Youssou N´Dour - Rückkehr nach Goirée

09.10.2013 19:06 von jazz (Kommentare: 0)

 

Mouna / Alive 6410330

Blues, Jazz, Gospel, Spiritual – all diese Musik wäre nicht Bestandteil der amerikanischen Kultur, wenn nicht die Afrikaner in Amerika ihre eigenen musikalischen Traditionen mit denen ihrer Unterdrücker verschmolzen hätten. Youssou N´Dour, 1959 im senegalesischen Dakar geboren, hat die afrikanischen Wurzeln in seinen Songs zwar mit Jazz und Pop angereichert, aber nie verleugnet, sondern überzeugend bewahrt. Zum „Afrikanischen Künstler des Jahrhunderts“ hat ihn deshalb das Fachblatt „Folk Roots“ ernannt. 

In einer eindreiviertelstündigen Dokumentation hat der Schweizer Regisseur Pierre-Yves Borgeaud den Sänger nun auf dessen Spurensuche durch Amerika und Europa zurück in den Senegal und auf die frühere Sklaveninsel Goirée begleitet. „Rückkehr nach Goirée“ ist kein Musikvideo – auch wenn sich der Film um die Musik dreht und die Musik stets präsent bleibt. Schon die Intro erinnert an das Leid der Sklaven, ohne dass N´Dour den Zeigefinger hebt. „Rückkehr nach Goirée“ ist auch keine bittere Abrechnung mit der Sklaverei, auch wenn der Sänger am Ende dem Kurator des „Hauses der Sklaverei“ auf der Insel, Joseph Ndiaye, dafür dankt, dass er wie vielen anderen zuvor, „die Wahrheit über viele Dinge erzählt“ habe. „Rückkehr nach Goirée“ ist eine fröhliche Rückkehr mit Musikern, die N´Dour bei seinen Stationen in Atlanta, New Orleans, New York, Genf und Luxemburg eingesammelt hat. Der Kulturbotschafter gewährt in diesem „Road-Movie ebenso Einblicke in die Historie der Sklaverei wie in die faszinierende Welt des Jazz heißt es im PR-Text treffend. N´Dour ist ein Griot, ein Erzähler, der in seinen Songs im Sinne einer „oral history“ Traditionen weiterreicht. 

Borgeaud ist es gelungen, eine an sich nüchterne Dokumentation mit ergreifenden und rührenden Szenen lebendig werden lassen. Eine der aufregenden Begegnungen ist die mit Amiri Baraka, der unter seinem früheren Namen LeRoy Jones mit „Blues People“, die Musik der Schwarzen im weißen Amerika, eine ebenso provozierendes wie lehrreiches Buch geschrieben hat. 

Authentizität gewinnt der Film durch das einfache Abfilmen bei Außenaufnahmen, die Intimität der Drehorte bei Freunden, in Kneipen und Studios., durch die Arbeitsatmosphäre, der Vorrang vor der Aufnahme vollständiger Songs eingeräumt wird, sowie durch die Unbekümmertheit und Natürlichkeit der Darsteller. Borgeaud hat dabei ganz bewusst auf technischen Aufwand verzichtet.
Der DVD ist ein Plakat der Titel-Illustration beigefügt. Ein dünnes Booklet mit den Künstlernamen und Reisestationen wäre nützlicher gewesen. Man müsste nicht auf den flüchtigen Abspann warten oder immer wieder im Film die Pausetaste drücken.

 

(km)

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