Jazz in SWR 2 im März 2005

14.02.2005 14:55 von jazz (Kommentare: 0)

 

Dienstag, 1. März, 23.00 – 24.00 Uhr

Ars acustica

 

Mittwoch, 2. März, 23.00 – 24.00 Uhr 
Jazztime: Re-Released (2) 
Blue Note RVG-Edition 
Von Gerd Filtgen

Mit geschmackvollem Design, aussagekräftigen Liner Notes und zeitloser Musik wurde „Blue Note“ zu einem Kult-Label. Die Geschichte der 1939 gegründeten Plattenfirma ist eng mit der Biographie der aus Deutschland in die USA emigrierten Musikenthusiasten Alfred Lion und Francis Wolff verbunden. Beide übten ihre Produzentenrolle mit großer Liebe und Sorgfalt aus; bei den heutigen Marketingstrategien und dem Griff nach dem schnellen Euro eine Ausnahmeerscheinung im Musik-Business. Einen weiteren Glücksgriff machten die Produzenten mit dem Engagement von Rudy van Gelder. Der ehemalige Optiker, der anfänglich den Job als Toningenieur nur als Hobby ausgeübt hatte, bescherte dem Label den unverkennbaren Sound. In einer Sonderserie, der so genannten „Blue Note“-RVG-Edition, werden nach und nach legendäre Sessions des auch heute noch am Mischpult tätigen Soundexperten mit neuem Mastering wiederveröffentlicht. Das musikalische Aufgebot zieht sich in enzyklopädischer Dichte von Cannonball Adderleys „Something Else“ bis zu Herbie Hancocks „Maiden Voyage“ und Sonny Rollins’ „A Night At The Village Vanguard“.

 

 

Donnerstag, 3. März, 19.05 – 20.15 Uhr 
SWR Jazz Session: Aus dem Archiv 
Der Pianist Earl Hines solistisch in Stuttgart 
Von Gudrun Endress

Earl Hines ging als der Vater der Jazzpianisten in die Jazzgeschichte ein. Wichtiger Meilenstein seiner Karriere war die 1928 beginnende Zusammenarbeit mit Louis Armstrong. In jener Zeit bildete sich auch seine besondere Spielweise, der „Trumpet-Piano-Style“, heraus. Er ist dadurch gekennzeichnet, dass die rechte Hand Linien spielt, wie sie ein Trompeter blasen könnte. Bereits 1928 machte Earl Hines die ersten Piano-Solo-Aufnahmen. 1979, als 73-jähriger, kam Earl Hines zu einem Solokonzert nach Stuttgart. Natürlich durfte im Programm auch sein Erfolgsstück „Rosetta“ nicht fehlen.

 

 

Freitag, 4. März, 23.00 – 24.00 Uhr 
NOWJazz: Magazin 
Von Reinhard Kager


Neues aus der Welt des Jazz, Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über wichtige Festivals, Buchbesprechungen, Personalia und jede Menge brandneuer CDs erwarten Sie im NOWJazz-Magazin in SWR2, das jeweils am ersten Freitag jeden Monats zwischen 23.00 Uhr und 24.00 Uhr zu hören ist. Erwartet werden diesmal ein Bericht über die Jazzszene in Zürich und eine Rezension des „Rough Guide of Jazz“.

 

 

Sonntag, 6. März, 17.31 – 18.00 Uhr (nach dem Hörspiel) 
„Salute To My Friends“ 
Duke Ellington spielt die Hits seiner Kollegen 
Von Werner Wunderlich

Unter den großen Orchesterchefs des Jazz gab es keinen fleißigeren Komponisten als Duke Ellington; man hat Mühe, die Zahl seiner in Noten festgehaltenen Werke zu ermitteln. Unzählige Male wurden diese zum Teil zu „Standards“ gereiften Stücke vom Duke und seinen Bands gespielt. Nur gelegentlich kam es vor, dass Ellington Kompositionen aus der Feder anderer Autoren aufgriff, von bekannten Bandleader-Kollegen etwa oder auch mal von Pop-Größen wie Bob Dylan oder den „Beatles“. Insofern birgt diese Sendung eine Reihe von eher selten gespielten Raritäten des legendären Duke.

