SWR 2 - Jazzprogramm September 2014
19.08.2014 22:10 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
September 2014
Montag, 1. September, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Love Suite
Silke Eberhards Septett „POTSA LOTSA PLUS“ spielt die unvollendete „Wedding Music“ von Eric Dolphy
Von Ulf Drechsel
2009 veröffentlichte das Label jazzwerkstattein Doppelalbum, auf dem das von Silke Eberhard geleitete Bläserquartett „Potsa Lotsa“ alle Kompositionen von Eric Dolphy spielt. Eberhard wusste aber, dass es noch eine umfangreiche Arbeit gibt, die Dolphy, der am 29. Juni 1964 an den Folgen einer nicht diagnostizierten Diabetes im Alter von nur 36 Jahren in Berlin verstarb, nicht vollenden und deshalb auch nie selbst aufnehmen konnte: die „Love Suite“ aus seiner „Wedding Music“. Silke Eberhard konnte sich Zugang zu Dolphys Notenmaterial verschaffen, hat die dreisätzige Suite im Geiste von Eric Dolphy als Komponistin vervollständigt und weitere korrespondierende Eigenkompositionen hinzugefügt. Dafür hat die Altsaxophonistin und Bassklarinettistin ihr Quartett zu einem Septett erweitert. Die im rbb-Studio entstandenen Aufnahmen werden im kommenden Herbst auf CD erscheinen, die Live-Uraufführung des Projektes ist für das diesjährige Jazzfest Berlin geplant. Erste Klangeindrücke ermöglicht das ARD Radiofestival.
Dienstag, 2. September, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Unangepasster Freigeist
Der Pianist Uwe Oberg
Von Claus Gnichwitz
Uwe Oberg, Jahrgang 1962, ist einer, der abseits modischer Trends die rauen Klänge sucht, sich gerne musikalisch reibt und keine faulen Kompromisse eingeht. Der Hessische Jazzpreisträger 2007 arbeitet mit Heinz Sauer, Axel Dörner, Frank Gratkowski und vielen anderen, spielt im Duo mit der chinesischen Zitherspielerin Xu Fengxia, improvisiert zu Stummfilmen und ist seit mehr als 25 Jahren eine der treibenden Kräfte der Wiesbadener Free Jazz-Initiative „ARTist“. Außerdem engagiert sich der Pianist als einer der künstlerischen Leiter des Internationalen Wiesbadener Jazzfestivals „Just Music“.
Mittwoch, 3. September, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
New On Board
Aktuelle Jazzalben
Von Thomas Loewner
„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den CD-Verkaufs-Regalen. Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentieren deshalb die ModeratorInnen von „New On Board“ die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 4. September, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Komedas muntere Erben
Junger Jazz in Polen
Von Wolf Kampmann
Polen hat in den 1960er Jahren eine genuin europäische Jazzsprache hervorgebracht – als eines der ersten Länder Europas. Damals waren es im Umfeld des Pianisten und Komponisten Krzysztof Komeda Musiker wie Tomasz Stanko, Michael Urbaniak, Zbigniew Seifert und Zbigniew Namyslowski, die den polnischen Jazz zum weltweit geschätzten Markenartikel machten. Einen weiteren Höhepunkt erlebte der Jazz an Oder und Weichsel in den 1980er Jahren mit der sogenannten „Yass“-Bewegung, die eine spannende Einheit aus Punk, Funk und Jazz schuf. Nach der Wende zogen viele polnische Jazzer ins Ausland. Doch in den vergangenen Jahren ist eine junge Szene nachgewachsen, welche die Errungenschaften der Komeda-Generation mit den Abenteuern der Yass-Bewegung und aktuellen Einflüssen in einer brisanten Mixtur verbindet. Musiker wie Pianist Marcin Masecki oder die Saxophonisten Waclaw Zimpel und Maciej Obara wie auch die Bands „Pink Freud“, „Mikrokolektyw“ und das „Contemporary Noise Sextet“ legen Zeugnis ab von einer ebenso vitalen wie selbstbewussten jungen Jazz-Szene in Polen.
