Vladyslav Sendecki - Solo Piano at Schloss Elmau

10.10.2013 10:41 von jazz (Kommentare: 0)

 

 

9485-2 ACT

 


„Ich will Farben und Klänge hören“, sagt der polnische Pianist Vladyslav Sendecki. Dass er auf seiner ersten Solo-CD Marc Chagall eine Suite widmete, unterstreicht die Seelenverwandtschaft des älteren Malers und des jüngeren Musikers. Transparent und schwebend in der Darstellung, frei in der Form und tief in der Symbolik sind die Interpretationen Sendeckis, der bereits bei meinem ersten Zusammentreffen anlässlich des New Jazz Meetings 1988 in Baden-Baden mit seiner ausschweifenden Fantasie und der Offenheit gegenüber freiem Jazz sowie zugleich der Folklore seiner polnischen Heimat beeindruckte. Seine neue Solo-CD ist eine logische Fortführung des Konzeptes, Gedanken und Gefühle direkt in Musik umzusetzen. Sendecki meistert mit der Virtuosität des klassischen Konzertpianisten und der Kreativität des Jazzimprovisators pianistische Hürden
mit wahrhaft spielerischer Leichtigkeit.

 

Wuchtige Anschläge kontrastieren zu schlichter Liedhaftigkeit, ein „Karparten-Blues“ zum verträumten „Wiegenlied“. Rasende Ostinati und Themenvariationen wechseln sich mit suchenden Single-Note-Linien ab, perlende Notenketten mit kraftvollen Akkordschichtungen. Skizzen meditativer Momente in „Blackbird“ entstehen während des Spielens. Sie assoziieren wie andere Stücke Schönheit, Licht und Leichtigkeit, Melancholie und drängende Leidenschaft. Und so nebenbei hebt er die Grenze zwischen Klassik und Jazz auf. „Ich möchte vor allem meine Wurzeln leben“ sagte Sendecki vor geraumer Zeit in einem Interview. Weil er diese Erfahrung offenbar mit dem Publikum teilen will, hat der Pianist für seine Einspielung dieses Mal nicht das sterile Studio, sondern den Live-Mitschnitt eines Konzertes in Schloss Elmau gewählt. Doch auch im heimischen Wohnzimmer kann man die Improvisationen uneingeschränkt genießen.

 

(km)

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