Jazzfrühling Görlitz 2006
Mittwoch 15. März bis Sonntag 19 März 2006
Zum Auftakt des Jazzfrühling 2006 findet ein Symposium zur Jazzszene In der DDR mit Ulli Klaproth und weiteren Gästen statt.
Veranstalter: KULTours e.V.
SYMPOSIUM JAZZSZENE IN DER DDR
„Der Jazz entwickelte sich in den nidrigsten Niederungen der amerikanischen Städte: in den billigen Bier und Schnapsbudiken, in den Nachtlokalen, in denen Gangster ein und ausgehen… Es ist allbekannt, dass die wildesten Formen des Jazz in allen kapitalistischen Städten, nicht zuletzt in West-Berlin, verheerende Wirkung auf junge Menschen ausüben und zu den wirkungsvollsten unter den zahlreichen amerikanischen Rausch- und Giftmitteln gehören“, heißt es 1955 bei dem prominenten DDR Musikwissenschaftler Georg Knepler über die „Rauschmusik des amerikanischen Imperialismus“.
Den DDR-Oberen war Jazz immer ein Dorn im Auge. Diese Musik sei imperialistisch und verderbe Sitten und Moral, so eine der vielen Phrasen und Anfeindungen. Jazz sei subversiv gewesen, ordinär, individuell. All das war in der DDR nicht erwünscht. Viele Jazz Fans aus der DDR pilgerten deshalb, alljährlich Ende Oktober, in die polnische Hauptstadt. Die legendäre Warschauer Jazz Jamboree war für viele mehr als ein Musikfestival. In einer ostblockierten Welt muss dies ein Ort zum Atmen gewesen sein. Ein bisschen wildes Abenteuer, ein bisschen Urlaub vom System.
Trotz aller Beschränkungen entwickelte sich in DDR eine rege Jazzszene mit eigenen großen Festivals wie zum Beispiel in Peitz, die die ostdeutsche Jazzfamilie zusammen hielten. Vor allem der zeitgenössische Free Jazz hat sich zu einer „Musik der Protestierer“ entwickelt, mit seiner variierenden Rhythmik, seiner feinen Melodik und seiner Spontanität hat er sich schnell eine größere Fangemeinde erspielt.
Anders als in Westdeutschland entwickelte sich in der DDR aus Mangel an theoretischen Material, das einfach nicht verfügbar war, eine ganz eigenständige Jazzmusik, bei der es mehr den Zwang gab selbst etwas zu entwickeln.
Aus unterschiedlichen Perspektiven soll die Jazzentwicklung in der DDR vorgestellt und diskutiert werden. Erinnerungen leben auf und werden ohne erhobenen Zeigefinger von Szenelegenden erzählt. Dazwischen gibt es immer wieder Live Sessions.
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