Kai Schumacher spielt Frederic Rzewski - The people united will never be defeated

09.10.2013 19:05 von jazz (Kommentare: 0)

 

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Es ist eine politische Proklamation: „The people united will never be defeated“. Der amerikanische Pianist und Komponist Frederic Rzewski ist ein leidenschaftlicher Verfechter einer politischen Ästhetik. Kein Wunder also, dass er das chilenische Protestlied „El pueblos unido jemás será vencido“ in seinem Klavierwerk aufgegriffen hat, um die politische Botschaft mit geradezu altmeisterlicher Vollendung in Thema und Variationen zu verstärken. 
Wenn auch der Einspielung mit dem jungen Pianisten Kai Schumacher das Original fehlt, das dieser in seinen Konzerten einführend einspielen lässt, so ist doch zu erkennen, dass Rzewski bei aller Freiheit nahe an der metrischen und harmonischen Struktur des Originals bleibt. In den in sechs Blöcken mit jeweils sechs Variationen taucht das Thea immer wider auf, entwickelt der Komponist jedoch eine Vielfalt an Ausprägungen höchster pianistischer Komplexität und gleichzeitiger Sensibilität, so dass es besonderer Virtuosität bedarf, dem Anspruch Rzewskis gerecht zu werden. 
Kai Schumacher gelingt dies mit Bravour. Er pendelt mit bewundernswertem Gespür zwischen verklärten Melodien und wuchtigen Akkordexplosionen, tastet suchend nach Single-Notes, um dann wiederum in einen rasenden Lauf zu verfallen. In den „Variationen 4“ nimmt Schumacher die Dynamik bis fast zur Unhörbarkeit zurück, schließt einen perlenden Lauf an, lässt das Piano in den „Variationen 6“ ausgeprägt swingen und erinnert in zarten Melodiebögen an die folkloristischen Wurzeln, bevor er wieder zu einem geradezu aus der Klassik entnommenen Lauf ansetzt. In den folgenden „Variationen 5“ zeigt sich Schumacher als ein flinkfingriger Läufer in den höchsten Lagen des Flügels, um dann plötzlich innezuhalten, um mit zarten, sparsam gesetzten Noten und Akkorden das Thema im Marschrhythmus kraftvoll drängend aufzubauen. 
Es mag dem Pianisten zugute kommen, dass er mit Jazz und Rockmusik Erfahrungen gesammelt hat. So spürt der Zuhörer auf der CD – wenn auch nicht so intensiv wie in den Konzerten – dass Schumacher die Freiräume des riesigen Klavierwerkes auszuschöpfen vermag und weit mehr als nur reproduziert.

 

(km)

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