Peter Lehel - Kalman Olah Hungarian Rhapsody
09.10.2013 16:31 von jazz (Kommentare: 0)

Good International, 2002
Saxophonist Peter Lehel hat zwei "spezielle geographische" Bezüge die sich auf seiner neuen Doppel-CD perfekt ergänzen. Sein Vater stammt aus Ungarn und musikalische Bezüge auf seines Vaters Vaterland fanden sich stets schon auf seinen früheren CDs. Für diese Aufnahmen vertiefte er sich stärker als je zuvor in dieses musikalische Erbe; er begab sich nach Budapest und tat sich mit dem Pianisten Kalman Olah, János Egri am Bass und Elemér Balázs an den Drums zusammen. Den besonderen Touch bekommen diese Aufnahmen jedoch durch die Zusammenarbeit mit dem "Budapest Chamber Symphony". CD I des Sets trägt den Namen "Ancient Songs" und besteht vorwiegend aus traditionellen ungarischen Melodien, arrangiert von Lehel und Olah. Typisch das Stück "Egy Gyenge Kismadár": getragene Streicherpassagen, fast düster zu Beginn, gehen im Verlauf in ein getragenes Volkslied (gesungen von Irén Lovász) über. Die Musik wird tänzerisch - Peter Lehel kann gerade in solchen Passagen besonders mit seinem leichtfüssigen, perlenden Saxophonspiel glänzen - und bleibt doch auf eine unbestimmte Art von einem tiefen Ernst.
CD II, mit dem Titel "Hungarian Moods" ist eine Sammlung von Eigenkompositionen Lehels und seiner Mitmusiker, umrahmt von dem ungarischen Stück, das im Jazz ein Standard wurde: "Gloomy Sunday" (welcher Jazzliebhaber hat da nicht sofort Billie Holiday im Ohr...); zu Beginn in einer Vokal-Version mit Gábor Winand und zum Abschluss in einer Quartet-Version. Dazwischen die Eigenkompositionen in einer exquisiten Balance zwischen Wehmut und musikalischer Eleganz die sich schon in den "Ancient Songs" vermittelt.
Der zweite "geographische Bezug" ist für Peter Lehel mittlerweile Südkorea. Seit einigen Jahren gibt er dort mit großem Erfolg Gastspiele und sein Erfolg in dem Land hat zu einer stabilen Zusammenarbeit mit dem Label Good International geführt. Die Ausstattung dieser Doppel-CD ist außergewöhnlich und edel. Geschmackvoll gestaltet, hervorragend gedruckt - man merkt, daß sich die Gestalter mit Liebe zur Sache an die Arbeit gemacht haben. Wenn das "Drumherum" aller CDs von dieser Qualität wäre, dann wäre die Trauer um den Verlust der LPs kleiner und der Kampf gegen Raubkopien leichter.
Mit Hungarian Rhapsody ist Peter Lehel eine ganz außergewöhnliche DCD gelungen.
(fs)