 

 

Dienstag, 8. März, 23.00 – 24.00 Uhr
NOWJazz: „Hardcore Chamber Music“ 
Das Schweizer Trio Koch-Schütz-Studer 
Von Thomas Loewner

Seit 1990 spielen Hans Koch, Martin Schütz und Fredy Studer bereits zusammen, und ihre „Hardcore Chambermusic“ hat sich längst zum Markenzeichen entwickelt. Das Konzept des Schweizer Trios basiert auf harten Kontrasten. Samples unterschiedlichster Herkunft treffen auf bisweilen brachiale Live-Electronic-Sounds und auf freie, komplett akustisch eingespielte Improvisationen. Soweit die „handwerkliche“ Seite. Stilistisch lassen sich Koch-Schütz-Studer nicht festlegen: Ihre bisherigen Projekte widmeten sich stets anderen Stilrichtungen. Mal arbeiteten sie mit ägyptischen Musikern zusammen, mal mit kubanischen, aber auch mit dem Schweizer Dichter Christian Uetz oder den New Yorker DJs I-Sound und M. Singe. Beliebig ist die Musik von Koch-Schütz-Studer deswegen aber nicht. Im Gegenteil: Es gelingt ihnen immer wieder, diese unterschiedlichen Stile in ihre eigene Sprache einzubinden, die unverwechselbar klingt.

 

 

Mittwoch, 9. März, 23.00 – 24.00 Uhr 
Jazztime: Re-Released (3) 
Verve LPR-Edition 
Von Gerd Filtgen

Seit ein paar Jahren gilt die LPR-Serie von Verve als Fundort für Raritäten und außergewöhnliche Jazz Sessions aus den 50-er, 60-er und 70-er Jahren. Unter dem Verve-Etikett wurden zahlreiche, nicht nur von Sammlern hochgeschätzte Aufnahmen von Argo, Dot, MGM, Impulse und Mercury für Wiederveröffentlichungen aus den Archiven geholt. Der Clou der Serie ist die maßstabgerechte Verkleinerung der Original Schallplattenhüllen auf CD-Format, die Abbildung der Original-Covers und die Reproduktion der ursprünglichen Liner Notes. Noch wichtiger als die attraktive Optik ist jedoch der musikalische Inhalt. Die Entdeckerfreude führt stilistisch querbeet von Sister Rosetta Tharpes’ „Gospel Train“ zu Jack Teagardens „Mis’ry And The Blues“. Weitere Stationen sind unter vielen anderen: Ahmad Jamals „Chamber Music Of The New Jazz“ , Dizzy Gillespies „Afro“ und Archie Shepps „The Cry Of My People“.

 

 

Freitag, 11. März, 23.00 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Session 
Freie Improvisationen bei den Konzerten des NEWJazz Meeting 2004
mit George Lewis und seinem Oktett 
Am Mikrophon: Reinhard Kager

Bereits bei den Proben zu seinem Stück „Sequel“ im SWR-Studio 1 in Baden-Baden hatte der amerikanische Posaunist, Komponist und Musiktheoretiker George Lewis das von ihm zusammengestellte Oktett aufgeteilt, um in kleineren Formationen das Zusammenspiel der acht Musiker zu intensivieren. Auch in den Konzerten dieses NEWJazz Meetings 2004 in Rottenburg und in Basel waren Miya Masaoka, Kaffe Matthews, DJ Mutamassik, Ulrich Müller, Jeff Parker, Siegfried Rössert, Guillermo E. Brown und George Lewis in variierenden Besetzungen mit einigen freien Improvisationen aufgetreten. Die besten Takes aus diesen beiden Konzerten können Sie in dieser NOWJazz Session hören.

