Jazzhaus Heidelberg akut von Schließung bedroht (update)
16.07.2014 18:00 von jazz (Kommentare: 22)
William Cody Maher im Jazzhaus Heidelberg
Wolfgang Graf wurde vom Staatsanwalt als "Mischung aus Robin Hood und Michael Kohlhaas des Jazz" bezeichnet. Letztlich ist er aber mit einer 10-monatigen Bewährungsstrafe noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Voraussetzung war und ist auch für die Zukunft, dass sich Herr Graf aus dem aktiven Geschehen des neu gegründeten Fördervereins heraus hält, Ehrenmitglied des Vereins darf er bleiben.
Mehr dazu bei eer Rhein-Neckar-Zeitung.
Update 17.01.2014
Offensichtlich gehen im Jazzhaus Heidelberg jetzt tatsächlich die Lichter aus. Die Stadt Heidelberg ist nur noch bis zum 26.01.2014 bereit, den Betrieb "weiter zu tolerieren und bei einem Weiterbetrieb über diesen Zeitpunkt hinaus...zu schließen" - so steht es in einem Schreiben der Stadt Heidelberg an die Rechtsanwälte des bisherigen Jazzhaus Betreibers Wolfgang Graf. Sollte der Betrieb über den 26.1. hinaus weiter geführt werden, droht die Stadt Heidelberg mit einer Versiegelung der Räume.
Als Begründung wird seitens der Stadt angeführt, dass es nicht gelungen sei, mit einem an dem Betrieb interessierten Personenkreis ein tragfähiges Konzept für die Fortführung zu entwicklen. Außerdem werden Im Schreiben der Stadt neue Vorwürfe bezüglich unregelmäßiger aktueller GEMA Zahlungen gegenüber Herrn Graf erhoben, die jener allerdings vehement bestreitet
Bemerkenswert ist, dass der bisherige Betreiber des Jazzhauses, Wolfgang Graf, davon spricht, dass Anfragen der Presse zur Schließungsverfügung bei ihm eintrafen, bevor er selbst das entsprechende Schreiben per Mail erhalten habe.
Update 14.12.2013
Im Ringen um die Rettung des Jazzhaus Heidelberg sind nach wie vor mehr Fragen offen als beantwortet. Der Förderverein für das Jazzhaus hat jetzt Insolvenzantrag gestellt. Es ist erstaunlich, dass auch nach Wochen noch nicht geklärt werden konnte, ob die Schulden im Kontext Jazzhaus (ungefähr 20.000 Euro bei der Stadt Heidelberg und etwa 10.000 Euro beim Finanzamt) und die Forderungen der Gema (es geistern Zahlen von 80.000 bis 90.000 Euro durch den medialen Raum) tatsächlich dem Betreiber zuzuordenen sind oder dem Verein. Die Insolvenzanmeldung weist aber darauf hin, dass zumindest die 30.000 Euro auf dem Verein lasten. Weitaus mehr, als ein kleiner Verein jemals stemmen könnte. Ob das Insolvenzverfahren einen Neuanfang ermöglicht steht allerdings in den Sternen und es gehört mit Sicherheit nicht zu den guten Zeichen, dass es bislang keine offiziellen Informationen zum Ausgang des Gesprächs zwischen Vertretern des Jazzhauses und der Stadt von Anfang des Monats gibt. Die ungeklärten Verhältnisse im Keller (Schankerlaubnis etc.) und die Frage, welche Aktiven eine Fortführung des Jazzhauses in einem neuen Verein in die Hand nehmen könnten, scheint im Moment offen. Immerhin: es gibt weiterhin ein Programm im Jazzhaus: www.jazzhaus-hd.de.
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Am 27.10. verschickte der Betreiber des Jazzhaus Heidelberg, Wolfgang Graf, einen Brandbrief zur bevorstehenden Schließung des Jazzhauses in der Leyergasse in Heidelberg. Das Ordnungsamt der Stadt Heidelberg - klingt schon wie der natürliche Feind des Jazz - verfügt das Ende des Betriebes zum 31. Oktober. Dass über dem Jazzhaus das Damoklesschwert der Schließung hing war schon länger bekannt, insofern verwundert es, dass erst jetzt - ganze vier Tage vor der angedrohten Schließung - das Thema von Seiten des Betreibers medial eskaliert wird.
Fakt ist, dass es für das Jazzhaus nie eine Gaststättenkonzession gegeben hat und daher seit Jahren mit einer windschiefen Konstruktion, die das Jazzhaus als Privatclub deklarierte, der Betrieb am Laufen gehalten werden musste. Eine Konstruktion, wohlgemerkt, die vor 14 Jahren von den damaligen Stadtoberen mitgetragen wurde und die den Jazzclub als Teil des Areals "Kulturbrauerei" sah.
Die damaligen Politiker sind Geschichte, den Heutigen fehlt der Bezug zum Jazz und leider wohl auch der Wille zur Kultur abseits der großen Events. Das Ordnungsamt hat freie Hand, der Jazzclub soll weg: beim Jazzclub handle es sich um eine "öffentliche Gaststätte" ohne Konzession, fertig. Als ob regelmäßiges Jazzspielen nicht per se schon das Betreiben einer öffentlichen Gaststätte auschließen würde...
Es spielt wohl keine Rolle, dass hier ein kulturell anspruchsvoller Betrieb platt gemacht werden soll, mit einer wichtigen Bühne für viele Musiker aus der Region und Reihen, wie z.B. die von Christian Eckert vor Jahren etablierten Gitarrenduo Veranstaltung "Two Guitars". Man fühlt sich ungut daran erinnert, wie desaströs seinerzeit der Rausschmiss des Heidelberger Jazzclubs aus dem Keller des Hauses Buhl war: schlagartig wurde aus einer funktionierenden mittwöchlichen Jazzinstitution mit einer florierenden Szene, eine heimatlose Veranstaltung mit sporadisch stattfindenden Konzerten. Und auch wenn der Jazzclub Heidelberg mittlerweile im DAI angekommen ist: die Stimmung, die "Dichte", der damaligen Zeit wurde nie wieder erreicht.