Freitag, 5. September, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Haïti Jazz Racine
Der Voodoo-Jazz des Saxophonisten Jacques Schwarz-Bart
Von Ulrich Habersetzer
Der Tenorsaxophonist Jacques Schwarz-Bart kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Geboren 1962 auf der Karibik-Insel Guadeloupe, aufgewachsen im Senegal und in der Schweiz, lebt er jetzt in New York und Paris. Er spielte mit Jazzmusikern wie Danilo Perez und Randy Brecker, war lange Zeit Bandmitglied bei Roy Hargrove und arbeitete mit R'n'B-Künstlern wie Erykah Badu oder D'Angelo. In seinem neuestem Projekt „Haïti Jazz Racine“ bringt er Jazz und karibische Musik zusammen, genauer: Er verbindet die improvisierte Musik mit der haitianischen Voodoo-Musik. Der Saxophonist erzählt in dieser Sendung, was ihn an dieser rhythmisch und melodisch so eigenen Musik fasziniert, was für ihn der Voodoo-Kult im Allgemeinen bedeutet und wie er die Verbindung zu Jazz-Improvisationen schafft. Musik, die eine spirituelle Tiefe in sich trägt, und zugleich große rhythmische und melodische Überzeugungskraft besitzt.
Samstag, 6. September, 9.05 – 10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Die letzten Jahre haben gezeigt: Das Stildelta des Jazz ist immer breiter und tiefer geworden. Längst sind es nicht mehr nur Improvisatoren aus dem Mutterland des Jazz, den USA, sind es nicht mehr Musiker nur aus Europa, welche die improvisierte Musik prägen. Zunehmend spielen auch Improvisatoren aus Lateinamerika, Asien und Afrika eine wichtige Rolle. Welche musikalischen Antworten geben sie? Wie sehen ihre Beiträge aus? Ein Blick weit über die Tellerränder der Gattungen und Stile hinweg.
Sonntag, 7. September, 19.12 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Summertime
Die Anfänge des Labels Blue Note (1939-1946)
Von Hans-Jürgen Schaal
Der typische Blue-Note-Sound gilt heute als Inbegriff des erdigen Hardbop und Soul-Jazz der 1950er Jahre. Gegründet hat der aus Berlin stammende Alfred Lion Blue Note allerdings schon 1939 – aus Begeisterung für den Boogie Woogie. Bevor das Label den Bebop und später den Hardbop entdeckte, spielten ganz andere Namen bei Blue Note eine Rolle: die Pianisten Albert Ammons, Meade Lux Lewis und James P. Johnson oder die Klarinettisten Edmond Hall und Jimmy Hamilton. Den größten Label-Erfolg der Anfangsjahre lieferte Sidney Bechet mit „Summertime“ – vor 75 Jahren.
Montag, 8. September, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Copenhagen Summerbreeze
Nanne Emelie und Band in Saarbrücken
Von Peter Kleiß
Schon als Kind hat Nanne Emelie gesungen und all das in Melodien gefasst, wofür Worte ihr zu klein schienen – und schon damals hat sie gewusst, dass die Bühne ihr Platz ist. Als dänische Antwort auf Norah Jones wird sie gehandelt und ihre beiden Single-Auskopplungen „Girl Talk“ und „Turn Around“ waren wochenlang in den dänischen Hit-Radios. Jazz, Singer-Songwriter, Soul, Pop – Nanne Emelies Musik lässt sich in keine gängige Genreschublade stecken und trifft vielleicht gerade deshalb genau den musikalischen Nerv so vieler Musikliebhaber. Ihre Bühnenpräsenz, ihre Authentizität ist unverwechselbar. Als Zuhörer spürt man unmittelbar, dass ihre Auftritte von wahrer Leidenschaft zur Musik getragen sind. Nanne Emelie hat etwas zu sagen. Sie setzt sich kritisch mit sich und der immer hektischer werdenden Welt auseinander. Es sind wunderbare Lieder, die sie schreibt und singt, die davon handeln, wie man es schafft, ganz bei sich zu bleiben. Trotz alledem …!
Dienstag, 9. September, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Roots & Visions
Die Saxophonistin Matana Roberts
Von Julia Neupert
Als „Panoramic Sound Quilting“ beschreibt Matana Roberts ihre grundsätzliche Herangehensweise an Musik. Wie bei der kunsthandwerklichen Quilt-Stepp-Technik arbeitet sie als Komponistin und Improvisatorin ganz bewusst mit einem Patchwork aus verschiedensten Inspirationsquellen und Klängen. Historische Bezugspunkte sowohl aus der Jazztradition als auch aus ihrer eigenen Familienhistorie setzt die 1978 in Chicago geborene Saxophonistin dabei immer wieder in Bezug zu aktuellen künstlerischen aber auch gesellschaftlichen Fragestellungen. Im Zentrum ihrer Arbeit der letzten Jahre steht der Zyklus „COIN COIN“ – ein auf zwölf Kapitel angelegtes Großprojekt, für das Matana Roberts verschiedene Stationen der afroamerikanischen Geschichte multimedial aufarbeitet.