 

 

Sonntag, 13. März, 17.08 – 18.00 Uhr (nach dem Hörspiel) 
Vor fünfzig Jahren starb Charlie Parker 
Auszüge aus dem Memorial-Konzert zum 10. Todestag 
Von Werner Wunderlich

Anlässlich der zehnten Wiederkehr von Charlie Parkers Tod trafen sich in der New Yorker Carnegie Hall ein paar Freunde und frühere Kollegen, um ihm und seinem Andenken ein Konzert zu widmen. Dizzy Gillespie war mit seinem Quintett erschienen, Roy Eldridge und Coleman Hawkins spielten Parkers „Now’s The Time“, und Lee Konitz ehrte den Altsaxophon-Kollegen mit einem unbegleiteten „Blues For Bird“.

 

 

Dienstag, 15. März, 23.00 – 24.00 Uhr 
NOWJazz: Ein unermüdlicher Erneuerer 
Ornette Coleman zum 75. Geburtstag 
Von Harry Lachner


Wie viele zur Legende stilisierte Innovatoren des Jazz, stieß auch der Saxophonist Ornette Coleman in seinen Anfängen zunächst auf Unverständnis. Nicht nur, dass sich hier ein Musiker scheinbar an der Tradition versündigte und eine ganz neue Richtung einschlug: Ornette Coleman besaß auch noch die Chuzpe, seinen ersten Alben Titel zu geben, die geradezu unverschämt selbstsicher klangen – wie „The Shape Of Jazz To Come“. Später erkannte man dann, wie nahtlos Coleman damals den Bebop fortgeschrieben hatte. Sein Album „Free Jazz“ schließlich veränderte die Spielweise, Haltung und das Verständnis von Jazz grundlegend. Am 19. März wird der Pionier der freien Improvisation 75 Jahre alt. Anlass für einen Blick auf sein Gesamtwerk: von den Bluesanklängen des Anfangs, über die freie Improvisation und seine Orchesterwerke bis zur elektrischen, "harmolodischen" Phase.

 

 

Mittwoch, 16. März, 23.00 – 24.00 Uhr 
Jazztime: „Silent Trumpets“ 
Lyrische Jazztrompeter von Bix Beiderbecke bis Nils Petter Molvaer 
Von Günther Huesmann


„Die Trompete ist eigenwillig und frech“, sagt Wynton Marsalis. „Du musst sie dazu bringen, dass sie Dich respektiert. Sie ist wie ein stolzes Pferd, das Du zähmst. Überzeuge es, dass Du der Boss bist, und Dein Vorhaben wird erfüllt werden.“ Mit diesem musikalischen  Führungsanspruch – formuliert vom Wortführer des neokonservativen Jazz – geht der Umstand einher, dass Jazztrompeter gewöhnlich ein starkes Ego haben: Sie spielen laut und dominant. Unabhängig von diesem Power-Image hat sich jedoch ein lyrischer Zweig des Jazztrompetenspiels entwickelt, der von den Anfängen der afroamerikanischen Musik bis in die Gegenwart reicht. Bläser dieser Richtung beweisen: Auch die „Flüsterer“ und „Romantiker“ unter den Jazztrompetern haben das Spiel ihres Instruments um einen entscheidenden Schritt voran gebracht.

 

 

Donnerstag, 17. März, 19.05 – 20.15 Uhr
SWR Jazz Session 
Stefan Heidtmann und Geoff Goodman im Jazzclub Karlsruhe 
Am Mikrophon: Reinhard Kager

Der Pianist Stefan Heidtmann zählt zu den interessantesten deutschen Musikern seiner Generation. Deutlich geprägt von seiner klassischen Ausbildung, besticht Heidtmanns Spiel durch eine klangschöne und präzise Anschlagskultur. Auch Einflüsse der neuen, komponierten Musik machen sich in Heidtmanns Stücken immer wieder bemerkbar. Beim Konzert in Karlsruhe trat der Pianist mit einer exzellenten Gruppe auf, der Gerd Dudek, Reiner Winterschladen, Dieter Manderscheid und Klaus Kugel angehörten. Tags darauf war im Karlsruher Jubez der amerikanische Gitarrist Geoff Goodman zu Gast, der seit längerer Zeit schon in München lebt. Goodman, der immer wieder auch zur Mandoline greift, verschmilzt in seinem Spiel auf gekonnte Weise Einflüsse des Rock und des Folk, aber auch der guten, alten Bluestradition. Auch sein Quintett bestand aus hervorragenden Musikern: Rudi Mahall, Felix Wahnschaffe, Henning Sieverts und Billy Elgart.