Dass der Privatclub Jazzhaus mittlerweile mehr als 3.000 Mitglieder haben soll, darunter einige Fördermitglieder, scheint nach 14 Jahren erfolgreicher Kellerarbeit nicht schwer genug zu wiegen. Selbst wenn der Anspruch, "an keinem anderen Ort (seien) in den vergangenen Jahren Jazzkonzerte mit derartiger Regelmäßigkeit und hohem Qualitätsstandard zu erleben wie im Jazzhaus" gewesen, etwas dick aufgetragen scheint - der Verlust wäre immens. Das zeigen schon die nackten Zahlen: rund 1.500 Musikveranstaltungen fanden in den letzten 14 Jahren statt, mit einer beeindruckenden Musikerliste auch internationaler Jazzgrößen. Und das - man muss es betonen - ohne einen Cent öffentlicher Förderung einzustreichen.
Auf der einen Seite wird Jazz in der Stadt durchaus hofiert - OB Würzner spricht alljährlich salbungsvolle Worte auf der Enjoy Jazz Pressekonferenz - auf der anderen Seite wird die Kärrnerarbeit an der Basis offenbar so wenig geschätzt, dass man nicht wirklich bestrebt zu sein scheint, eine Lösung zu finden.
Als Jazzfreund kann ich aus eigener Erfahrung sagen: bei jedem Besuch einer fremden Stadt gehört der Besuch örtlicher Jazzclubs zum Pflichtprogramm. Da geht es nicht darum, irgendwelche singulären Konzerte zu finden, sondern authentisch ins Jazzleben einer Stadt einzutauchen - und das funktioniert nur in den Kellern der Städte (die durchaus auch einmal ebenerdig sein dürfen). Dort spielt die Musik, das ist ein Teil der regionalen Kultur. Eine Touristenstadt wie Heidelberg sollte sich dessen bewusst sein.
(fs)




Kommentar von fs | 27.10.2013
Im Folgenden der Offene Brief des Gitarristen Christian Eckert , der sich seit Jahren im Jazzhaus Heidelberg engagiert, an den Heidelberger Oberbürgermeister Würzner:
Sehr geehrter Herr Würzner,
ich bin ein im Delta lebender Jazzgitarrist. Die Region Mannheim Heidelberg hat in den letzten 15 Jahren im Bereich Jazz einen großen Aufschwung erfahren, weswegen ich mich nach vielen Jahren im Ausland hier wieder niedergelassen habe.
Leider scheint es den politischen Instanzen nicht ganz bewusst zu sein, wie wichtig dieser Bereich des kulturellen Lebens ist. So hat vor wenigen Monaten die in Heidelberg wohnhafte Ministerin Theresia Bauer (Bündnis 90/Grüne) durch ihre Umstrukturierungspläne der Musikhochschulen in Baden-Württemberg für bundesweite Aufregung gesorgt und damit das Wahlergebnis der Grünen bei den Bundestagswahlen negativ beeinflusst. Jetzt soll mit dem Jazzhaus Heidelberg eine der wichtigsten kulturellen Einrichtungen in der Region geschlossen werden.
Das Jazzhaus Heidelberg zählt zu den wichtigsten Orten, für Jazzliebhaber und Musiker, da es der einzige Ort ist, an dem sich die reiche kulturelle Szene des Deltas austauschen kann, was besonders im Hinblick auf die zahlreichen Ausbildungsmöglichkeiten sehr wichtig ist. Ein Hauptargument Frau Bauers für die Kürzungen an den Hochschulen war, dass über Bedarf ausgebildet wird. Wenn man jetzt auch noch anfängt die wenigen Spielstätten für angehende Berufsmusiker zu schließen, kann man den Bereich Kultur bald ganz schließen - und zwar für Künstler und Politiker. Dies wäre der geeignete Zeitpunkt für Sie das Blatt zu wenden und die Region weiterhin als musikalisches Aushängeschild zu präsentieren.
Noch schöner wäre es natürlich, so engagierte Menschen wie Wolfgang Graf in ihrer Tätigkeit finanziell zu Unterstützen. Er betreibt das Jazzhaus, um die Region kulturell zu bereichern. Ein finanzieller Gewinn ist aus solch einem Club weder für die Betreiber, noch für die Musiker zu erzielen.
Bitte überdenken Sie doch noch einmal die Position der Stadt Heidelberg.
Viele Grüße
Christian Eckert
Kommentar von fs | 27.10.2013
Die Rundmail des Betreibers des Jazzhaus Heidelberg, Wolfgang Graf:
Ordnungsamt schließt Jazzhaus Heidelberg
Das Ordnungsamt der Stadt Heidelberg hat verfügt, dass das Jazzhaus in der Heidelberger Altstadt zum 31. Oktober zu schließen ist. Und dies nach 14 Jahren, in denen das Jazzhaus mit seinem Betreiber Wolfgang Graf einen wichtigen Beitrag zum Heidelberger Kulturleben geleistet haben.
Die Gründung des Jazzhaus als Teil des Ensembles der Kulturbrauerei in der Leyergasse wurde von der damaligen Heidelberger Oberbürgermeisterin Beate Weber und ihrem Kulturbürgermeister Jürgen Beß initiiert. Es sollte in den Kellergewölben ein Jazzclub eingerichtet und damit nicht zuletzt auch der Kulturanspruch des Areals unterstrichen werden. Dass für den Keller keine Gaststättenkonzession erteilt werden konnte, war von Anfang an klar. Deshalb war Konsens mit der Stadt, dass das Jazzhaus als Privatclub geführt werden sollte. Der Club hat heute mehr als 3000 Mitglieder, darunter viele Fördermitglieder. Nach 14 Jahren wird nun vom Ordnungsamt derselben Stadt Heidelberg behauptet, dass das Jazzhaus als „öffentliche Gaststätte“ betrieben würde und dieses wird als Vorwand für seine Schließung genommen.
Das Jazzhaus ist aus der Kulturlandschaft Heidelbergs und der Metropolregion nicht mehr wegzudenken. An keinem anderen Ort waren in den vergangenen Jahren Jazzkonzerte mit derartiger Regelmäßigkeit und hohem Qualitätsstandard zu erleben wie im Jazzhaus. Damit führte das Jazzhaus die große Tradition Heidelberger Jazz-Locations wie dem Cave 54 und dem Jazzclub im Haus Buhl fort.
Das Jazzhaus bietet regionalen wie überregionalen Musikern eine Bühne. Es entstanden musikalische Reihen wie Two Guitars mit Christian Eckert, Limbus Club, The Spot mit Marcus Armani, Orgelinferno mit Thomas Wind oder das Trio Variety mit Alan Blairman. Die wöchentlichen Donnerstags-Jam Sessions ermöglichen es vor allem den Studenten der Jazzabteilung der Musikhochschule Mannheim, sich vor fachkundigem Publikum zu erproben, nicht selten sogar mit musikalischer Unterstützung von Jazzprofessoren wie Thomas Stabenow oder Steffen Weber. All diesen Initiativen soll nun der kreative Boden entzogen werden.
