal-Verlag sollte jeder Fan in seinem Bücherschrank stehen haben.
(km)


