Enjoy Jazz 2013 - Programm und Informationen
07.09.2013 12:32 von jazz (Kommentare: 0)

Enjoy Jazz 2013
Programm und Informationen
Ein kleines Jubiläum wird bei Enjoy Jazz 2013 gefeiert: die 15. Ausgabe steht vor der Tür und zur Abschlusspressekonferenz, knapp einem Monat vor Beginn des mehrwöchigen Events, waren immerhin zwei der drei Oberbürgermeister der beteiligten Städte auf dem Podium anwesend, der Geograph Würzner aus Heidelberg und OB Kurz aus Mannheim.
Eingeläutet wurde die PK in diesem Jahr vorab mit einem kurzen Imagefilm. Zwei der angekündigten Highlights des Festivals wurden im wesentlichen gefeatured: Joshua Redman, der am 2. Oktober das Festival in der Geburtsstadt von Enjoy Jazz eröffnen wird und der "Artist in Residence", Pianist (natürlich: "genial") Michael Wollny, der in der Pressemappe nicht nur als solcher sondern aus (noch?) unerfindlichen Gründen zusätzlich als "Humanist" angekündigt wird. Gegenseitige Lobpreisungen sind angesagt: die Künstler gehören zum bestem im Jazz überhaupt und in Deutschland zumal, dafür ist Enjoy Jazz das tollste Festival. Eine gewisse Tendenz zum etwas dickeren Auftragen lässt sich insgesamt feststellen, offizielle Sprachregelung ist mittlerweile wohl: "Enjoy Jazz" wird nur noch im gleichen Atemzug mit "größtes Jazzfestival" genannt.
Bevor es auf dem Podium zur Sache ging, nahm der Film noch eine kleine Wendung bei der nicht ganz klar ob subtiler Humor oder blankes Jazzunverständnis der Filmemacher am Werk war. Er klingt mit einer längeren fröhlichen Sinti-Jazz Musiksequenz aus, über die eine bunte Melange von Enjoy Jazz Filmschnipseln des vergangenen Jahres gelegt wird. Da mutiert sogar Free Jazzer Brötzmann zum leicht verdaulichen King of Clarinet.
Vom Podium schallen dann die gewohnt freundlichen - und zurecht so - Worte zum Festival. "Leuchtturm", "feinster Jazz", "international" usw. usf. Alles richtig, so wie es schon die vergangenen Jahre war. Eine Überraschung vielleicht, dass es 2013 keine rechte Überraschung gibt: war es in den vergangenen Jahren noch stets ein gut gehütetes Geheimnis, welches Jazzschwergewicht das von BASF gesponserte Abschlusskonzert spielt, so gibt es in diesem Jahr - Keines. Das mag schlicht ein Zeichen dafür sein, dass mittlerweile die wichtigsten der "großen Alten" schon bei Enjoy Jazz gespielt haben (Coleman, Rollins, Shorter...), vielleicht aber auch dafür, dass das Festival mittlerweile im Alltag angekommen ist und ausreichend mit dem kompletten Programm punkten kann um auf die Attraktivität singulärer Jazzgrößen verzichten zu können.
Dass die Vertreterin von BASF das "Esbjörn Svenson goes Classic Projekt" als größeres Highlight zu verkaufen versucht, sei ihr gegönnt. Ob es wirklich nötig ist, die Musik von Svenson, die ja eher von Pop und Rock beeinflusst war und sich in der Trio-Form ziemlich vollkommen gezeigt hat, zu "symphonisieren" sei dahingestellt. Es liegt zumindest im Trend der Zeit und passt ja auch recht gut ins gehobene Jazz-Ambiente, welches vom Unternehmen gepflegt wird.

Michael Wollny
Immerhin ist dies eines der Projekte der Residency von Michael Wollny und damit sind wir bei einer der Neuerungen von Enjoy Jazz gelandet - einen Artist in Residence gab es bisher bei Enjoy Jazz noch nicht. Zumindest nicht während eines Festivals. Wollny ist eine exzellente Wahl, von der Qualität des Pianisten konnte man sich in vergangenen Enjoy Jazz Jahren in verschiedenen Formationen überzeugen, sei es im Duo mit Heinz Sauer oder mit seinem vielgelobten Trio [em] - letzteres spielt bei EJ13 allerdings, der Bassistin-Babypause geschuldet, nicht auf. Mehr als ein Ersatz dürfte das Konzert seines neuen Quartetts sein, das mit Eric Schaefer am Schlagzeug, dem Bassisten Tim Lefebvre und dem französischen Akkordeonisten Vincent Peirani besetzt ist. Ein Akkordeonist zum Klaviertrio: das verspricht ungewöhnliche Klänge - ein interessantes Experiment. Über die Residency von Wollny ist das Label "Schwarze Romantik" gespannt und er wird außer mit dem Svenson Projekt und seinem Quartett in einem Trio und dem Künstler Mark Harrington in den Dialog mit Science Fiction Texten gehen, "Michael Wollnys Wunderkammer XXL" mit der hr-Bigband betreten, mit Drummerkollege Schaefer Murnaus Film "Nosferatu" begleiten und zudem bei verschiedenen Matineen auftreten.