Es heißt übrigens Jazzhaus Heidelberg und nicht einfach nur Jazz! Der Name Heidelberg wird damit in die Welt getragen. Nicht zuletzt mit dem Ergebnis, dass das Jazzhaus Heidelberg in einigen internationalen Reiseführern empfohlen wird.
Schon rein quantitativ ist der Beitrag des Jazzhaus zum hiesigen Kulturleben eindrucksvoll: In den zurückliegenden 14 Jahren fanden ca. 1500 Musikveranstaltungen in den Jazzhaus-Gewölben statt. Die Liste der aufgetretenen Musiker liest sich wie ein Who’s-who des deutschen und internationalen Jazz und nicht nur des Jazz: Matt Jorgensen, John Stowell, Rainer Böhm, Jürgen Seefelder, Dietmar Fuhr, Daniel Guggenheim, Thomas Siffling, Kosho, Wesley G, Lorenzo Petrocca, Gregor Hilden, Paulo Morello, Helena Paul, Jim Kahr, Ax Genrich, Zelia Fonsecca und viele mehr.
Im Moment scheint es so, als ob der starke Arm des Ordnungsamts, welches den vor 14 Jahren geschlossenen Konsens schlicht nicht akzeptieren will, ausreicht, um einer derart etablierten und renommierten Kultureinrichtung den Garaus zu machen. Eine Einrichtung übrigens, die seit jeher ohne einen Cent öffentlicher Gelder auskommt.
So ganz nebenbei stellt sich Frage, ob nach Schließung des Jazzhaus die Kulturbrauerei weiter ihren Namen tragen könnte. Oder geht es dann nur noch um Bier-Kultur?
Die Schließung des Jazzhaus Heidelberg wäre kulturpolitisch völlig kontraproduktiv und würde eine breite Schneise in der hiesigen Kulturlandschaft hinterlassen.
Deshalb sind alle von der Schließung betroffenen Mitglieder und Musiker und darüber hinaus alle Kulturinteressierten aufgerufen, sich mit dem Jazzhaus und seinem Betreiber Wolfgang Graf zu solidarisieren und öffentlich gegen die Schließung zu protestieren.
Wenn Sie uns unterstützen möchten und dadurch zum Erhalt des Jazzhaus beitragen dann senden Sie bitte diese email mit vollständigen Angaben zur Person zurück. Es wird eine Petitionsschrift verfasst die noch vor dem 31.10. u.a. dem Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg vorgelegt werden soll.
Wenn Sie die Entscheidung des Ordnungsamtes kommentieren möchten, dann wäre ich auch hierfür sehr dankbar,
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Graf
jazzhaushd1@t-online.de
Kommentar von Dagmar Küchlin | 27.10.2013
Zum Satz: "insofern verwundert es, dass erst jetzt - ganze vier Tage vor der angedrohten Schließung - das Thema von Seiten des Betreibers medial eskaliert wird." - Wolfgang Graf ging bis zuletzt davon aus, dass er bei Erfüllung aller Auflagen des Ordnungsamtes die Schließung auch ohne Eskalation in die Öffentlichkeit abwenden könne. Er tat alles, um die für mich als Fördermitglied immer rigider amutenden Auflagen zu erfüllen - mit dem Effekt, dass immer neue "Argumente" gesucht wurden, um das Jazzhaus zu schließen. Über die wahren Gründe lässt sich derzeit nur spekulieren - ich bin gespannt, was das Ordnungsamt auf meine Anfrage hierzu antwortet.
Kommentar von Frank | 27.10.2013
Vielen Dank, Dagmar, für die Aufklärung. Umso übler das Vorgehen des Ordnungsamtes. Bitte lasse uns wissen, wenn es seitens der Stadt eine Stellungnahme gibt.
Viele Grüße
Frank
Kommentar von Another Frank | 28.10.2013
Natürlich muss das Jazzhaus als Konzert-Location erhalten werden.
Die gute Nachricht zuerst:
"Der für das Ordnungsamt zuständige Bürgermeister Erichson hat heute Morgen entschieden, dass die Schließung des Jazzhauses Heidelberg zum 31.10.2013 nicht vollzogen wird.
Bürgermeister Erichson lässt sich von der Verwaltung noch einmal alle Akten zu diesem Vorgang vorlegen. Da sich diese Akten wegen der anstehenden Rechtsstreitigkeiten zwischen der Stadt und dem Jazzhaus zurzeit beim Regierungspräsidium Karlsruhe befinden, wird die Verwaltung die Presse in der nächsten Woche in geeigneter Form über ihr weiteres Vorgehen und die Hintergründe dieser Entscheidung informieren. Die mit Datum vom 19.07.2012 verfügte Schließung wird bis auf Weiteres nicht vollzogen."
19.7.2012 !?!
Zudem möchte ich ergänzen, dass es rechtlich völlig unproplematisch ist, in der Leyergasse Jazzkonzerte zu veranstalten. Lediglich für den öffentlichen Ausschank von Alkohol bedarf es einer Konzession.
Wenn im Jazzhaus nachhaltig Musik gefördert werden soll, hätte ich allerdings auch erwartet, dass der Betreiber seine Veranstaltung bei der GEMA anmeldet und entsprechende Gebühren abführt. Das hat er nachweislich immer wieder nicht getan. Nicht gerade vorteilhaft für seine jetzige Verhandlungsposition.
Kommentar von Volker Haunschild | 28.10.2013
Inzwischen bietet die Gema den sog. UK-Tarif an, der haut bei Clubs und kleineren Veranstaltern längst nicht mehr so rein wie frühere Gema-Tarife, bemisst sich nach Besucherzahl und Eintrittseinnahmen, das müsste fürs Jazzhaus machbar sein
Kommentar von lorenzo petrocca | 28.10.2013
ein "ordnungsamt" solte ordnung schaffen, und nicht kultur kaput machen...
Kommentar von Reinhold Grombein | 28.10.2013
Dass hier anonym (Another Frank) schon wieder denuntiert und spekuliert wird, finde ich als langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter des Jazzhaus Heidelberg unerträglich. Solche Aussagen muss man im Zusammenhang mit Einzelinteressen sehen, die letzlich hinter diesem Skandal stehen. Wie immer muss man sich bei einer solchen Aktion diese Frage stellen: cui bono? Und da braucht man geographisch gar nicht weit suchen.
