Trio Derome - Guilbeault - Tanguay - Etymologie

09.10.2013 18:40 von jazz (Kommentare: 0)

 

AM 166 DVD

Manche Passagen erinnern an die Anfänge des Free Jazz mit ihrem drängenden Pulse, den ekstatischen Aufschreien des Saxophons mit überblasenen Spitzen und verschmierten Tönen. So fasziniert die Interpretationen von „Miss Ann“ und „245“, zweier Kompositionen des Klarinettisten Eric Dolphy, der sich einst zwar von den Bindungen der Tradition schrittweise löste, aber stets wusste, wo die Wurzeln sind. Gleiches kann von dem Saxophonisten und Flötisten Jean Derome gesagt werden, der sich auf dem DVD-Mitschnitt des „L´Off Festival de Jazz“ in Montreal vom Juni vergangenen Jahres einiger Kompositionen Dolphys annimmt, sich Misha Mengelberg widmet, aber auch Duke Ellington mit einem virtuosen, leicht überblasenen und sehr melodischen Flötensolo huldigt und Lennie Tristano nicht verschmäht. 

Deromes expressives, stets ins freie Spiel drängende Saxophon kontrastiert zu dem meist gradlinigen, melodiösen sowie harmonisch reizvollen gezupften Spiel des Bassisten Normand Guilbeault, der wiederum im Arco-Spiel auf dem Kontrabass befreiter wirkt. Dritter im Bund ist der äußerst musikalische Schlagzeuger Pierre Tanguay meist mit durchlaufendem Metrum, hin und wieder aber frei pulsierend.
„Étymologie“, das aus der Feder Deromes stammende Titelstück der Konzert-DVD assoziiert nicht nur Charlie Parkers „Ornithology“, sondern bewegt sich auch musikalisch im Übergang vom aggressiven Hardbop zu Free. 

Filmisch hat der Mitschnitt keinen Preis verdient, kommt über das Abfotografieren nicht hinaus, bringt aber zumindest stets rechtzeitig die Solisten ins Bild. Interessant sind dagegen die Zwischenmoderationen Deromes. Letztlich ausschlaggebend ist aber die Musik des Trios, die in ihren sanften und melodiösen Stücken mit faszinierenden Bass-Solo-Linien und sonorem Baritonsaxophon in Mengelbergs „A bit nervous“ ebenso gefangen nimmt, wie in den expressiven, rauen und energetischen Up-Tempo-Handbop-Nummern. Mehr als ein Gag ist der Sprechgesang Deromes im „Jitterbug Waltz“. Die Musik ist so interessant, dass es eigentlich reicht, nur hinzuhören.

 

(km)

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