Nils Petter Molvaer im Atelier 47 - Photos / Text

20.10.2011 07:30 von Frank Schindelbeck (Kommentare: 0)

 

Klein und sehr fein - das Konzert von Nils Petter Molvaer bei Enjoy Jazz im Atelier 47 in Ladenburg. Fotos von Frank Schindelbeck (Jazzfotografie auf Jazzpages)

 


"Ein Mann, eine Posaune, ein Mikrophon" mit "Phantasie und instrumentaler Kompetenz" - das schrieb der Pianist und Jazzpublizist Michael Naura einst über Albert Mangelsdorff und seine Solokonzerte. Vergleichbares könnte man auch über das Konzert des Trompeters Nils Petter Molvaer im Atelier 47 tippen - ergänzt um „mit Notebook, diversen Effektgeräten, einem für den 25-Kopf-Raum enorm großen Mischpult samt zugehörigem Mixer, der zudem geheimnisvolle Klangmodifikationen übers IPads steuerte“ - das Schöne: es funktioniert!

 

Nils Molvaer - Photo SchindelbeckHätte Molvaer tatsächlich nur seine Trompete aus dem Koffer gepackt und einfach drauf los gespielt - es wäre großartig gewesen ihn einmal ganz anders zu hören, akustisch, „ohne alles“, komplett entkernt. Ein starker Kontrast zum Trio Konzert des Vorabends in der alten Feuerwache.

 


Aber das wäre Molvaer wohl selbst zu wenig „molvaertypisch“ gewesen und für einen, der in den letzten Jahren so sehr auf die Möglichkeiten der Sound und Raumklangerweiterungen der modernen Musikelektronik setzte, zuwenig an klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten. Tatsächlich hört man also im Atelier 47 einen Molvaer „light“ - wobei „light“ hier wahrlich nicht für geschmacks- und „sonst wie reduziert“ steht, sondern für Reduktion aufs Essentielle, ohne die typischen Merkmale seiner musikalischen Ausdruckswelt über Bord zu werfen.

 

In einem fast einstündigen Set improvisiert Molvaer, verpackt seine melancholischen Töne in computergenerierte und -modifizierte Klanghüllen, wirft Themen auf verästelt sie und wechselt die Richtungen... Er produziert Klangmuster, die im Computer verfremdet als Gerüst und Hülle für seine direkten Improvisationen genutzt werden, mit der Trompete mal klassisch in kürzelhaften Themen bis in gepresste hohe Lagen aber auch als reines Geräuschinstrument oder mit dem Trichter als Schallkörper für raunende Gesangspatterns, die - natürlich - auch durch die digitale Klangmühle gedreht werden.

 

Was in der Beschreibung einigermaßen technisch klingt - es funktioniert. Elektronik und Jazz sind längst eine harmonische Verbindung eingegangen und in den Händen von Meistern sind die Spielmöglichkeiten dieser neuen Instrumente gleichberechtigt neben traditionellen, „lungen- und handbetriebenen“. Es wirkt organisch und natürlich und fesselte die 25 Zuhörer im Atelier 47 in Ladenburg. Nils Petter Molvaer auf facebook: „Thanks to the people at Galerie 47 in Ladenburg. It was the most intimate concert I ever did. 30 kvm and 25 people. Packed :-)“

 

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