Reinhold Grombein
Kommentar von Frank Schindelbeck | 29.10.2013
Um das Thema "Frank" oder "Another Frank" aufzulösen: Ich hatte zunächst als Frank (auch verlinkt auf www.jazzpages.com, meine Website) gespostet und werde den Beitrag von Reinhold Grombein zum Anlass nehmen, selbst nur noch unter vollständigem Klarnamen zu posten und andere auch darum zu bitten.
Was "Another Frank" angeht: auch dessen Identität ist kein Geheimnis und ich habe ihn heute Morgen danach gefragt, ob es ein Problem sei, seinen Namen auch zu nennen. Auf facebook ist sein Name in Zusammenhang mit diesem Posting schon seit heute Vormittag nachzulesen und auch hier kein Geheimnis - das Posting ist von Frank Zumbruch.
Ich denke es wäre hilfreich, Her Grombein, wenn Sie hier darlegen, welche Punkte Sie als Denunziation und Spekulation sehen, um sich ein klareres Bilder der Situation machen zu können.
Es fällt neutralen Beobachtern einigermaßen schwer, herauszufinden, wo tatsächlich die Konfliktpunkte liegen und wie diese dann gegebenenfalls ausgeräumt werden können. Leider gibt es hier auch von Seiten des Jazzhauses nur spärliche Informationen, auf der Homepage des Jazzhauses, beispielsweise, gibt es bis jetzt (30.10.2013 00:04) keinerlei Erklärung und Information.
Transparenz wäre - von allen Seiten - sinnvoll.
Freundliche Grüße
fs
Kommentar von Frank Schindelbeck | 29.10.2013
Im Mannheimer Morgen gibt es einen Artikel zum Thema:
http://www.morgenweb.de/region/mannheimer-morgen/heidelberg/jazzhaus-steht-vor-dem-aus-1.1261390
Kommentar von Reinhold Grombein | 29.10.2013
Wenn das Thema Gema jetzt wieder und zunächst anonym aufs Tapet kommt, schrillen bei mir alle Alarmglocken. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Kommentar von Frank Schindelbeck | 29.10.2013
Auch die RNZ hat das Thema entdeckt. Wie sie auf die Idee kommt, dass das Jazzhaus der einzige "Jazzklub" Heidelbergs sei - angesichts der Tatsache, dass der Jazzclub Heidelberg in Kürze sein 40-jähriges Bestehen feiert - sei einmal dahin gestellt...
http://www.rnz.de//kulturregional/00_20131029060023_108467528_Die_Stadtverwaltung_will_Heidelbergs_einzigen_.html
Kommentar von Hanno Rink | 29.10.2013
...wer alkoholische Getränke mit Gewinnabsicht ausschenkt unterliegt dem Gaststättengesetz. - Egal welche hehren Absichten damit verfolgt werden.
Kommentar von Frank Schindelbeck | 30.10.2013
Ein weiterer Offener Brief des Bassisten Johannes Schaedlich zum Thema Jazzhaus-Schließung:
"Die Entscheidung des Ordnungsamtes, das Jazzhaus zu schließen, ist selbst für mit der Gesamtsituation und Faktenlage weniger Vertraute recht durchschaubar: es sollte wohl niemanden überraschen, wenn das Objekt im Verlauf der weiteren Abwicklung dem Betreiber der übrigens völlig zu Unrecht so genannten Kulturbrauerei zugesprochen würde.
Damit wäre allerdings die wenig förderliche Linie weitergeführt, mit der das Bild der einst berühmten und gerühmten Heidelberger Altstadt bereits seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre per Unterwerfung unter eine durchgreifende Kommerzialisierung übermalt wird. Wer ignorieren will, daß die Substanz des Ambientes einer Stadt aus ihrem Kulturleben entsteht, muß sich sicherlich den à la longue zu erwartenden allgemeinen Rückgang des zur Zeit vielleicht noch einigermaßen einträglichen Tourismus-Gewerbes vorwerfen lassen.
Wie dem auch sei - Heidelbergs Attraktivität erhält sich bestimmt nicht aus der Dominanz von Franchise-Ladenketten, pragmatischer Imbißstuben und anderer recht profaner, mehr oder minder mühselig stilisierter Etablissements. Da man im Übrigen wohl wissen kann, daß Jazz-Musik längst ein Element des internationalen Kulturlebens ist, sollte man diesen kleinen, sehr charmanten Club ganz bestimmt nicht den Interessen des kulturell offenbar eher desinteressierten Brauerei-Restaurant-Unternehmens zum Opfer fallen lassen. Den Club im Gegenteil zu erhalten und zu fördern würde dem Flair der Stadt sicherlich weit eher zugute kommen."
Kommentar von Reinhold Grombein | 30.10.2013
Angemeldete Demo und öffentliche Session zum Erhalt des Jazzhaus Heidelberg am Do. 31.10.2013 auf dem Marktplatz, vor dem Rathaus, ca. 15 - 18 Uhr.
Kommentar von Tom Beisel | 30.10.2013
Als Musiker des im Jazzhaus gastierenden Limbusclubs verstehe ich hier die Welt nicht mehr. Ich bin in Heidelberg aufgewachsen und habe nach der Ablösung von Herrn Zundel durch Beate Weber und nun Herrn Würzner eine große Chance für die Stadt gesehen in mancherlei Hinsicht offener und liberaler zu werden. Nicht zuletzt auf kultureller Ebene gab es hier gegenüber anderen Städten einiges aufzuholen. Menschen wie Wolfgang Graf sind es, die mit unerschütterlicher Beharrlichkeit und unglaublichem Arbeitsaufwand hier wirkliche Kultur schaffen und Menschen wie mir die Möglichkeit geben einen Beitrag zu leisten und sich auszutauschen.
Ohne das Jazzhaus hätte ich nicht so viele wunderbare Musiker, bei vielen gemeinsamen Konzerten kennen gelernt. Die musikalischen Erkenntnisse, die ich bisher hier im Limbusclub erfahren konnte, sind für mich als Musiker von unschätzbarem Wert. An Orten wie dem Jazzhaus passiert oftmals etwas Magisches, auf der Bühne und natürlich auch im Publikum. Mit seinem hochkarätigen Programm stärkt Wolfgang Graf den guten Ruf einer weltoffenen, toleranten Stadt Heidelberg.
