Julie Spencer / Gernot Blume - Out Of The Stillness

09.10.2013 18:01 von jazz (Kommentare: 0)

 

Klangwelt Musikverlag SBP8

Gernot Blume / Julie Spencer and Colored Fish
Lost And Found

SBP CD 002

Die Kompositionen der heiligen Hildegard von Bingen entstanden aus ihrem Glauben, dass die Musik die wahre Brücke zur himmlischen Harmonie sei. Getragene Melodien überzeugen durch reine Frauenstimmen auf einem Fundament instrumentaler Grundakkorde ¬ so wie es die amerikanische Marimbaphon-Spielerin und Sängerin Julie Spencer sowie der Multi-Instrumentalist Gernot Blume bereits im einleitenden „The Seer“ der CD

„Out Of The Stillness“ nachvollziehen. In kühnen Kompositionen gibt es eine vollendete Symbiose von meditativ-tänzerischen und percussiven Interpretationen sowie den flächig-folkloristschen Sounds der beiden in Bingen lebenden Künstler. Notenketten perlen aus dem Marimbaphon, es entstehen mystische und exotische Stimmungen mit Mandoline, Sitar und Violine zur rhythmischen Untermalung der Tablas. Wahrhaft engelsgleiche Vokalisen und ein vergeistigter Sprechgesang erzeugen getragen und schwebend sakrale Impressionen, tänzerisch beschwingt assoziieren Instrumentalparts mit Dudelsack oder Akkordeon gälische und verwandte Folklore sowie mittelalterliche Musik. Fast immer werden die Melodien über einem Bassfundament geführt, das mit exotischen Instrumenten wie dem Didgeridoo oder der Shruti-Box erzeugt wird.

Harmonieverfremdungen kennzeichnen die „Stätten der Läuterung“. Das Treffen des Balafon genannten afrikanischen Holzxylophons, von Bass-Trommel, Kuhglocken, Tambourin sowie bolivianischer Flöte und Kontrabass malen das musikalische Bild von der Erschaffung der Welt. Inspiriert von den Visionen der Hildegard von Bingen und den Miniaturen zu ihren theologischen Schriften haben Julie Spencer und Gernot Blume einen Dialog über die Grenzen der Zeit und musikalischen Kategorien hinweg geschaffen. World-Jazz in weiten Sinn.
Ebenfalls alle Kategorien sprengend, spielen Gernot Blume und Julie Spencer mit dem Duo „Colored Fish“, dem Drummer Dan Morris sowie Pedro Eustache an Flöten, Tenorsaxophon und Bassklarinette, auf der CD „Lost And Found“.

Der Zuhörer stößt auf ein schönes melodisches und swingendes „Affirmation“, aber auch auf einen Harmonien aufbrechenden freien und pulsierenden „Black Box Blues“: im ersten die singende Bassklarinette zu Synthesizer und elektronischem Bass, im Letzteren mit Tenorsaxophon, Percussion und Akkordeon. Dazwischen präsentiert Blume „Images“, eine Impression auf einer Kirchenorgel, die mit Vogelzwitschern Sommer assoziiert, oder Spencer „Green Second Flashing“ ein Solostück auf dem Marimbaphon, dem Hauptinstrument der „Ausnahmekünstlerin“, und wiederum Blume mit einer folkloristischen Solokomposition „Anjou“ auf der Konzertgitarre. In „Being“ schließlich verschmilzt Blume die modalen Klangfarben der Nordindischen Sitar mit westlichen Harmonien – mit Bassflöte, Percussion, Sitar, Synthesizer und Marimba. Das Überraschende ist, dass diese Zusammenstellung keineswegs beliebig wirkt, sondern in ihrer musikalischen Vielfalt eine logische Einheit bewahrt.

 

(km)

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