Mittwoch, 10. September, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
New On Board
Aktuelle Jazzalben
Von Harry Lachner
„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den CD-Verkaufs-Regalen. Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentieren deshalb die ModeratorInnen von „New On Board“ die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 11. September, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Petite Fleur
Christof Lauer und die NDR Big Band interpretieren Sidney Bechet
Von Sarah Seidel
Das eindringliche, nach Aufmerksamkeit heischende Klagen eines Sopransaxophons inmitten von Klavier, Bass, Perkussion und Schlagzeug – eine verschworene Formation, die sich entschlossen voranschreitend einen Weg bahnt durch einen zauberhaft-exotischen Wald von Blech- und Holzbläsern. Verschlungene, expressive Melodien des Protagonisten, eingebettet in den satten, warmen Sound der Rhythmusgruppe und des großen Ensembles – so klingt es, wenn der herausragende Frankfurter Saxophonist Christof Lauer heute zusammen mit der NDR Bigband und dem Arrangeur Rainer Tempel aus Tübingen die Musik der Jazz-Legende Sidney Bechet mit neuem Leben füllt. Sidney Bechet, neben King Oliver und Louis Armstrong ein New Orleans-Musiker der ersten Stunde, etablierte in den 1920er Jahren das Sopransaxophon im Jazz. Sein prägnanter Ton und sein überwältigendes Vibrato wurden zu seinen Markenzeichen, seine Komposition „Petite Fleur“ wurde durch Chris Barber's Jazz Band zu einem Welt-Hit. Christof Lauer und die NDR Bigband spielen „Petite Fleur“ und andere Klassiker von Sidney Bechet als eine intensive, kraftvolle Hommage – aus der Sicht moderner Musiker.
Freitag, 12. September, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Von Ornette Coleman bis Billy Martin
Die Faszination der Master Musicians Of Jajouka
Von Guenter Hottmann
Schon in den 1950er Jahren waren Schriftsteller wie Paul Bowles oder William S. Burroughs von den narkotisierenden Klängen der Musiker aus dem marokkanischen Fes-Gebirge fasziniert. Der Rolling-Stones-Gitarrist Brian Jones machte dort bereits 1968 erste Aufnahmen. Ornette Coleman kam wenige Jahre später und einige meinen sogar, im Zusammenspiel mit den Master Musicians habe er seine „Harmolodics“ erst zur vollen Blüte gebracht. Jüngst hat der „Medeski, Martin & Wood“-Drummer Billy Martin mit seinem Benefiz-Album „The Road to Jajouka“ als musikalischer Regisseur dem ekstatischen Sound der Ghaitas zu neuer Aktualität verholfen: Begegnungen von Bachir Attar und seiner „4000 Jahre alten Rock 'n' Roll-Band“ mit Musikern wie Marc Ribot, Falu, Flea, Bill Laswell, John Zorn und Ornette Coleman künden vom transzendenten Potenzial dieser Ritualmusik.
Dienstag, 16. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Von Günther Huesmann
Persönliche Lieblingsalben aus der älteren oder jüngeren Jazzgeschichte werden in der Reihe „My Favorite Discs“ regelmäßig vorgestellt: von den Autorinnen und Autoren unserer SWR2-Jazzredaktion. Legendäre Klassiker oder weniger bekannte Favoriten – warum gerade ein bestimmtes Album sie so beeindruckt hat, erklären sie in dieser Sendung.
Donnerstag, 18. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Thomas Loewner
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs. So berichtet Nina Polaschegg in der Septemberausgabe über die 35. Ausgabe des Jazzfestivals Saalfelden und Odilo Clausnitzer hat für uns Kevin Whiteheads gerade auf Deutsch erschienenes Buch: „Why Jazz?“ – „Warum Jazz? 111 gute Gründe“ gelesen.
Freitag, 19. September, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update: Going Underground
Das Trio Trigger auf Höhlentour
Von Julia Neupert
Tiefenhöhle Laichingen, Schertelshöhle, Sontheimer Höhle und Hohle Fels – das waren die vier Untergrund-Stationen des Berliner Improvisationstrio „Trigger“ auf der Schwäbischen Alb. Mehrere Tage lang erkundeten sie im Juli zusammen mit dem französischen Künstlerkollektiv „Ouïe/Dire” die akustischen und visuellen Besonderheiten dieser Orte, die als Schauhöhlen im Sommer vor allem Touristenattraktionen sind – für das Projekt „Going Underground“ aber auch zu offenen und spannenden Kommunikations- und Kunst-Räumen wurden.