Ich hoffe sehr, dass man bei der Stadt zur Kenntnis nimmt, dass die Anschuldigungen haltlos sind. Eine Stadt mit Weltruhm wie Heidelberg braucht eine kulturelle Einrichtung wie das Jazzhaus und man sollte sich freuen, Menschen wie Wolfgang Graf als deren Betreiber zu haben.
Mit freundlichen Grüßen,
Tom Beisel
Musiker
Kommentar von Frank Schindelbeck | 05.11.2013
Die RNZ hat sich nun doch etwas investigativer mit dem Thema befasst und über die Betroffenheitslyrik der ersten Artikel hinaus einige Fakten genannt, welche die Diskussion um das Jazzhaus in einem anderen Licht darstellen: http://bit.ly/1hJuNde
Kommentar von Frank Schindelbeck | 11.11.2013
Auf den Seiten der FWG Heidelberg ist am 7.11. folgendes zu lesen:
"Jazzhausbegründer Wolfgang Graf schmeißt das Handtuch
In einem mehrseitigen Brief an die "lieben Freunde und Fördermitglieder des Jazzhaus-HD" hat dessen Begründer und Betreiber Wolfgang Graf nunmehr das Handtuch geworfen und angekündigt, er werde bei der nächsten Mitgliederversammlung seinen Rücktritt erklären und die Auflösung des Vereins beantragen Gleichzeitig bittet er um Solidarität gegenüber einem neu zu gründenden Verein, der seine Arbeit nach seinem Wunsch fortsetzen soll.
Bitter beklagt sich Graf über die Presseerklärungen der Stadt über seine Vorstrafen und Schulden, die zur Demontage seiner Person dienten, "um vor Ort das umsetzen zu können, was dem derzeitigen Image dieser Stadt entspricht, einem weiteren Ort der Fress- und Saufkultur". Auch wenn der Jazzhausbetreiber mit solchen Formulierungen wohl erheblich über das Ziel einer einverständlichen Lösung hinausgeschossen hat, so hat er mit seinem angekündigten Rücktritt den Weg frei gemacht für die in der RNZ erklärten Vorstellungen der Stadt zum künftigen Fortbetrieb des Jazzhaus' Ob dann der Folgeverein, wenn es denn einen gibt, eine Gaststättenerlaubnis bekommt oder zumindest wie in einer nichtöffentlichen Vereinsgaststätte einen Ausschank betreiben darf, das ist noch offen. Ungeklärt ist offenbar auch noch, wer den Verein dann führen und die Arbeit von Wolfgang Graf kontinuierlich fortsetzen soll (und kann). Den Beteiligten der notwendigen bevorstehenden Gespräche und den künftigen Betreibern des Jazzhaus kann und muss man eine glückliche Hand wünschen. Für seine jahrelange ehrenamtliche Tätigkeit hat Wolfgang Graf nicht nur Dresche, sondern Dank verdient."
Kommentar von Frank Schindelbeck | 11.11.2013
Wolfgang Graf hat am 6.11.2013 einen Brief an die "Freunde und Förderer" des Jazzhauses Heidelberg geschrieben, begründet seinen Rückzug aus dem Vorstand des Jazzhaus Vereins und stellt die Geschehnisse um das Jazzhaus aus seiner Sicht dar.
"Liebe Freunde und Fördermitglieder des Jazzhaus-HD,
nachdem ich mich gestern zum Rücktritt von meinem Posten als Vorstand des Jazzhaus-HD entschlossen habe, möchte ich doch noch einige weitere Erklärungen hierzu abgeben.
Insbesondere vor dem Hintergrund der in den letzten Tagen in der Presse veröffentlichten Angriffe und Verunglimpfungen meiner Person.
Erlaubt mir bitte, dass ich ein klein wenig weiter aushole, denn nahezu 25 Jahre Jazzgeschichte in Heidelberg mitgestaltet zu haben, kann nicht in wenigen Zeilen abgehandelt werden.
Im Jahre 1988 eröffneten meine Frau und ich eine Kunstgalerie in Heidelberg am Schlossberg. Damals fanden im Haus Buhl, Hauptstrasse 230, regelmäßige Jazzkonzerte statt. Schon damals haben wir aus dem Kreis der dort auftretenden Jazzmusiker ausgewählte Musiker gebeten, uns bei den monatlichen Vernissagen musikalisch zu unterstützen.
Als das Haus Buhl 1990 geschlossen werden musste und wir zwischenzeitlich größere Galerieräume zur Verfügung hatten ist man an uns bzw. meine Frau als Inhaberin der Galerie herangetreten und es wurden fortan, ab 1993, jeden Freitag Jazzkonzerte abgehalten und zusätzlich gab es einmal monatlich eine Matinee mit Buffet und Live-Musik.
Im Jahre 1996 hat man von Seiten der Stadt an uns gewendet und schlug uns vor, ein Konzept für den Betrieb einer Kulturbrauerei zu entwerfen, die an der heutigen Adresse entstehen sollte.
Diese Aufforderung ging auch noch an Adressen anderer Kulturschaffenden in der Stadt.
Im Jahre 1997 bekamen wir Besuch von Dr. Friedrich Höpfner (Privatbrauerei Höpfner), dem damaligen Kulturbürgermeister Dr. Jürgen Bess, dem Kulturamtsleiter Hans Martin Mumm und dem“Hausarchitekten H.J.Mayer und einem Vertreter der stadteigenen Wohnungsgesellschaft GGH. Man teilte uns mit, dass unser Konzeptvorschlag ausgewählt worden sei und dem potentiellen Käufer des Areals (Höpfner) zur Umsetzung empfohlen werden soll.
Von nun an folgten zahlreiche Gespräche über die Planung. Der Wunsch der Stadtverwaltung – namentlich durch die damalige OB Beate Weber an uns herangetragen war, dass im Kellergewölbe ein Jazzclub betrieben werden soll. Der Wunsch der Oberbürgermeisterin war es, dass wir – die Eheleute Adelheid und Wolfgang Graf – dies umsetzen sollen.
Bei den Verkaufsverhandlungen der Stadt Heidelberg mit der Brauerei Höpfner stellte sich alsbald heraus, dass der Vorbesitzer des Anwesens Heiliggeiststrasse 21, die Bierhandlung Schaaff aus Heidelberg, sich im Grundbuch einen Eintrag gesichert hatte, wonach auf dem Gelände der Heiliggeiststrasse 21 keine alkoholischen Getränke hergestellt und ausgeschenkt werden dürfen. Von Seiten der Stadt hatte man es versäumt, diesen Eintrag entfernen zu lassen.
