Kristjan Randalu - Desde Manhattan
09.10.2013 19:10 von jazz (Kommentare: 0)

Jazz ´n Arts, JnA4209
Die Kompositionen des Pianisten Kristjan Randalu vereinen Gegensätze: Lyrik und Melancholie auf der einen Seite, treibende Rhythmen und ostinate Percussion auf der anderen Seite. Diese Gegensätzlichkeit weiß der aus Estland stammende und 2007 mit dem baden-württembergischen Jazzpreis ausgezeichnete Musiker zur Spannungserzeugung zu nutzen. Von zuhause aus zunächst klassisch ausgebildet, fand Randalu zum Jazz und eine ganz originäre Tonsprache. Dies wird gefördert durch die eigenwillige Besetzung – unter anderem mit dem aus Polen stammenden und in New York lebenden Schlagzeuger Bodek Janke, aus dessen Feder auch die herausragende Komposition dieser CD „Desde Manhattan“ stammt. Hier verbinden sich polnische Folklore, sperriges Pianospiel, ein feuriges, an avantgardistische Klangexperimenten und dennoch in osteuropäischer Tradition verwurzeltes Cello-Spiel sowie eine vielschichtige Rhythmik.
Die Ostinati auf Piano und Bass wirken zuweilen geradezu hypnotisch. Die Duos von Bass und Cello auf dem rhythmischen Drum-Teppich faszinieren in ihrer harmonischen Zusammenstellung. Als „Multikulti“ lobt der PR-Text zur CD diese musikalische Kombination aus europäischer Folklore und amerikanischem Jazz zu Recht. Vokale Einlagen oder helle und leise Cello-Klänge im Hintergrund werden geschickt platziert. Im abschließenden „Teraz“ werden gar indische Rhythmik und Vokalisen eingesetzt. Soweit es die Herkunft der Musiker angeht, treffen Estland mit Randalu und Polen mit Janke auf Spanien mit dem Bassisten Antonio Miguel und Deutschland mit dem außergewöhnlichen Berliner Cellisten Stephan Braun. Das Ergebnis ist unterhaltsam, über weite Teile sogar erregend und mitreißend.
(km)


