Meric Yurdatapan - The Great Turkish Songbook

09.10.2013 18:58 von jazz (Kommentare: 0)

 

housemaster records LC 05699

Meric Yurdatapan, die bereits mit der Gruppe Mericimsi türkische Musik und Jazz auf originelle Weise verknüpfte, ist konsequent einen Schritt weiter gegangen: Auf ihrem zweiten Album interpretiert sie seelenvoll und inspiriert die klassische türkische Musik, die auf alte osmanische Hofmusik zurückgeht und verleiht ihr mit jazzigem Akkordgefüge sowie Rhythmik Tiefe und Fülle, die die Lieder von der Einstimmigkeit der osmanischen Kunstmusik befreien. So umranken sich der typische, etwas schwermütig wirkende Gesang mit seinen koloraturähnlichen, melismatischen Passagen und den wie Schleiftöne wirkenden Minimalintervallen in der orientalischen Tonleiter sowie die jazzige Instrumentalisierung mit einem perlenden Piano von Ulrich Bareiss, den fesselnden, harmonisch reizvollen Basslinien von Florian Werther und dem swingenden Schlagzeug von Axel Pape. Dass in der osmanischen Klassik unter anderem neben arabischen auch jüdische Einflüsse verarbeitet wurden, belegt die Komposition „Ben gamli hazan“. Viele der traditionellen und zu neuem Leben erweckten Kompositionen sind bittersüße oder sehnsuchtsvolle Lieder von der Liebe zu Personen oder etwa zu dem Istanbuler Stadtteil Kalamis. (Alle Liedtexte sind im Begleitheft im türkische und englischer Sprache nachzulesen.)

„The Great Turkish Songbook“, so der Titel der neuen CD, ist für die in Wiesbaden lebende und in Istanbul aufgewachsene Türkin eine Zeitreise in ihre Jugend, in der sie den Gesängen ihrer Großmütter lauschen durfte. Diese Musik sei, wie Meric Yurdapan sagt, „die Heimat meines Herzens“. Das hört man jedem Wort, jeder Silbe, an, die sie mit klarer und ausdrucksreicher Kopfstimme vorträgt. Dass die Sängerin die komplizierten Strukturen der Melodiebildung „makam“ und komplexer Rhythmik „usul“ vereinfacht, macht die Musik trotz der exotischen Klangfarben und Stimmungen für das westliche Ohr eingängig. Türkische Vokal-Klassik und Instrumental-Jazz verbinden sich auf faszinierende Weise, ohne dass eine der Seiten ihren Charakter aufgeben muss. 

The Great Turkish Songbook“ ist kein World-Jazz im herkömmlichen Sinn, sondern eine völlig eigenständige Musikausprägung, die von Mal zu Mal mehr gefangen nimmt.

 

(km)

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