Der Inhaber dieser „Dinglichkeiten“, der Geschäftsführer der o.g.Bierhandlung erklärte dem neuen Besitzer, dass er gegen Zahlung eines Geldbetrages – die Rede war damals von einem 7stelligen Betrag- diesen Eintrag herausnehmen würde.
Der Bauherr beauftragte daraufhin damals seinen Architekten, einen Durchbruch ins Nachbargebäude Leyergasse zu schaffen (dort steht heute die Bar) und diesen Raum konzessionieren zu lassen. Somit hätte ich keine gaststättenrechtliche Probleme gehabt. Dieser Raum war dann 2000 fertig gestellt und als ich sodann einen Antrag auf Konzession bei dem damaligen Gewerbeamt stellte erhielt ich vom damaligen Leiter des Gewerbeamtes die Mitteilung, dass aufgrund eines Gemeinderatsbeschlusses aus dem Jahre 1996 in der Altstadt von Heidelberg keine neuen Gaststättenkonzessionen erteilt werden dürfen. Infolge dieser niederschmetternden Nachrichten die es uns unmöglich gemacht hätte, dort unsere Unkosten zu erwirtschaften, wollten wir aufgeben und den Pachtvertrag kündigen.
Dies hätte bedeutet, dass Heidelberg keinen Jazzclub bekommt und sicherlich auch niemand anderer hätte gefunden werden können, der unter diesen Bedingungen dort einsteigt. Es war klar, dass wir nur über den Getränkeverkauf in der Lage sein konnten, den hohen Pachtzins und die hohen Nebenkosten zu erwirtschaften.
Der damalige Leiter des Gewerbeamtes, seine Dienstvorgesetzte OB Weber und der Kulturbürgermeister Dr.Jürgen Beß (promivierter Verwaltungsjurist) trugen uns daraufhin vor, dass wir den Betrieb als Privatclub aufnehmen könnten, hierzu sei es nötig, allen Besuchern durch den Verkauf einer Tagesmitgliedschaft den Status eines „Schnuppermitgliedes“zu geben, der sich dann im Verlaufe einer Woche, so lange galt diese Form der Mitgliedschaft, entscheiden konnte, ordentliches Mitglied zu werden.
Man sicherte uns zu, diese Form des Betriebes zu akzeptieren und wir erhielten zusätzlich von Frau Weber die Mitteilung, dass jeglicher Rechtsstreit, der sich aus diesen Umständen heraus ergibt, vom Rechtsamt der Stadt Heidelberg ausgetragen wird. Darauf vertrauten wir, denn es war uns klar , dass es solche Streitigkeiten geben wird und wir nicht bereit und in der Lage sein würden, jedes mal hohe Prozesskosten zu tragen. Der Streitwert war immens und die Gebühren entsprechend.
Tatsächlich hat der Inhaber der Dinglichkeiten uns in der Anfangszeit mit Anzeigen überhäuft, er saß jeden Abend der Bar gegenüber auf einer Bank und notierte, wenn ich das Wechselgeld oder ein Getränk über die Bar hinaus gab oder sogar einmal einem Rollstuhlfahrer sein Getränk an den Tisch brachte – alles sehr unerfreulich.
Trotzdem haben wir uns irgendwie daran gewöhnt und in den folgenden 13 Jahren das Jazzhaus zu dem gemacht, was es heute nach außen darstellt.
Zum Vorwurf, wir haben 90 000 Euro Schulden bei der GEMA:
Ein weiteres Problempaket bestand darin, dass die GEMA von Anfang an große Probleme bereitete.
Wir erhielten 2000 einen Vertrag mit der GEMA der davon ausging, dass wir über 90 Sitzplätze auf 140 Quadratmetern verfügen, die anfallenden Gebühren nach dem damals geltenden Tarif betrugen rund hundert Euro pro Veranstaltung, das war absolut nicht zu leisten.
Man hatte einfach unberücksichtigt gelassen, das ausschließlich der Bühnenraum für Konzertveranstaltungen relevant ist und hier nur 36 Plätze zur Verfügung stehen. Die Verantwortlichen der GEMA dachten nicht daran, den Vertrag zu ändern und beauftragten eine Münchner Anwaltskanzlei, ihre Forderungen einzutreiben. Zwischenzeitlich waren schon Schulden in erheblicher Höhe angefallen.
Da ich nicht in der Lage war, die hohen Gebühren zu bezahlen, erwirkte besagte Anwaltskanzlei einen Pfändungsbeschluss und zog fortan von meinem Privatkonto monatlich Beträge zwischen 380,- und 450,- Euro, je nach Anzahl der Veranstaltungen ein, dies seit 2001 bis heute.
2007 war ich erneut nach Stuttgart gefahren und hatte mit dem neuen Geschäftsstellenleiter der GEMA ein ausführliches Gespräch geführt und ihn eingeladen nach Heidelberg zu kommen und sich vor Ort davon zu überzeugen, dass die Forderungen der GEMA unberechtigt sind weil sie von falschen Zahlen ausgehen.
Er nahm diese Einladung an und erschien kurz darauf mit der zuständigen Sachbearbeiterin in Heidelberg. Er überzeugte sich davon , dass die GEMA bislang von falschen Zahlen ausgegangen war und ich erhielt ab sofort einen neuen, gerechteren Tarif, der nun auch bezahlbar war.
Bei den Verhandlungen vor Ort darüber, wie man denn mit den bis dahin angeblich noch bestehenden Schulden verfahren soll, verhandelte der Vertreter der GEMA vor Ort telefonisch mit der Anwaltskanzlei.
Es wurde ein Vergleichsvertrag besprochen der so lautete, dass ich fortan pauschal monatlich 500,-Euro an die GEMA zahle, solange bis nach einer genauen Aufstellung keine Schulden mehr bestehen und im Gegenzug darauf sofort die Pfändung meines Gehaltskontos aufgehoben wird.
Nach 8 Monaten, während denen ich brav die 500,-Euro gezahlt hatte und feststellen musste, dass man die Pfändung nicht zurücknahm habe ich erneut nachgefragt und erhielt von der Anwaltskanzlei zur Antwort, dass man sich entschlossen habe die Pfändung aufrecht zu erhalten, weil es nach ihrer Meinung zu lange dauern würde mit der Rückzahlung. Eine genaue Aufstellung der von mir bis dahin abgeführten Beträge und der tatsächlich angefallenen Schulden blieb bis heute aus.