Samstag, 20. September, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: The Reefer Man
Der Bandleader und Sänger Cab Calloway
Von Harry Lachner
Bereits sein erster Hit, „Minnie The Moocher“, spielte mit den gar nicht so kryptischen Zeichen der Drogenszene in den 1930er Jahren. Die Texte des Bandleaders, Sängers und Tänzers Cab Calloway griffen immer mal wieder den damals gängigen Jargon der Freunde von Marihuana, Kokain oder Opium auf – eingekleidet in Songs, die sich mit ihren raffinierten Arrangements von den Music Hall-Stücken jener Zeit unterschieden. Calloway, der im November vor zwanzig Jahren starb, bot nicht nur die perfekte Verbindung aus Swing, Ballroom-Spektakel, präzisionsgesteuertem Humor und ironischer Selbstinszenierung – er förderte in seinen Ensembles auch so herausragende, junge Solisten wie Dizzy Gillespie oder Ben Webster. Zu seiner Popularität trugen auch Auftritte seiner Bands im Fernsehen und in diversen Filmen bei – und nicht zuletzt die Verwendung seiner Musik in beliebten Cartoons der Serie „Betty Boop“ oder der „Schneewitchen“-Version der Fleischer Brothers. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges konzentrierte sich Calloway dann auf eine Show-Karriere, durch seinen Auftritt im Kultfilm „Blues Brothers“ gelang ihm ein Comeback – als Relikt einer vergangenen Zeit.
Sonntag, 21. September,18.55 – 19.30 Uhr (nach dem Hörspiel)
Balkan des Hohen Nordens
Der Multiinstrumentalist Stian Carstensen
Von Ssirus W. Pakzad
Stian Carstensen ist ein Unikum. Der 43jährige Norweger mit osteuropäischen Wurzeln beherrscht Akkordeon, Banjo, Pedal Steel Guitar und einige weitere Instrumente gleichermaßen virtuos. Seine Musik lebt von ihrer Grenzenlosigkeit: In furiosen Medleys mischen sich schwindelerregende scharfzackige Balkan-Melodien, Bluegrass, Jazz, Country, Soul, tauchen Hits von Michael Jackson bis Abba als Schnipsel auf. Neben seiner Band „Farmer´s Market“ betreibt Carstensen ein neues Trio namens „Gammalgrass“ und ein spitzbübisches Duo mit dem englischen Saxophonisten Iain Ballamy.
Dienstag, 23. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session
Höhepunkte von der jazzahead! 2014 mit Ibrahim Electric, Double Trouble, The Vampires und Estafest
Am Mikrophon: Gerd Filtgen
Die alljährlich in Bremen stattfindende jazzahead! zählt zu den wichtigsten internationalen Musikfachmessen. Alle, die mit der Welt des Jazz zu tun haben, angefangen bei Plattenfirmen, Agenturen, Ausstellern und Medienvertretern finden bei diesem Event eine Aktionsfläche und Möglichkeiten, Erfahrungen miteinander auszutauschen. Noch wichtiger sind die Konzerte und Showcases der zuvor von einer Jury ausgewählten Künstler, die unter speziellen Programmschwerpunkten aktuelle musikalische Zeitzeichen setzen. Stellvertretend dafür waren unter anderem in der mit German Jazz Expo bezeichneten Programmschiene „Double Trouble“mit ihrem Streifzug durch unberührte Modern Jazz Regionen, beim European Jazz Meeting überzeugte die holländische Combo „Estafest“ mit ungewöhnlichen Themen, in der Overseas Nightbereicherte die australische Gruppe„The Vampires“ihre Improvisationen mit Einflüssen aus der Pop- und World Music. Mit ähnlichen Inspirationen agierte „Ibrahim Electric“, eine der bekanntesten skandinavischen Formationen im Danish NightFokus.
