Phoenix Foundation & Friends live - Ein Freund, ein guter Freund
09.10.2013 17:08 von jazz (Kommentare: 0)

Sich des Dadaisten Ernst Jandl und seiner Sprachmanipulationen mit der Neigung zum Grotesken anzunehmen, ist ein Wagnis. „Einige meiner Texte sind so angelegt, dass der Leser sie laut sprechen muss“, hat der Autor einmal selbst gesagt. So bietet es sich an, Jandl in einen lautmalerischen Kontext zu setzen. Was denn Frank Reichert mit der Phoenix Foundation getan hat. Vier Texte „Aus der Kürze des Lebens“ trägt Reichert vor, umspielt von den Musikern nach Kompositionen von Dieter Glawischnig. Der Zuhörer ist geneigt, gleich zwei Mal nachzuschauen, dass es sich tatsächlich um ein Jugendjazzorchester handelt. Was da auf der Scheibe geboten wird, erinnert in bestem Sinne an die stilbildenden und aufregenden „Jazz & Lyrik“-Produktionen von Joachim Ernst Berendt. Reichert – obwohl kein Rezitator – trägt überzeugend vor und die jungen Musiker unterstreichen die Texte mit sensiblen Soundtüfteleien und Klangfärbungen, Collagen aus freiem Spiel, wie sie manchen ausgebufften Profis zu Ehren gereichen würden.
Dass die Musiker des Landesjugendjazzorchesters Rheinland-Pfalz auch in ihrem eigentlichen Metier mit Bravour zu Hause sind, beweisen sie mit einer Reihe von Big-Band-Stücken. Runder und satter Sound, druckvolle und zupackende Bläsersätze, eine treibende Rhythmusgruppe. Die Phoenix Foundation legt hier keine Konzept-CD vor, sondern präsentiert mit Mitschnitten aus verschiedenen Konzerten in Mainz, Worms, Kaiserslautern, Montabaur und Zweibrücken einen Überblick über eine Big-Band-Arbeit, die aus dem Rahmen fällt. Da ist beispielsweise „Funky Sam“ mit den „Samulnori“ genannten koreanischen Trommlern, die ein atmosphärisches dichtes Trommelgeflecht entwickeln und die die Foundation zu einem Rhythmus-Feuerwerk antreiben. In „Miles away“ nähert sich der Jazzpreisträger und Solotrompeter der NDR-Big-Band Klaus Stötter als Gast in seiner Komposition mit der Big Band dem großen amerikanischen Star-Trompeter. Ein Paradestück des orchestralen Jazz ist Ellingtons „Things ain´t what they used to be”, in dem vor der groovenden Big Band als Gast der Trompeter Terell Stafford brilliert. Ein weiterer Freund der Phoenix Foundation ist der Saxophonist Greg Abate, ein hochenergetischer Bebop-Saxophonist „Cookin´ at the continental“.
Dass die CD mit „Ein Freund, ein guter Freund“ mit einer historischen Aufnahme aus dem Film „Die Drei von der Tankstelle“ eingeleitet und abgeschlossen wird, ist ein netter Gag und zielt auf die Gastsolisten.
Bitte weitersagen: Das Orchester formiert sich gegenwärtig neu. Interessenten können sich ab sofort bewerben. Unterlagen gibt es im Internet unter www.phoenixfoundation.de. Posaunisten und Posaunistinnen sind besonders begehrt. Vorspieltermine sind am 14. und 17. April im Mainzer Peter Cornelius Konservatorium.
(km)