Man teilte mir mit, dass ich aufgrund der Tatsache, dass seit 2007 keine Anmeldungen mehr erfolgt sind und ich deswegen nicht den vereinbarten Tarifbetrag von rund 26,-Euro, sondern die doppelte Gebühr zu zahlen habe, so stehe es in den AGB der GEMA.
Ich protestierte heftigst, denn die anwesende Sachbearbeiterin hatte mir gesagt, es würde genügen sie in den Newsletterverteiler mit dem wöchentlichen Programm aufzunehmen, da es sich ja ab jetzt um einen Pauschaltarif handelte und nicht mehr einzelne Musikfolgen deklariert werden mussten. An eine solche Verabredung wollte man sich nicht mehr erinnern, Stattdessen erstattete man Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Heidelberg und ich erhielt einen Strafbefehl wegen Vergehen gegen das Urhebergesetz. Ich sollte eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen bezahlen.
In einer weiteren Verhandlung vor dem Amtsgericht Heidelberg in gleicher Sache wurde ich zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, das Urteil ist nicht rechtskräftig , ich bin sehr zuversichtlich, dass es mir in der erneuten Verhandlung gelingen wird, das Gericht davon zu überzeugen, dass ich meinen Verpflichtungen gegenüber der GEMA sowohl dadurch nachgekommen bin, dass ich monatlich im Durchschnitt 420,- Euro (bis heute) bezahle und meine Veranstaltungen verabredungsgemäß gemeldet habe. Heute ist es möglich die Veranstaltungen online zu melden, was ich seitdem auch tue.
Soviel zur Meldung der Stadt an die Presse, ich hätte 90 00 Euro Schulden bei der GEMA und sei viermal vorbestraft
----Zitat: Graf ins Gefängnis (RNZ vom 6.10.2013)
Tatsache ist, dass die GEMA von mir bis heute mehr als 60 000 Euro erhalten hat. Das ist nach meinen Berechnungen mehr, als sie zu fordern hatte. Ich habe weitere rechtliche Schritte eingeleitet, dies zu beweisen.
Ich habe dies auch der Stadt vorgetragen, mit welchem Erfolg, war nachzulesen.
Zum Vorwurf, ich hätte fortgesetzt gegen das Vermietungsverbot verstoßen.
Um überhaupt an etwas zusätzliches Geld für den Unterhalt und Betrieb des Jazzhaus zu kommen, habe ich bereits 2000 in enger Absprache mit der damaligen Administration der Stadt angeboten, dass die Vereinsmitglieder die Räumlichkeiten an Veranstaltungsfreien Tagen für private Zwecke nutzen können.. Dies waren insbesondere runde Geburtstage, öffentliches Vorspiel von privaten Musikschulen, Plattenaufnahmen etc. und kam im Durchschnitt einmal im Monat vor. Mein Pachtvertrag lässt diese Möglichkeit auch zu.
Ich habe in dieser Zeit nur eine einzige Ausnahme gemacht. Jeder weiß wohl, dass wir in der Person des Betreibers der Kulturbrauerei in der Leyergasse keinen Freund haben, denn er macht uns seit Jahren das Leben schwer weil er großes Interesse an den Räumlichkeiten hat, auch wenn er es öffentlich abstreitet.
Zu der Gelegenheit, die jetzt in der Stellungnahme der Stadt an die Presse gegeben wurde, ich hätte gegen das Vermietungsverbot verstoßen , war der Betreiber der Kulturbrauerei zu mir gekommen und hatte gefragt, ob ich den Jazzkeller für die Geburtstagsfeier eines Freundes zur Verfügung stellen könnte. Er würde die Räume für den Tag anmieten und mit eigenem Personal betreiben.
Ich hatte zunächst zweimal abgelehnt, ließ mich jedoch dann überreden einzulenken. Man hatte mich umgestimmt mit der Begründung , ich könnte doch einen Vorstoß machen vielleicht in Zukunft besser mit ihm auszukommen. Also hatte ich zugestimmt. Wenig später erfuhr ich dann, dass es sich um die Feier des 18 Geburtstages des Sohnes einer bekannten Heidelberger Persönlichkeit handelte. Ich war entsetzt, einen 18 Geburtstag in unseren mit wertvollen Kunstgegenständen und Antiquitäten eingerichteten Räumlichkeiten auszuführen – undenkbar, aber ist stand im Wort und die Einladungen waren geschrieben.
Am Veranstaltungstag wurde ich damit konfrontiert, dass vier Türsteher im Hof und an der Treppe standen, die Merz engagiert hatte, ein DJ mir Riesenequipment war engagiert und hatte aufgebaut wie für die Halle 02. Ich musste zusehen, dass Eintrittskarten ausgegeben wurden und offenbar öffentlich eingeladen war, wohl auch in facebook gepostet. Die Jugendlichen kamen schon angetrunken und lärmend an , wurden z.T. von den Türstehern abgewiesen. Im Jazzhaus herrschten nach kurzer Zeit chaotische Zustände, ich war für kurze Zeit versucht, von meinem Hausrecht Gebrauch zu machen und die Veranstaltung aufzulösen. Man versicherte mir jedoch, für einen reibungslosen Ablauf Sorge zu tragen, was mich nicht davon abhalten konnte, bis gegen 02:00 Uhr vor Ort zu bleiben um ggf. einschreiten zu können.
Danach ging ich nach Hause, die Türsteher hatten meine Telefonnummer und die Zusicherung, dass ich sofort komme, wenn die Party aus dem Ruder läuft.
Am nächsten Morgen musste ich entsetzt feststellen, dass die gesamten Räumlichkeiten verwüstet, das Mobiliar z.T. erheblich beschädigt, einige Sanitäreinrichtungen zerstört waren. Ich erfuhr an der Hotelrezeption, dass einige Hotelgäste sich angeblich geweigert hatten die Rechnung zu bezahlen, weil sie bis in die frühen Morgenstunden nicht schlafen konnten, die Polizei sei mehrfach da gewesen und die Nachbarn hätten sich erheblich beschwert. Natürlich waren alle davon ausgegangen, dass die Lärmbelästigungen vom Jazzhaus ausgingen, als sie zum Eingang gegangen waren um sich zu beschweren, hatten sie von den Türstehern erfahren, dass es sich um eine private Geburtstagsfeier handelt.
Ich bin am selben Tage zu den Nachbarn gegangen um mich zu entschuldigen und zu versichern, dass es sich um einen einmaligen Vorgang gehandelt hat , der sich mit Sicherheit nicht wiederholen wird. Eine Nachbarfamlie war jedoch unversöhnlich und schrieb an das Baurechtsamt.
