LESZEK KULAKOWSKI - KATHARSIS

01.01.2000 16:00 von jazz (Kommentare: 0)

Music Vox MV 708-2

 

"Katharsis" - bei diesem CD-Titel mag man zunächst seichtesten Romantik-Kitsch argwöhnen, zumal das allerletzte Stück des Silberlings ausgerechnet die sentimentale "Love Story" von Francis Lai ist. Doch der polnische Pianist Leszek Kulakowski, der sich ausgiebig mit der Folklore der Kaschuben auseinandersetzte und Absolvent einer ordentlichen Musikschule ist, legt eine beträchtliche stilistische Spannweite vor. Auch das dem Klaviertrio zugetane Streichquartett schleimt nicht bloß süßlich. Freilich klingt dieses zuweilen mit seinen von Kulakowski entworfenen homophonen Einsprengseln wie das simple harmolodische Konzept von Ornette Coleman, der ja einst bei seiner LP "Skies Of America" ein ganzes Sinfonieorchester bemühte. Die vier "klassischen" Saiteninstrumente verbünden sich jedoch hier "schlag"-artig mit dem gezupften Kontrabass von Jacek Niedzela oder unterstreichen auch die Rhythmik des Drummers Marcin Jahr. Zudem entwickelt Kulakowski bei seinen Arrangements vielfach das zwiespältige Gefühl einer heilen Welt voller Morbidität, wenn das Streichquartett zerbrechliche Flageoletts erzeugt und die Saiten derb angekratzt werden.

 

Die Leser der renommierten Warschauer Fachzeitschrift "Jazz Forum", die es früher sogar in englischer und deutscher Sprache gab, setzten bei der Umfrage "Jazz Top '99" die Katharsis-CD auf Platz 2 der polnischen Jazzproduktionen. In der Kategorie Komponist kam Kulakowski auf Rang 3, bei den Pianisten ist er die Nummer 4. Aufgenommen wurde die Platte 1998 im Studio Radio Gdansk. Kontakt zu Leszek Kulakowski ist über seine eMail-Adresse "musicvox@kki.net.pl" möglich.

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