Marc Brenken - Christian Kappe Quartet - Eight Short Stories
09.10.2013 18:28 von jazz (Kommentare: 0)

marc brenken music, mbm 001
Eigentlich erstaunlich, wie unprätentiös „eight short stories“, die erste CD-Veröffentlichung des Marc Brenken – Christian Kappe Quartetts, daher kommt. Während anderenorts mit viel marktschreierischem Getöse die nächste langbeinige Reinkarnation von Ella Fitzgerald oder Billie Holiday gefeiert wird und jeder zu glauben scheint, dass sich Pop-Hits im moderaten Jazzgewand unbegrenzt verkaufen ließen wie warme Semmeln, hat das Quartett um den Pianisten Marc Brenken und den Trompeter Christian Kappe einfach ein verdammt gutes Jazzalbum eingespielt. Zu hören gibt es auf dem Debut-Album des Quartetts ehrlichen Jazz, in der Tradition verwurzelt, ohne diese unreflektiert zu zitieren.
Die acht Kompositionen von Marc Brenken, dessen Musik bereits zum Erfolg des Films Sonnenallee beigetragen hat, spielen lustvoll mit Bezügen und Querverweisen. Hier meint man einen Hauch von Richie Beirach zu vernehmen, da lugen mit breitem Grinsen Erroll Garner und Osacar Peterson aus den Noten, ebenso haben Wynton Kelly, John Taylor, aber auch Pat Metheney und John Scofield ihre Spuren hinterlassen. Und doch ist das, was da zu hören ist, immer unverkennbar Kappe-Brenken. Trompeter Christian Kappe - festes Mitglied der Barbara Dennerlein Band und Jasper van´t Hofs aktuellem Projekt „HotLips“ - bringt den unverkrampften Umgang mit den stilistischen Elementen der Großen des Jazz auf die griffige Formel der „wohl verdauten Tradition“. Was er meint, wird beim Anhören der „eight short stories“ klar. Natürlich beherrschen die Musiker sämtliche Ausdrucksformen des Main-Stream und nutzen sie ganz selbstverständlich als Gestaltungselemente ihres eigenständigen Stils.
Neben den beiden Namensgebern des Quartetts gehören der Kontrabassist Alexander Morsey, den man Kennern der jungen deutschen Jazzszene wahrlich nicht mehr vorstellen muss, und der Schlagzeuger Marcus Rieck zur Formation. Eine Rhythmusgruppe, die unterschiedlicher nicht sein könnte und vielleicht gerade darum aufs Beste miteinander harmoniert. Der zupackende Humor Morseys – berühmt-berüchtigt für seine gestrichenen Scat-Soli – trifft auf das feinnervige Schlagzeugspiel Marcus Riecks. Der Kölner Schlagzeuger beherrscht die Kunst, mit wohldosiertem, sparsamem Einsatz seiner enormen technischen Möglichkeiten die Musik zum Klingen zu bringen und dabei wie die Hölle zu swingen.
Auf dem starken Fundament dieser Rhythmusgruppe lassen sich musikalische Gedanken vortrefflich entwickeln. So etwa, wenn die Vier beim „Toy Train Song“ die als Kind so geliebte Holzeisenbahn des Pianisten noch einmal abfahren lassen und man das Geratter des Zuges förmlich zu vernehmen meint. Oder der Zuhörer eingeladen wird, dem improvisatorischen Mäandern der elegischen Melodieanlage eines kleinen polnischen Flüsschens, „Strumyk“, zu folgen, um kurz darauf mit nervösem, hektischem Puls ins „Wespennest“ zu stechen. Die Kompositionen Marc Brenkens erzählen dem Zuhörer kleine Geschichten. Selten einmal stimmen Titel einer CD und das, was auf ihr zu hören ist, so ideal überein. Die „eight short stories“ des Marc-Brenken – Christian Kappe Quartetts nehmen den aufmerksamen Zuhörer mit auf eine spannende musikalische Reise, auf der es so manche Entdeckung zu machen gibt.
Stefan Herkenrath