Donnerstag, 25. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Visionär: „Die Engel“
Aufnahmen mit der Ulrich Gumpert Workshop Band aus dem Jahr 1989
Von Bert Noglik
„Die Engel“, ein Werk mit dem Untertitel „Vier Kurzopern“, basierend auf einem Text des Dramatikers Jochen Berg und Kompositionen des Pianisten und Bandleaders Ulrich Gumpert, wurde im Februar 1988 in den Kammerspielen des Deutschen Theaters in Ost-Berlin konzertant uraufgeführt und im September 1989 – wenige Wochen vor dem Fall der Mauer – im Studio aufgezeichnet. Das mit der Ulrich Gumpert Workshop Band sowie drei Sprecherinnen und einem Sprecher realisierte Werk geriet im rasenden Ablauf der zeitgeschichtlichen Ereignisse beinahe in Vergessenheit. Zu Unrecht, denn „Die Engel“ nehmen mit gewaltigen Metaphern und einer kühnen, bohrenden Musik auf eben jenen Umwälzungsprozess Bezug, dessen reale Dynamik damals selbst in kühnsten Träumen noch nicht vorstellbar erschien.
Freitag, 26. September, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Gleichgewicht der Gegensätze
Das JazzWerkstatt Wien New Ensemble in der Manufaktur Schorndorf
Am Mikrophon: Julia Neupert
„Sympathikus – Parasympathikus“: Mit diesem anspielungsreichen Titel ist das aktuelle Programm des JazzWerkstatt Wien New Ensembles überschrieben. Ensemblemitglied, Posaunist und Komponist Daniel Riegler hat sich für sein musikalisches Konzept von der heiklen Frage nach einer gewissen Balance im Leben inspirieren lassen und in einen facettenreichen musikalischen Kontext übertragen. Nach mehrtägigen Studioaufnahmen in Stuttgart – für eine in Koproduktion mit SWR2 entstandene CD-Veröffentlichung beim Label JazzWerkstatt Records – spielte das Sextett mit Agnes Heginger, Clemens Salesny, Peter Rom, Bernd Satzinger, Sixtus Preiss und Daniel Riegler zum Abschluss noch ein Konzert im Sendegebiet: Ihr Auftritt vom 21. März in der Manufaktur Schorndorf steht im Mittelpunkt dieser NOWJazz Session.
Samstag, 27. September, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Kraftvoll und filigran
Ein Portrait des Pianisten Rainer Böhm
Von Odilo Clausnitzer
Rainer Böhm gehört zu den bescheidensten unter den herausragenden Klavierspielern der deutschen Jazzszene. Während Kollegen mit Projekten als Bandleader glänzen, hat er sich vor allem Meriten als Sideman erworben. So zum Beispiel mit dem Trio des Bassisten Dieter Ilg oder in der Gruppe „Source Direct“ des Schlagzeugers Jonas Burgwinkel. Als gleichberechtigtes Mitglied gehört er zur Mannheimer Band L14, 16. Unter seinem eigenen Namen erschien zuletzt dieses Jahr eine furiose Postbop-Platte in Quartettbesetzung. Emotion und Subtilität, das sind zwei Enden, zwischen denen der Improvisator und Komponist Rainer Böhm ein perfektes Gleichgewicht findet. Seine Musik ist greifbar, aber durchaus komplex und von enormer rhythmischer Spannkraft. Seine überragenden Kompetenzen auf diesem Gebiet hatte er in einem Studienaufenthalt in New York durch Unterricht bei Schlagzeugern ausgebaut. In jüngerer Zeit tritt Böhm außer auf dem Klavier gelegentlich auch auf dem E-Piano beziehungsweise Keyboard in Erscheinung. Für sein Spiel erhielt Böhm zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 2010 den Jazzpreis Baden-Württemberg.
Dienstag, 30. September, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Aus dem Archiv
Die Königin: Betty Carter im Portrait mit Ausschnitten aus Konzerten im Sendegebiet
Am Mikrophon: Bert Noglik
In der Dynastie der Jazzsängerinnen nahm sie die Rolle einer Königin ein. Nach Bessie Smith, der Kaiserin des Blues, und Ella Fitzgerald, der First Lady des Jazz, stand Betty Carter – auch in der Gunst des Publikums – ganz vorn. Dabei hat sie allen Versuchungen des Metiers und den Manipulationsversuchen der Plattenindustrie widerstanden. „Wenn dein Singen kommerziell wird,“ lautete ihre Devise, „hört es auf, Jazz zu sein.“ Inspiriert von den Instrumentalstimmen des Bebop entwickelte Betty Carter eine völlig eigene Art des Scat-Gesanges. Doch sie wusste ebenso mit emotional berührenden Song-Interpretationen zu überzeugen. Die SWR2 Jazz Session stellt die Sängerin Jazz mit Aufnahmen aus dem reichen Fundus des eigenen Archivs vor.
| Mehr Infos im Netz unter www.swr2.de/jazz



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