Auch gegenüber dieser Behörde habe ich sodann erklärt, dass es sich um einen einmaligen Vorgang handelte für den ich mich entschuldigte. Ansonsten gehen vom Betrieb des Jazzhaus keinerlei Ruhestörungen aus. Was von Seiten der Stadt an die Presse gegeben wurde, wonach ich seit 2008 fortgesetzt die Nachbarschaft mit Lärm belästigen würde ist unwahr.
In den wenigen Fällen wo es zu Beschwerden, insbesondere von Hotelgästen, gekommen war konnte ich nachweisen, dass das Jazzhaus an diesen Tagen entweder gar nicht geöffnet oder schon geschlossen war. Lärm geht insbesondere von den Gästen des Biergartens und von rauchenden Gästen der Kulturbrauerei aus, die in größeren Gruppen im Hof stehen, insbesondere wenn dort an Gruppen vermietet wurde.
Oft genug müssen wir alle Türen schließen um im Jazzhaus ungestört Musik hören zu können.
Trotzdem erhielt ich einen Steuerbescheid, man hatte mich als Gewerbebetrieb eingestuft der Fremdvermietungen vornimmt und dafür soll ich Steuern nachzahlen, insgesamt rund 10 000 Euro.
Dagegen habe ich Widerspruch eingelegt und diesen auch begründet.
Zum Vorwurf, Schulden bei der Stadt Heidelberg zu haben.
Weil unsere privaten Mittel zur Ausstattung des Jazzhaus nicht ausreichten und eine Bühne zu bauen war, habe ich 1999 ein zinsloses Darlehen beantragt und erhielt darauf 2000 ein Darlehen in Höhe von rund 12 000 Euro zum 3% Zins.
Wegen der zuvor beschriebenen Schwierigkeiten mit der GEMA musste ich mit der Tilgung bereits nach kurzer Zeit aussetzen bzw. diese reduzieren, was ich auch dem Kassen -und Steueramt mitteilte. Ich habe in kleineren Raten von 200,- Euro monatlich getilgt bis die Situation eintrat, dass ich aufgrund der Pfändung des Kontos durch die GEMA keine Mittel mehr hatte. Seitdem ruhte der Darlehensvertrag, um einer Verjährung vorzubeugen, wurde ein Titel erwirkt.
Weitere Unterstützungen habe ich seit 2000 von der Stadt nicht erhalten. Dass dieser Umstand irgendetwas mit der beschlossenen Schließung des Jazzhaus zu tun habe wurde mir niemals mitgeteilt. Nun sollen die Schulden um rund 100% angestiegen sein, davon wusste ich nichts.
Alles in allem sehr unerfreulich und sicherlich muss ich aus heutiger Sicht einsehen, dass meine immer gut gemeinten Bemühungen, aus eigener Kraft aus den Problemen herauszukommen, wenig erfolgreich waren.
Ich habe dort unten noch niemals Geld verdienen können, im Gegenteil. Als Dank für das nahezu 125 Jahre andauernde „Ehrenamt“ im Dienste der Kulturlandschaft in Heidelberg sehe ich mich einer Schlammschlacht ausgesetzt, die nur der Demontage meine Person dienen soll um vor Ort alsbald das umsetzen zu können, was dem derzeitigen Image dieser Stadt entspricht, einen weiteren Ort der Freß – und Saufkultur.
Ich befinde mich bei weitem nicht alleine in der Position des Einzelkämpfers, der versucht in dieser Stadt etwas zu bewegen, was sich abseits von Mainstream befindet und eine Zielgruppe von Heidelbergern und Gästen dieser Stadt bedient, die nicht in die üblichen Saufkneipen gehen wollen.
Die derzeitige Stadtführung unterstützt solche Initiativen nicht.
Eine solche Kampagne gegen eine einzelne Person habe ich, der ich seit 1968 in Heidelberg lebe, noch nicht erlebt und damit habe ich auch nicht gerechnet.
Jetzt habe ich sehr weit ausgeholt, aber ich meine es sind wichtige Informationen die vielleicht wenigstens in Euren Augen geeignet sind, meine Reputation wieder herzustellen, denn ich fühle mich zutiefst verletzt.
Ich möchte kein Mitleid aber ich denke, diese Erklärungen war ich Euch schuldig, die ihr mir bisher vertraut habt und gerne unsere Gastlichkeit in Anspruch genommen habt.
Ich hoffe Ihr versteht, dass ich keine weiteren Möglichkeiten mehr sehe den Kampf fortzusetzen. Ich muss weiteren Schaden von mir und meiner Familie abwenden und werde deswegen bei der Mitgliederversammlung offiziell meinen Rücktritt erklären und die Auflösung des Vereines empfehlen.
Ich danke auch für Eure Freundschaft und möchte Euch gerne bitten, Eure Solidarität auch gegenüber einem neu zu gründenden Verein, der meine Arbeit im Jazzhaus nach meinem Wunsche fortsetzen soll, zum Ausdruck zu bringen.
In Freundschaft und Verbundenheit
Wolfgang Graf"
Kommentar von Frank Schindelbeck | 14.11.2013
Die RNZ berichtet über die weitere Entwicklung, das oben dokumentierte Schreiben von Herrn Graf und zitiert diesen im letzten Absatz dahingehend, dass er keinen Grund zur Auflösung des bestehenden Vereins sehe.
http://www.rnz.de
Weiß hier jemand eigentlich, was hinter der Privatclub Konstruktion steckt? Es ist auch von einem "Förderverein" die Rede (z.B. im Mamo). Gab bzw. gibt es da vereinsähnliche Strukturen (beispielsweise mit Kassenprüfungen, Protokollen, Vorstand etc.) ?
Kommentar von Frank Schindelbeck | 25.11.2013
Die RNZ berichtet weiter. Der Trägerverein des Jazzhauses hat sich versammelt viele Fragen wurden aufgeworfen, einige davon blieben offen. Anfang Dezember soll es ein Treffen von am Jazzhaus interessierten Menschen mit Vertretern der Stadt Heidelberg geben.
http://www.rnz.de//heidelberg/00_20131125060000_109477841_Mitglieder_fordern_Aufklaerung_Wie_viele_Schul.html
Kommentar von Frank Schindelbeck | 14.12.2013
Der Förderverein für das Jazzhaus in Heidelberg meldet Insolvenz an.
http://www.rnz.de//heidelberg/00_20131214060035_110165703_Jazzhaus_meldet_Insolvenz_an.html
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