Matthias Daneck´s N.O.W. - Das Narrenschiff
09.10.2013 16:55 von jazz (Kommentare: 0)

Factory Outlet Records,Vertrieb Jazz-Network 2004-1
So klingt es, wenn das 15. und das 21. Jahrhundert zusammentreffen. Da geht es tänzerisch beschwingt und eigensinnig zu, da schleppen sich Sounds träge dahin, buhlt die Musik im Balladenfeeling, schreien Gitarre und Saxophon schrill wie Spottvögel.
Sebastian Brant´s „Narrenschiff” aus dem Jahr 1494, ein satirisch-typologisches Versgedicht, zählte zu den beliebtesten Bücher seiner Zeit. Der Dichter und Jurist klagte mit seinen Figuren, die auf dem Schiff und der Suche nach einem Paradies für Narren durch ihre Laster und Torheiten ums Leben kommen, die Dummheit, Boshaftigkeit und Gotteslästerlichkeit mittelalterlicher Stände an.
Auf ebenso eindringliche wie einfühlsame Weise hat der Komponist und Schlagzeuger Mattias Daneck die Verse in Musik umgesetzt. Und trotz des engen Korsetts der Programm-Musik finden Daneck, der Gitarrist Norbert Scholly, Bassist Henning Sieverts und Saxophonist Matthias Erlewein ausreichend Freiraum für Soloausflüge.
Das Quartett N.O.W. und Sprecher Norbert Küber erinnern in bestem Sinn an die Jazz-und-Lyrik-Produktionen von J.E. Berendt und anderen, die neben den deutschen Expressionisten bereits die Barockdichtung entdeckt hatten. Auch manche klanglichen Stimmungsbilder knüpfen an jene Produktionen an.
So entstehen musikalische Gedichte, in denen Saxophon und Gitarre sich duellieren, das Schlagzeug stupenden Rhythmusteppich webt oder und ungeraden Metren vorantreibt, der Bass in einem sonoren Lauf begleitet. Sanfte Lyrismen wie in „Von Buhlschaft“ stehen neben expressiven, ungebundenen Ausbrüchen und mit einem spannenden Schlagzeugsolo – wie in „Eigensinn“. Vielseitig wie die Laster ist die Musik und dennoch wiederum so ansprechend, dass der Zuhörer in Versuchung geraten könnte, selbst zu sündigen. Diese CD ist mehr als eine Sünde wert.
(km)