 

 

Freitag, 18. März, 23.00 – 24.00 Uhr 
NOWJazz: Prisma entfällt

 

 

Sonntag, 20. März, 17.28 – 18.00 Uhr (nach dem Hörspiel) 
„Power und Feinsinn“: der Pianist McCoy Tyner 
Von Gudrun Endress


Ende des vergangenen Jahres wurde McCoy Tyner in die „Hall Of Fame“ der amerikanischen Jazz-Zeitschrift „down beat“ gewählt. Verdient hat der Mittsechziger diese Würdigung schon lange. Sein Arbeitgeber in den 60-er Jahren, der innovative Free-Jazz-Saxophonist John Coltrane, lobte Tyner als Pianisten, der einen ganz persönlichen Sound aus seinem Instrument hervorbringt. Tyners stark perkussiver, ausgesprochen klangreicher und dichter Pianostil erwies sich als Schule-bildend. Obwohl Tyner heutzutage melodischer und verbindlicher spielt, sind die für ihn kennzeichnenden, bisweilen orchestral donnernden Akkorde und Cluster geblieben, ebenso das vorwärts fließende, drängende Element in seinem Spiel.

 

 

Dienstag, 22. März, 23.00 – 24.00 Uhr 
NOWJazz: „aRtonal“ 
Die zweite Generation der Wiener Elektronik- und Improvisationsszene 
Von Nina Polaschegg


Jazz, Rock, Improvisation? Das noch recht junge Wiener Label „aRtonal“ widmet sich Rändern des Musikalischen und Musikern, die sich in zwischen den Genres bewegen. Etwa aus dem Umfeld des „flucs“, einem Veranstaltungsort in Wien, der eine Plattform ist für die Suche nach stetem Wandel, nach steter Permutation von Klang. Musik zwischen Ambient und harten Grooves, zwischen Rock-beheimatetem Schlagzeug und scheinbar stillstehenden akustischen Cello-Loops. Aber auch der Jazz hinterlässt deutliche Spuren: In der Improvisationsszene geläufige Namen wie zum Beispiel Boris Hauf, Franz Hautzinger, Helge Hinteregger, Dean Roberts oder Martin Siewert sind ebenso vertreten wie jüngere Musiker, die ihre eigenen stilistischen Ansätze suchen und auf dem besten Wege sind, über Österreichs Grenzen hinaus Bekanntheit zu erlangen: so etwa der Cellist „Noid“ aka Arnold Haberl, der Kontrabassist Manfred Hofer oder das Trio „brpobr“.

 

 

Mittwoch, 23. März, 23.00 – 24.00 Uhr 
Jazztime: „Spirits Rejoice“ 
Geistliche Lieder und Hymnen mit John Coltrane, 
Charlie Haden, Hank Jones, Christof Lauer und anderen 
Von Bert Noglik


Jazz entfaltete sich seit seinen Anfängen zwischen irdischer Ausgelassenheit und spiritueller Besinnung. Geistliche Lieder und Themen durchziehen die gesamte Geschichte der afroamerikanischen Musik bis in die Gegenwart hinein. Nicht nur thematisches Material, sondern auch der Spielgestus und die Spielhaltung entspringen oftmals der Rhetorik der Prediger und dem Gesang der Gemeinden in den schwarzen Kirchen. Saxophonisten wie John Coltrane, aber auch weiße amerikanische Jazzmusiker wie der Bassist Charlie Haden gaben eigenen Kompositionen den Titel „Spiritual“. Womit sie sich damit emotional auf die Roots in der schwarzen Kirchenmusik bezogen. In Europa entwickelte sich der Jazz überwiegend in weltlichen Zusammenhängen. Doch auch hier treffen wir auf Musiker, die sich ihrerseits zu spirituellen Traditionen im eigenen Umfeld bekennen wie Christof Lauer, Markus Burger und Jan von Klewitz.

