Enjoy Jazz 2011
01.09.2011 10:44 von jazz (Kommentare: 0)

Die Vorab-Statisik zum Enjoy Jazz Festival, dem Festival für Jazz und Anderes ist beeindruckend:
- Dauer: 7 Wochen vom 2.10.11 - 18.11.2011
- über 100 Veranstaltungen
- rund 400 Künstler
- Konzerte und Veranstaltungen an 24 verschiedenen Spielstätten
- die Programmbroschüre hat mittlerweile über 150 Seiten
Die Saison 2011 bietet den typischen Enjoy Jazz Mix - ich nenne es einfach einmal „interest layer festival“. Warum? Das Programm ist so umfangreich und vielfältig, dass es mit Sicherheit nur einen sehr kleinen Kreis von Menschen gibt, die sich für alle Konzerte interessieren und die es theoretisch schaffen könnten, alle Konzerte zu besuchen. Theoretisch wird das spätestens, wenn man Abende entdeckt, an denen vier Konzerte verteilt über die Metropolregion gleichzeitig stattfinden. Und so muss und darf man sich seine „Schicht“ des Festivals herauspicken. Aber keine Frage, das ist das Schöne an Enjoy Jazz: lustvolles Lauschen in eher fremden Gefilden, das Spähen in den „Garten des Anderen“ oder umgekehrt in den „Garten des Jazz“
Die Zeichen für Enjoy Jazz stehen gut: das im Vorfeld als absolutes Highlight bereits ausgiebig propagierte Konzert des Tenorsaxophon-Altmeisters Sonny Rollins ist längst ausverkauft. Wer Pat Metheny live erleben möchte, muss sich sputen - auch hier sind die Karten so gut wie weg. Weg sind die Karten auch beim ungewöhnlichsten Konzert des Festivals: im Atelier 47 in Ladenburg - heuer erstmals als Veranstaltungsstätte mit von der Partie - finden nicht mehr als 25 Zuschauer Platz und vor dieser Kleinstkulisse spielt kein geringerer als der Trompeter Nils Petter Molvaer solo. Cool!
Hat man Interesse an den großen Namen? Dann pilgert man - sofern Karten ergattert - zu Rollins, Wayne Shorter oder John Paul Jones, dem Exbassisten von Led Zeppelin. Oder zum aus dem TV bekannten Herrn Willemsen um ihn beim Plattenauflegen zu beobachten oder sogar zu Jane Birkin in die Stadthalle Heidelberg.
Experimentelles, modernes gibt's (wieder) beim PUNKT Festival in der alten Feuerwache aber auch sonst in vielen Konzerten mit Musikern von denen man möglicherweise bislang noch nichts gehört hat. Aber man kann sich informieren, besser noch als in den Vorjahren, da die Festivalmacher in diesem Jahr noch stärker auf Netz setzen und mit Facebook-YouTube-Offensiven und den gewohnt erhellenden Texte von Ulrich Kriest im Programmheft die Informationsflut in die richtigen Bahnen lenken. Experimentell - wenn auch nicht auf moderner Musik basierend - wird der interessante Brückenschlag zur Alten Musik mit Michel Godards Monteverdi-Projekt.
Natürlich gibt es wieder Spezialveranstaltungen, teils bewährte, die man aus den Vorjahren kennt. Zu letzteren gehören die Matineen im Haarlass bei SAS und die Masterclasses mit herausragenden Künstlern des Festivals. Neu sind „musikkulinarische“ Events, die neue Soloreihe an der Hochschule für jüdische Studien, Jugendbildungsprojekte und spezielle Konzerte in der erweiterten Region bis hin nach Osterburken. Eine Kooperation mit dem Ballett des Nationaltheaters und lokalen Musikern verspricht spannende Begegnungen und der Schauspieler und bekennende Jazzfan Matthias Brandt liest aus „Psycho“ - begleitet von Jens Thomas am Klavier...
Und richtig guten Jazz gibt's auch. Nicht zu knapp. Für meinen Geschmack zu wenig herausgestellt: Steve Coleman ist dabei...
...und Enrico Rava, Nils Wogram, Henry Threadgill, das „New Language Trio“, Wayne Shorter und last, not least, eigentlich first: Erik Truffaz, der mit einem „Miles Davis - Bitches Brew“ Projekt das Festival am 2. Oktober im Heidelberger Schloss eröffnen wird.
Ein Trend der vergangenen Jahre hat sich verstärkt: es werden zunehmend lokale Jazzer ins Programm integriert. Der Schlagzeuger Erwin Ditzner wird als einziger Jazzkünstler schon seit Jahren mit einer alljährlichen „Carte Blanche“ ausgestattet und bringt damit hochspannende Spezialprojekte auf die Bühne. Das Trio-Konzert des vergangenen Jahres mit Marilyn Crispell und Sebastian Gramss ist gerade auf dem Label fixcel records erschienen.
Der Organist Jo Bartmes war vor 13 Jahren, bei der ersten Ausgabe des Festivals, schon dabei, in diesem Jahr spielt er mit Fola Dada im Karlstorbahnhof. Thomas Siffling veranstaltet wieder die Jazz'n'Arts Night seines Labels im Rahmen von Enjoy Jazz in der Alten Feuerwache und tritt selbst im Duo mit Claus Boesser-Ferrari auf. Cordula Hamacher spielt mit ihrem Cordclub bei einem „musikkulinarischen Abend“ und das Barbara Lahr Trio mit Bernhard Sperrfechter und Herrn Ditzner, once again...
...Rainer Kern hat schon vor einigen Jahren auf die Frage, warum (damals) relativ wenig lokale Künstler im Programm waren gesagt, dass es letztlich eine Frage der Qualität sei, wer auf den Enjoy Jazz Bühnen stehe. Die scheint zunehmend zu stimmen.
Das ganze Programm kann man auf der Website von Enjoy Jazz nachlesen. Auch auf metropoljazz.de, dem neuen Jazz-Portal für die Metropolregion Rhein-Neckar, finden sich alle Termine und während des Festivals die interessantesten Neuigkeiten. Zudem ist eine regelmäßige Sendung im Rahmen der metropoljazz-Schiene des Webradios www.laut.fm/jazzpages-fm geplant.
Am 19. September wird Festivalchef Rainer Kern als Live-Gast bei Jazzology im bermudafunk, dem Freien Radio Rhein-Neckar Gast sein. Auch in diesem Jahr ist der Sender wieder Medienpartner des Festivals.



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