Carla Bley
Hatte ich weiter oben behauptet, es gäbe in diesem Jahr kein Jazzschwergewicht, so muss ich das an dieser Stelle schon wieder relativieren. Die britische Pianistin Carla Bley könnte man durchaus in diese Kategorie einordnen und Hugh Masekela oder John Scofield ebenso, allesamt mit ihren Bands im Enjoy Jazz Programm vertreten, wenn auch nicht so prominent herausgestellt wie Andere.
Wie immer sind alte Enjoy Jazz Bekannte zu begrüßen: Bugge Wesseltoft, Brad Mehldau (Solo), bartmes, Nik Bärtsch, Nikolas Anadolis - vom Karlstorbahnhof ins Gesellschaftshaus aufgestiegen -, Peter Evans und andere mehr. Es ist ein Enjoy Jazz Verdienst, die Entwickung von Künstlern konsquent über Jahre zu verfolgen. Das gilt auch für regionale Künstler wie bartmes oder Ditzner, die seit Jahren immer wieder bei Enjoy Jazz auftreten und Festivalleiter Kerns Credo, dass die Qualität der Künstler das wichtigste Kriterium für einen Auftritt bei Enjoy Jazz sei, bestätigt. Eine weitere Entwicklung - die regionale Vernetzung - zeigt sich mit einigen neu hinzugekommenen Spielstätten, so findet in diesem Jahr zum ersten Mal ein Konzert in Kooperation mit dem Forum Kultur Heppenheim statt: am 5. Oktober spielt das Rémi Panossian Trio im Kurmainzer Amtshof.

Peter Evans
Richtig interessant wird das Enjoy Jazz Programm wieder einmal, wenn man sich etwas abseits der "großen Bühnen" und Aufmerksamkeit heischenden Projekten bewegt. Hayden Chisholm, der SWR-Jazzpreisträger wird sein Preisträgerkonzert im dasHaus in Ludwigshafen mit zwei unterschiedlichen Triobesetzungen musikalisch feiern (und ist an zwei Terminen der diesjährigen Schulmasterclasses beteiligt), Erwin Ditzner hat sich für die diesjährige "Carte Blanche" mit Alexander von Schlippenbach, Nils Wogram und Sebastian Gramss geradezu eine Traumband zusammen gestellt und spielt an einem weiteren Abend sein Soloprogramm in einem Doppelkonzert mit dem Bassisten Sebastian Gramss, der den zweiten Teil des Konzertabends bestreitet.

Und sonst? Die bewährten Masterclasses und Jazz-Jugendprojekte, das Symposium zum Kulturmanageraustausch und ein Symposium unter dem Thema "Vision, Perception, Friction: How Jazz became Art and Attack(ed). A Transatlantic Dialogue". Man trifft sich bei den Jazzcocktails und es gibt den üblichen Festivalschnickschnack: Wein, diesmal mit einem Joshua Redman Cuvée und Kaffee ist neu dabei - an der Mischung mit dem Grundton "Jazz" wird noch gearbeitet.
Finanziell scheint das Unternehmen Enjoy Jazz mit Sponsoren recht gut aufgestellt zu sein. Besonders erfreulich: SAS ist weiterhin der Hauptsponsor und die Förderung des Unternehmens SAS ist in ihrer Konstanz und ihrem Umfang schlicht vorbildlich. Eine Verbindung, die über das Finanzielle hinaus geht und sich programmatisch auch in diesem Jahr in den beliebten Matineen ausdrückt. Wollny ist dabei und ein Gespräch von Festivalleiter Rainer Kern mit Wolfgang Sandner: Ein Rückblick auf die fünfzehnjährige Festivalgeschichte. Das darf nach 15 erfolgreichen Jahren sein, ebenso wie die Jubiläumsparty zum mit Nightmares on Wax (live) - schon vor 15 Jahren beim allerersten Festival mit von der Partie.
Alle 75 Konzerte hier als PDF in der Konzertübersicht der Jazzpages (mit markierten Empfehlungen der Redaktion).
| Weitere Informationen auf der Enjoy Jazz Website
(fs)



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