Misha Alperin - Blue Fjord
09.10.2013 17:00 von jazz (Kommentare: 0)

Jaro 4249-2
Die Musik sei Ausdruck einer unerklärlichen Nostalgie für die Zukunft, erklärt der Pianist Misha Alperin. Vielleicht habe er aber auch nur geträumt, wie er schon immer sein Leben geträumt habe. Jedenfalls passt diese Aussage vorzüglich zu „Poem“, der einleitenden Komposition auf der CD „Blue Fjord“, einer Sammlung pianistischer Preziosen, kammermusikalischer Kabinettstückchen aus den frühen 90er Jahren. Misha Alperin verbindet die Emotionen der ukrainischen Heimat mit der nordischen Folklore Norwegens, wo er ein zweites Zuhause fand. Unbekümmert ist sein Umgang mit der Folk-Tradition und der Klassik, bruchlos pendelt er zwischen Keith Jarrett und Chick Corea, Mussorgsky und Strawinski.
Misha Alperin ist ein percussiver Pianist. Jeder Ton scheint präzise gesetzt und doch improvisiert er völlig frei. Mit präzisem Anschlag stuft er fein dynamisch ab. Suchende und hingetupfte Single-Note-Linien stehen neben wuchtigen Akkordschichtungen, lyrische Läufe neben ostinaten Melodiefragmenten. Furiose Toccaten neben schlichten Balladen. Insgesamt sind die Klangfarben impressionistisch getönt. In seinem letzten Stück der CD verrät der Pianist seine Verehrung für Bill Evans – was nicht in Gegensatz zu seinem percussiven Spiel steht. Andee Titel sprechen für sich: „Ostinato in 7/8“ und „Similar to Mazurka“.
Die Kompositionen des nordisch geprägten Russen sprechen von der Suche nach Schönheit, sind Widerspiegelung des Bemühens, sich selbst in Harmonie mit der Welt zu sehen. Intellekt und Intuition befinden sich in Balance.
(km)


