Nicolas Humbert & Werner Penzel - Brother Yusef
09.10.2013 19:07 von jazz (Kommentare: 0)

Air / jazzwerkstatt berlin, air 1001
Abgeschieden von der Welt lebt Yusef Lateef allein mit seinen Instrumenten und Erinnerungen in einem Haus im Wald. Die Melancholie des verschneiten Wintertages und der grauen Nebel unterstreichen die Stimmungen, die die Filmemacher Nicolas Humbert und Werner Penzel im musikalischen und optischen Porträt des Musikers eingefangen haben. Lateef erzählt in Szenen, die nahezu statisch und ohne störende Schnitte aufgenommen wurden. Er erinnert sich seine Begegnungen mit John Coltrane kurz vor dessen Tod, an sein Engagement bei Dizzy Gillespie sowie an andere Musiker. Die Erzählungen und Anekdoten zeigen Lateef als tief religiösen Menschen, der über das Leben und das Sein nach dem Tod, die Seele und das Herz sowie die eigene Stimme auf dem Instrument nachdenkt. Die Worte kommen fast stockend, aber überlegt aus dem Mund eines Künstlers, dessen „autophysiopsyic music“ aus dem eigenen geistigen, spirituellen und intellektuellen Ich entstand.
Der Film wird der Person Lateefs gerecht, ist selbst ein fotografisches Kunstwerk. Die Available-light-Technik zeigt das Profil des spielenden und singenden Yusef wie ein Schattenriss. Die Großaufnahmen des Kopfes und der Hände und die sparsame Lichtführung unterstreichen die grafische Wirkung und erleichtern es dem Zuschauer, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nichts lenkt von Sujet ab. Die einzige Fremdeinspielung ist ein kurzer Mitschnitt eines Konzertes mit Cannonball Adderley. Die Intimität des Wohnraumes, in dem Lateef gefilmt wird, betont die Authentizität und strahlt wie der Musikers selbst innere Ruhe aus. Niemand stellt „dumme Fragen“. Der Porträtierte bleibt stets der Mittelpunkt. „Brother Yusef“ ist eines der eindringlichsten Musikerporträts, die ich kenne.
(km)