 

 

Freitag, 25. März,17.28 – 17.55 Uhr (nach dem Hörspiel) 
„Now’s the time“: Charlie Parker revisited 
Von Gudrun Endress


Generationen von Altsaxophonisten orientierten sich an dem Innovator Charlie Parker. Gemeinsam mit Dizzy Gillespie kreierte er den Bebop, überhaupt den modernen Jazz. Der Meisterimprovisator Parker wies in seinen Improvisationen melodisch-motivische Themenbezogenheit auf. Orientierung in seinen atemberaubenden Improvisationen gaben Elemente des melodischen Grundgerüsts der jeweiligen Themen. Neben eigenen Stücken wie dem Blues „Now’s The Time“ spielte Parker vorwiegend Jazz-Standards, die durch seine melodisch-harmonische Phantasie zu neuen Kompositionen wurden.

 

 

Freitag, 25. März, 23.00 – 24.00 Uhr 
NOWJazz: Session 
Die Wiener Gruppe „Polwechsel“ 
Am Mikrophon: Reinhard Kager


Die aus Wien stammenden Gruppe „Polwechsel“ konzentriert sich seit einigen Jahren schon auf die organische Verbindung von instrumentalen Klängen und elektronischen Sounds. Freilich nicht auf die oft übliche, dröhnend-technoide Weise: Vielmehr erforscht das Quartett um den Bassisten Werner Dafeldecker gleichsam kleinste, zarteste Klangpartikel. Der Auftritt von „Polwechsel“ beim NOWJazz Summit 2003 in Freiburg zählte zu den Höhepunkten des kleinen Subfestivals beim Freiburger „Gipfel du Jazz“. Konnte bislang nur ein Ausschnitt dieses Konzerts gesendet werden, so steht diesmal der gesamte Mitschnitt auf dem Programm: Eine auf hybriden Klängen basierende Musik, die ihre Kraft aus der Stille bezieht, aus der meditativen Tiefe der Reflexion.



Sonntag, 27. März, 17.28 – 17.55 Uhr (nach dem Hörspiel) 
Wiegenlieder, die munter machen 
Von Werner Wunderlich


Wahrscheinlich weil man Wiegenlieder meist mit etwas Freundlichem, Sanftem verbindet, geben manche Musiker ihren Kompositionen den Namen „Lullaby“. „Lullaby In Rhythm“, „Lullaby Of The Leaves” und George Shearings “Lullaby Of Birdland” dürften die bekanntesten sein und treffen stets auf hellwache Ohren. Doch auch Kenny Garretts, vom Geri-Allen-Sextett vorgetragenes „Lullaby Of Isfahn“ lädt nicht gerade zum Schlummern ein.

 

 

Montag, 28. März, 17.28 – 17.55 Uhr (nach dem Hörspiel) 
E.S.T. – Esbjörn Svenssons homogenes Klaviertrio 
Von Gudrun Endress

„Meine Konzeption im Trio ist davon bestimmt, wie wir miteinander kommunizieren“, sagt der Pianist Esbjörn Svensson. Bei E.S.T. ist nicht das Einbeziehen der verschiedensten Musikarten prägend, sondern das Zusammenspiel, das Timing, die Interaktion. Das so homogen spielende Klaviertrio bezieht sich hörbar auf die Jazztradition, hat aber ebenso Einflüsse der Klassik und des Pop verinnerlicht. E.S.T. legte vor ein paar Wochen die neue CD „Viaticum“ vor. Deren Musik wird auch vorwiegend auf der Deutschlandtournee zu hören sein, die in der zweiten Aprilhälfte stattfindet.

