Jazz im Saale, Pop im Freien - Die 12. Jazzopen Stuttgart

20.05.2005 13:12 von jazz (Kommentare: 0)

 

 

Von Hans Kumpf

 

Stuttgart.-  Man kann nicht wahrlich behaupten wollen, dass das Stuttgarter Sommerfestival namens Jazzopen den Jazz in Reinstkultur zu präsentieren trachtet. Seit jeher wurden eher die Randgebiete dieser afroamerikanischen Musikform bedient. Mit nur einem bisschen Jazz (ohne Biss?) lassen sich mehr Massen anlocken, denkt man sich wohl. Namen wie James Brown oder Lauryn Hill vertreten Soul sowie Rhythm’n’Blues. Aber solche US-Stars lassen das breite Publikum aufhorchen und strömen. Da darf ein Open-Air gewagt werden.

 

Elke Balzer, die emsige Macherin der „Opus GmbH“, freut sich, für ihre Events in der schwäbischen Metropole mit der Landesbank Baden-Württemberg einen verlässlichen Hauptsponsor gefunden zu haben. Und im neu gewonnenen Pariser Platz, gelegen zwischen der Heilbronner Straße und den Bahngleisen, sollen inmitten von Glasfassaden von LBBW-Gebäuden ab dem 13. Juli drei Frischluft-Konzerte nacheinander über die Bühne gehen. Den Anfang macht sängerisch die fünffache Grammy-Gewinnerin Lauryn Hill. Die Amerikanerin absolviert bei ihrer Europa-Tour in Stuttgart ihr einziges Deutschland-Gastspiel. Der Saxofonist von James Brown, Maceo Parker, blies in Stuttgart schon oft ins Horn. Jetzt kommt er aber höchst persönlich, der 72-jährige „Godfather of Soul, Mr. Dynamite, Soul-Brother No. 1, the hardest working man in show business“. Vorzumerken wäre der Donnerstag, 14. Juli 2005. Schließlich ist noch gefälliger Schmuse-Jazz angesagt: der amerikanische Gitarrist Al Di Meola (zusammen mit dem russischen Vokalisten Leonid Agutin) und der deutsche Trompeter Till Brönner stehen dafür. Außerdem auf dem Programm: der Nürnberger Allround-Drummer Wolfgang Hafner, der mit seiner jüngsten CD „Zooming“ viel Beachtung gefunden hat.

 

Während auf den Pariser Platz 4000 wetterfeste Fans passen, gibt es im Mozartsaal der Liederhalle bequeme Sitzplätze für nur 700 Personen. Das müsste für die Jazz-Puristen ausreichen, so offensichtlich die Kalkulation der Veranstalter – auf den Beethovensaal oder auf den Hegelsaal wird also verzichtet. Immerhin ist im kammermusikalischen Mozartsaal dann stets das Südwest-Fernsehen mit von der Partie. Aufzeichnungen sollen ab Herbst auf SWR und 3Sat ausgestrahlt werden. Von 14. bis 16. Juli sind dort die Pianistin Lynne Arriale, die Trompeter Terence Blanchard und Roy Hargrove sowie ein aufwändiges Kuba-Projekt zu erleben: die sächsischen „Klazz Brothers“ verbinden Klassik mit perkussivem Feuer der Zuckerinsel. Außerdem mischt an diesem Abend der italienische Acid-Jazzer Nicola Conte mit.

 

Eine weitere (parallele) Open-Air-Veranstaltung geht am 14. April räumlich weit distanziert noch auf der Freilichtbühne Killesberg ab, wo Katie Melua singen wird. In ergänzenden Konzerten kommt erfreulicherweise wieder die einheimische Szene zum Zuge. Am 12. Juli gibt es im Alten Schützenhaus Heslach ein „Festival Pre Opening“ mit Mitgliedern der jungen Vereinigung „jazzcom“. Zwei „Aftershow Parties“ halten die Kollegen des Bassisten Mini Schulz in der „Suite212“ ab – ein Vorgeschmack auf den Jazzclub, der sich Ende des Jahres im Gustav-Siegle-Haus etablieren will.

 

Weitere Informationen auch unter www.jazzopen.com

 

Hans Kumpf

 

 

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