«Don Chento Jazz» Kaliningrad - Abschluss-Presseinformation
12.08.2007 15:09 von jazz (Kommentare: 0)
«Don Chento Jazz»
Das letzte Juli-Wochenende in Kaliningrad stand ganz im Zeichen Jazz-Musik vom Feinsten. Internationale Stars und blutige Anfänger rangen um die Gunst des Publikums auf der neuen Freiluftbühne.
Hinab zum Bach von der Königin-Luisenkirche führt der Weg zum Gesangsfeld, dessen Tribünen etwa anderthalb Tausend Zuschauern Platz bieten. Doch am 27, 28 und ganz besonders am 29. Juli waren nicht nur die Sitzplätze, sondern auch die ganze Grünfläche rund um die Bühne voll – Kaliningrader kamen mit Freunden und Kindern, um dem internationalen Jazz-Festival „Don Chento Jazz“ beizuwohnen. Insgesamt sollen es mehr als 4 Tausend gewesen sein.
Bewundernswert waren die Gigs der anerkannten Weltstars des Jazz: Victor Bailey, ehedem Bass-Gitarre der geradezu legendären Formation „The Weather Report“ trat auf zusammen mit Bas-Klarinette und Saxofonisten Bennie Maupin sowie Schlagzeugen Lenny White (alle aus USA). Doch auch ein polnisches Trio „Adam Wendt Power Band“ erreichte beim Publikum herzlichen Empfang dank perfekter Verbindung von klassischen Jazz-Rhythmen mit elektronisch angehauchten Klängen. Die Lokalmatadoren „Middle Band“ mit ihren Interpretationen von Evergreens der großen Big-Ladies-Ära haben sich ebenfalls tapfer geschlagen – sie eröffneten das Festival am ersten Tag. Junge Litauer „Saules Kliosas“ gingen sogar von der Bühne runter zu ihrem Publikum und ernteten dafür ensprechenden Applaus.
Das vielschichtige Programm zielte auf verschiedene Generationen der Musikliebhaber. Klassischer Jazz – für die, na ja, Seniors, Night-Jazz-Disco mit „Sa(e)xy Spree“, einem litauischen Projekt mit Gesang, Saxofon und DJ – fürs junge Volk. Im Stadtzentrum, nahe des Drama-Theaters konnten Kaliningrader Musiker ihre Kunst auf der freien Bühne präsentieren. Das passte sehr gut zum Stadtfest, das ebenfalls an den Tagen gefeiert wurde.
Wladimir Katzman, Gründer und Präsident des „Don Chento Jazz“:
"Es ist fast wie ein Kind für mich, ein Teil von mir. Es gibt Sachen im Leben, die man bewusst angeht: Lebensunterhalt verdienen, Reisen. Doch dieses Festival… In den vergangenen zwei Jahren hat es sich in meinem Unterbewusstsein fest verwurzelt“.
Begonnen hat „Don Chento Jazz“ im Jahre 2006, als Katzman, Inhaber einer Pizzeria-Kette und selbst guter Kenner der Jazz-Musik, ein positives Zeichen in Kaliningrad setzen wollte. Absolute Stars des ersten Festivals wurden „The Manhattan Transfer“ (USA). Die ersten Sommer-Konzerte dauerten nur zwei Tage, ihnen folgten kleinere Performances und Klubabende. „Don Chento“ förderte Nachwuchstalente, indem in der Schostakowitsch-Musikschule ein Wettbewerb für junge Jazz-Interpreten ausgerufen wurde.
Andrej Lewchenko, Producer des „Don Chento Jazz“:
"Zum ersten Mal wurde ein solches Festival mit allem, was dazu gehört, allein und ausschließlich von Kaliningradern finanziert, organisiert und technisch versorgt. Alle früheren Feste, vom Stadtjubiläum 2005 bis zum Kunst-Marathon „Baltijskije Sezony“ oder „Luftbrücke Khrabrovo“ mit Scorpions und Joe Cocker, hatten entweder föderalen Finanzhalt oder litauische Organisation dahinter. Unser „Don Chento Jazz“ ist das erste Produkt europäischer Qualität, das vollständig Kaliningrader Herkunft ist – für uns ein großer Grund, stolz zu sein. Mein Gefühl sagt, dass die Stadt ein solches Festival braucht.“
Natürlich gab es zahlreiche Sponsoren, Medienpartner und Förderer. Eines der Ziele der Organisatoren ist es, die Musik rund um die Ostsee vorzustellen. Generalkonsulate Litauens, Polens sowie die deutsche Generalvertretung in Kaliningrad haben zum Erfolg maßgeblich beigetragen. Die deutschen Stil-Ikonen „De Phazz“ wurden zur Finale des dreitägigen Musikfestes mit einem Feuerwerk und riesigem Jübel-Schrei empfangen.
Dr. Guido Herz, Generalkonsul Deutschlands in Kaliningrad:
" Das Don-Chento-Jazz-Festival war eines der herausragenden Kulturereignisse in diesem Jahr in Kaliningrad. Es stimmte alles: die Musik, die Organisation, die Stimmung und sogar das Wetter. Ich kann die Initiatoren nur beglückwünschen. Das Festival ist jetzt schon zu einem Anziehungspunkt weit über Kaliningrad hinaus geworden. Dass es zum zweiten Mal hintereinander stattgefunden hat, lässt mich hoffen, dass es zu einer festen Institution im Kaliningrader Sommer wird.“
Russland, Litauen, Polen, Deutschland, USA, sogar Cuba (polnisch-cubanische Latino-Band Rei Ceballo & Calle Sol), Israel (vertreten durch brillantes Tevet Sela Quartet) und Grossbritannien (fetziges Jazz-Pop-Duo Touch`N´Go), vereint im Zeichen der Kunst – wenn das kein gutes Beispiel der political corrrectness ist! Sogar das Wetter, sonst eher mürrisch drauf, hat den Kaliningrader ihren Spaß gegönnt und während der Konzerte keinen Tropfen abgelassen. Trotzdem waren die schwarz-weißen Regeschirme mit dem Festival-Logo der Verkaufsrenner.
Das Festival ist vorbei, doch auf der Homepage www.jazzfestival.ru mehren sich bereits Einträge mit den Zuschauerwünschen für das „Don Chento jazz“-2008. Man darf gespannt sein…
Autor: Swetlana Kolbanjowa



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