Jazzfestival Willisau 2014
25.08.2014 01:12 von jazz (Kommentare: 0)
Jazzfestivals sind häufig mit den Namen einzelner Macher verbunden. Selten wurde diese Verbindung allerdings so sichtbar wie beim Jazzfestival Willisau. Niklaus Troxler hatte schon seit Mitte der 1960er Jahre in seiner Heimatstadt die ersten Konzerte veranstaltet und diese regeläßigen Konzerte „verdichteten“ sich letztlich ab 1975 in das alljährlich stattfindene Jazzfestival Willisau. Abgesehen davon, dass Troxler als Veranstalter des Festivals tätig war, ist seine Verzahnung mit dem Festival im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar, denn er schuf von Beginn an als Grafiker auch dessen visuelle Identität. Dieter Bachmann schrieb dazu unter dem Titel „Der siamesische Zwilling. Grafiker und Jazzfan: Niklaus Troxler“, dass sich „…die grafisch-künstlerische Arbeit und die lebendige, direkte Konfrontation mit dem Jazz und seinen Musikern ergänzen, durchdringen, gegenseitig aufladen.“
Plakate, die Jazzfans sofort vor Augen haben, wenn man sie nur kurz beschreibt: der „grüne Finger“ für das Cecil Taylor Konzert, der schwarz-auf-weiße Strichmännchen-Saxophonist vom Festival 1991. Plakate die nicht nur Leckerbissen fürs Auge sind, sondern auch mit den Namen darauf Wehmut hervorrufen, nicht dabei gewesen zu sein. Das Arthur Blythe Quartett 1982, bei dem brilliant in eine Schwarz-Weiß Strichzeichnung gelbe Saxophone einmontiert sind, das Sun Ra Plakat von 1980 oder das Plakat für das Konzert im Hotel Mohren, von 1978, auf dem Don Pullen, Chico Freeman, Fred Hopkins und Bobby Battle angekündigt wurden („Warriors“ heißt die furiose CD der Band, am Rande erwähnt). Für diejenigen, die bei diesen Sternstunden dabei waren, müssen die dazugehörigen Plakate Ikonen sein!
Zum grandiosen Programm mit freiem Jazz gesellten sich also stets die Troxler Plakate, die symbiotisch das Festival begleiteten. Visuell auf den Punkt gebrachte Details, mit Rhythmusgesfühl aufs Papier gedruckte Formen, die die vibrierende Kraft des Jazz in tanzende Typographie und Formen umsetzten.
Niklaus Troxler hat sich bereits seit einigen Jahren aus dem organisatorischen und grafischen Bereich des Festivals weitgehend zurückgezogen. Organisiert wird es seit 2009 von seinem Neffen Arno Troxler und seine Tochter Annika zeichnet mittlerweile für den grafischen Auftritt verantwortlich. Und in beiden Bereichen scheint die Kontinuität gelungen: die Grafik ist nicht weniger farbenprächtig und lebendig und dass er auch in musikalischer Hinsicht seine Nachfolge gut geregelt hat, zeigt sich beim Blick aufs Programm der 45. Ausgabe des Festivals im Jahr 2014.
Eine gelungene Mischung, die mit Henry Threadgill, Brian Blade und Steve Coleman Musiker auf die Bühne bringt, die tief in der schwarzen Jazz-Geschichte verwurzelt sind und sie gleichzeitig mit ganz eigener Ausprägung ins die Jetztzeit geführt haben. Am deutlichsten wird das vielleicht bei Steve Coleman, der sich ganz real auf musikalische Spurensuche machte, nach Ägypten und in afrikanische Länder und inspiriert von diesen Quellen eine ganz eigenständige Musik kreiert: komplex und virtuos.
Auf der anderen Seite, das, was die Europäer und Avantgardisten – das eine schließt das andere nicht aus – daraus gemacht haben: das Lebendige, vor allem das Improvisatorische und Experimentelle aufgenommen und weiter entwickelt. Und so passt die Eröffnung des Festivals auf der Hauptbühne, mit dem Duo Kappeler / Zumthor perfekt und gibt die Richtung vor, wenn Peter Rüedi über deren Musik schreibt: „eine schlüssige Gesamtkomposition von dynamischen Kontrasten, raffiniertesten Klangreibungen, aggressiven Behauptungen und Zurücknahmen, sich auftürmenden Akkordblöcken und sich im Unwirklichen auflösenden Trillern und verwehenden Obertönen“.
Es gibt einige dieser Klangtüftler und Improvisationsforscher im Programm, die sich mal selbst als „modulare Avantgarde-Maschine“ beschreiben (KIKU, Barman / Regamey) oder mit: „musikalische Grenzerfahrung im freien Fall“ beschrieben werden, wie beim Gitarristen Roman Nowa, der solo in einem der „Intimities“-Konzerte auftreten wird. Überhaupt: wie so oft bei Festivals, versprechen die kleinen Reihen am Rande - hier eben „Intimities“ genannt oder „Late Spot“ für die Konzerte ab 24 Uhr – das Salz in der Suppe zu werden. Unterschiedliche Sorten von Salz, mal mit dem Pocket Swing Orchestra (Michael Flury, tb / Tobias Preisig viol), das sich mit wahrer Swingbetonung zwischen „alter Filmmusik und aktuellem Jazz“ auf den Spuren Joe "King" Olivers bewegt oder den möglicherweise mit leichten Bittertönen angereicherten Experimenten des E-Bassisten Duos „Léon“ (R. Ortis / L. Schild). Dass auch hier, früh am Abend auf der Zeltbühne schon wieder der Name „Troxler“ auftaucht (Sabrina Troxler, bei Franky Silence & The Ghost Orchestra) mag ein Zufall sein oder eben auch nicht – das gilt es zu erforschen. Wie so vieles an Musik in den Tagen vom 27. bis 31. August in Willisau.
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