 

 

Dienstag, 29. März, 23.00 – 24.00 Uhr 
NOWJazz: Zwei solitäre Pianisten – Misha Mengelberg und Fred van Hove 
Von Bert Noglik


Sie zählen beide zu den Vaterfiguren einer neuen europäischen Improvisationsmusik und sie entwickeln beide musikalische Qualitäten aus einer Charaktereigenschaft, die man als „Eigensinn“ bezeichnen kann: der Holländer Misha Mengelberg und der Belgier Fred Van Hove. Das Spiel der beiden Pianisten erweist sich als individualistisch, eher an der Aussage als an der Technik orientiert und auf diese Weise einem Außenseiter des Jazz wie Thelonious Monk verwandt. Beide haben sich für den kollektiven Zusammenschluss improvisierender Musiker engagiert: Misha Mengelberg schuf mit den von ihm ins Leben gerufenen I.C.P.-Gruppen eine orchestrale Plattform für seine Musik; Fred Van Hove schloss sich in den Formationen von „Musica Libera Antverpiae“ mit Gleichgesinnten zusammen. Dennoch sind und bleiben beide Pianisten Ausnahmeerscheinungen und Einzelgänger in einer Musik, die Mengelberg als „Instant Composing“ bezeichnet.

 

Mittwoch, 30. März, 23.00 – 24.00 Uhr 
Jazztime: Der Freigeist – Bemerkungen zu Albert Ayler 
Von Harry Lachner

Er blieb bis lange nach seinem viele Spekulationen provozierenden Tod im November 1970 umstritten: Einerseits zitierte Albert Ayler die Einflüsse von Gospel, Blues und von der Marschmusik der Südstaaten so explizit wie kein anderer Musiker im freien Jazz der sechziger Jahre – und positionierte sich damit ganz eindeutig in einer folkloristischen und spirituellen Tradition. Andererseits praktizierte er eine radikal freie Form der kollektiven Improvisation. Sein hochexpressives, eruptives Spiel wurde zum Vorbild für viele Saxophonisten aus dieser Zeit des Sturm und Drangs, darunter auch John Coltrane. Aylers eigenwillige Hybridform verprellte aber nicht nur die Propagandisten des bereits historisch verbrämten Bebop, sondern stieß mit seinen letzten Aufnahmen auch bei manchen orthodoxen Free-Jazz-Anhängern auf Ablehnung. Erst in den letzten Jahren wurde der Facettenreichtum der Musik dieses großen Saxophonisten angemessen gewürdigt.

 

 

Donnerstag, 31. März, 19.05 – 20.15 Uhr 
SWR Jazz Session: „Conjoint“ featuring Karl Berger 
Zum 70. Geburtstag des Heidelberger Vibraphonisten 
Am Mikrophon: Reinhard Kager


Seit den heißen sechziger und siebziger Jahren zählt der Heidelberger Vibraphonist und Pianist Karl Berger zu den bekanntesten Vertretern der experimentellen Jazzszene Deutschlands. Internationale Bekanntheit erlangte er nach seiner Übersiedlung in die USA, wo er 1971 gemeinsam mit Ornette Coleman und Ingrid Sertso das „Creative Music Studio“ in Woodstock gegründet hatte. Erst kürzlich ist Berger zum Vorsitzenden des Dartmouth Music Department an der University of Massachusetts ernannt worden. Obwohl es in Deutschland – bedingt durch seine lange Abwesenheit – heute ein wenig stiller um Berger geworden ist, stellt er sich weiterhin den Experimenten der jüngsten Zeit: Gemeinsam mit der Heidelberger Elektronik-Gruppe „Conjoint“ um DJ move_d hat Berger einige spannende CD's veröffentlicht, in denen sein Vibraphonspiel mit elektronischen Klängen konfrontiert wird. Aus Anlass seines 70. Geburtstags am 30. März 2005 können Sie in dieser SWR Jazz Session nicht nur Ausschnitte aus dem aktuellen Karlsruher Konzert von „Conjoint“ & Berger hören, sondern auch einige Rückblenden auf legendäre Free Jazz Meetings der Ära Berendt, an denen Berger mitgewirkt hatte.

 

 

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