Neuer Deutscher Jazzpreis 2012 - Das Ergebnis & Fotos
11.03.2012 14:00 von jazz (Kommentare: 2)
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Es gab Vorzeichen. Bei den Mitarbeitern der Alten Feuerwache, die nachmittags den Soundcheck betreuten wurden sie bereits als Favoriten gehandelt und in den Umbaupausen der Finalistenkonzerte verkaufte sich ihre CDs am Stand der IG-Jazz wie warme Semmeln. Und so kam es, wie es vielleicht kommen musste: »Schneweiss und Rosenrot« sind die Gewinner des Neuen Deutschen Jazzpreis 2012. Die Weisheit des Mannheimer Publikums, dem der erweiterte Jazzbegriff - vielleicht auch Dank des populären Enjoy Jazz Festivals - quasi im Blut zirkuliert, wählte die Band auf den ersten Platz. Auf Platz Zwei landete das Trio »Center« aus Berlin und immerhin Dritter: Christopher Dell mit seiner Formation »DRA«.
Leichte Ernüchterung und ein gewisser Unglaube bei einigen versierten Jazzhörern im Publikum, die Konstruktion des NDJ legt das Ergebnis allerdings nah: Es ist kein Preis für den besten Jazz sondern für die populärste Musik, die es auf die Bühne der Alten Feuerwache schafft. Dieses „auf die Bühne schaffen“ ist kein trivialer Prozess: über eine Vorjury gewählt aus 197 Bewerbungen, durch den Filter des Jazzpreis-Kuratoren Django Bates geschlüpft - dessen Bassist zufällig auch bei »Schneeweiss und Rosenrot« (Lucia Cadotsch - vocals, Johanna Borchert - piano, Petter Eldh - bass, Marc Lohr - drums, electronics) die Saiten zupft - et voilá: Pop-Jazz mit einigen freieren Elementen, dem man in seinen lichteren Momenten das Label „experimentell“ ankleben könnte, „ein facettenreiches Fantasieland voller kleiner Überraschungen“ wie es einst bei Jazz thing zu lesen war. Gratulation an die Siegerband!
Das großartig aufspielende Trio DRA mit Christopher Dell am Vibraphon, Christian Ramond am Bass und Felix Astor an den Drums war mit seinen komplex-vertrackten musikalischen Kunststücken für gelegentliche Jazzhörer mit „ungeübten“ Ohren wohl ein wenig zu anstrengend und schwer „durchhörbar“ - da konnte auch ein „Dell on Speed“ am Mikrophon nichts herausreißen. Manche meinten er habe sich mit seinen etwas überdrehten Ansagen um Kopf und Kragen geredet... Musikalisch waren diese Drei über jeden Zweifel erhaben. Jazz voller Ideen, traumwandlerisch im Zusammenspiel, kein Wunder bei einer Band die seit über 10 Jahren zusammen arbeitet. Gäbe es einen Jazzgott, dann hätte diese Band den *Jazz*Preis an diesem Abend erringen müssen.

Das junge Trio »Center« aus Berlin hatte nicht nur die als beste Solistin des Abends gewählte Lizzy Scharnofske (dr, gut, blond & nett) aufzubieten - sondern auch einen raffiniert „dichten“ Jazz. Weniger spektakulär als feingesponnen, nicht trivial und trotzdem gefällig im besten Sinne. Eine Band, der die Freude im Finale zu spielen in die Gesichter geschrieben war und die nur relativ knapp geschlagen auf dem zweiten Platz landete. (Lizzy Scharnofske – drums, Eike Wulfmeier – piano, Andreas Edelmann – bass)
Wie in den vergangenen Jahren war die Alte Feuerwache in Mannheim am Wettbewerbsabend prall gefüllt. Das Konzept von IG-Jazz und des Mitveranstalters Alte Feuerwache Mannheim ist damit auch bei der siebten Ausgabe des NDJ voll aufgegangen. Es bleibt ein gewisses Unbehagen mit dem Label „Neuer Deutscher Jazzpreis“ - einerseits leistet das Ergebnis des Wettbewerbs einmal mehr einer gewissen Verwässerung des Jazzbegriffs Vorschub - und wird vermutlich reichlich Kritik nach sich ziehen - andererseits ist der Neue Deutsche Jazzpreis eben ein Publikumspreis und Vertreter der „reinen Jazzlehre“ müssen es sich hinter die Ohren schreiben: es ist kein Kritikerpreis... (fs)
(Photos: Schindelbeck > Anklicken zum Vergrößern!)



Kommentar von kevin | 12.03.2012
herr schindelbeck.
ungehemmt drauf los knipsen und später kucken was dabei herauskommt kann man in einem digitalen zeitalter verstehen; anders ist es wenn man den mund aufmacht und selbst zuhört was rauskommt ohne vorher zu überlegen. ->Lizzy Scharnofske (dr, gut, blond & nett)!!!??? bitte löschen sie doch den peinlichen artikel.
Kommentar von Frank Schindelbeck | 12.03.2012
Herr Kevin,
vermutlich sind Sie ein Kenner der Fotografie und können daher ganz genau unterscheiden, ob geknipst oder fotografiert wurde. Mein Kommentar zu Frau Scharnofske gibt kurz und prägnant meine Meinung wieder: eine gute Drummerin, als beste Solistin des Abends hat sie sich wegen der anderen beiden Kriterien gegen (mindestens) ebenso gute Solisten bei der Publikumswahl durchgesetzt. Etwas pointiert formuliert, zugegeben.
Wer über "peinliche Artikel" schwadroniert, der sollte zu seiner "dicken Hose" auch mit seinem kompletten Namen stehen können.
Freundliche Grüße
Frank Schindelbeck
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