Martin Reiter - Alma

09.10.2013 18:41 von jazz (Kommentare: 0)

 

Material Records MRE 018-2


Ob Martin Reiter mit „Alma“ in die Seele des Jazz eindringt oder nicht doch eher seine Seele als Jazzmusiker offen legt, darüber kann der Zuhörer diskutieren. Jedenfalls wandelt der österreichische Pianist mit seiner Musik abseits der Latin-Klischees, hat seinen persönlichen und durchaus eigenwilligen Stil gefunden. Die Kompositionen leben von tänzerischen, leichten Latin-Rhythmen und den pastellfarbenen Klangflächen vor allem aus Gesang, Harmonika und Flügelhorn. Diese transparenten, eingängigen Sounds - angereichert durch die Viola Judith Reiters fügen sich vorzüglich zum perlenden Piano - etwa in „Phenomenon“ mit seinen Inspirationen von Bach-Chorälen. Im solistischen Titelstück „Alma“, das Reiter nach eigenem Bekunden seinem Gitarristen und Percussionisten Allegre Correa gewidmet hat, versucht der Pianist in lyrisch verspielten, dahin fließenden Läufen den Gitarrenlinien nahe zu kommen. 

Martin Reiter zeigt eine Vorliebe zum Spannungsaufbau durch ostinate Melodie- und Rhythmusfiguren auf dem Piano, die sich wie in dem Swing-Stück „Shabanac“ schließlich in einem Flügelhorn-Solo auflösen. In „Minas Waltz“ wiederum begleitet Reiter ein harmonisch reizvolles Solo des Bassisten Matthias Pichler mit sparsam hingetupften Single-Notes, bevor das sanfte und warme Flügelhorn von Matthieu Michel das Thema wieder aufnimmt.

Etwas aus der Reihe fällt das schnelle „Pra Frederic“ (für Frederic Chopin) mit drängender Percussion, der tonangebenden Harmonica Bertl Mayers und von Ana Paula da Silva, die mit heller und durchdringender Stimme singt und scattet. Mit steigender Intensität und Dichte reißt das Stück den Zuhörer mit, bevor Reiter mit einer verträumt wirkenden Einleitung in „Ana“ auf Gegenkurs geht. Den Abschluss findet der Komponist schließlich mit einem schönen Bossa Nova, der Gitarre, Percussion und Piano freien Lauf lässt. 
Die Produktion lässt jedenfalls nachvollziehen, warum der erst 29-Jährige bereits mit dem Hans-Koller-Preis sowie Stipendien am Haager Konservatorium und in New York ausgezeichnet wurde.

 

(km)

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