SWR 2 Jazz Programm im Oktober 2005

09.09.2005 12:09 von jazz (Kommentare: 0)

 

 

SWR 2 Jazz Programm im Oktober 2005


Montag, 3. Oktober, 16.58 – 18.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Vocal Shooting Star: Lizz Wright
Von Gudrun Endress

Lizz Wright tourt in der ersten Oktoberhälfte als Attraktion der „JazzNights“ durch Deutschland. Der neue Vocal Shooting Star ist Pfarrerstochter, und in ihrer ausdrucksstarken Singweise schwingt unüberhörbar der Gospel mit. Vor zwei Jahren legte die aus Georgia stammende Sängerin ihr Debüt-Album „Salt“ vor, in diesem Jahr erschien ihre zweite CD „Dreaming Wide Awake“. Auf diesem Album singt sie überzeugend Versionen von Melodien bekannter Songwriter, aber auch eigene Stücke, die ihr weiches, ruhiges Wesen spiegeln. Ihre Songs vergleicht die Sängerin mit einem Klanggemälde ihrer Erlebnisse, ja ihres eigenen Lebens. Lizz Wright, die schon in der Kirche ihres Vaters gepredigt hat, will in der Musik ganz direkt das ausdrücken, was sie empfindet, was unmittelbar aus ihrem Herzen kommt.


Montag, 3. Oktober, 18.20 – 18.40 Uhr 
Die wilden Jahre des DDR-Jazz: Erinnerungen an die Jazzrockgruppe SOK
Von Werner Wunderlich 

Amerikanische Bands wie „Blood, Sweat & Tears“ und „Chicago“ lieferten Inspirationen, doch die Individualität des Jazz war dominierend in dieser progressiven Truppe, die von dem Pianisten und Komponisten Ulrich Gumpert geleitet und von Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer voran getrieben wurde. Zwar gab der staatliche „VEB Deutsche Schallplatten“ keine Möglichkeiten zu Produktionen, doch blieben ein paar Aufnahmen des ehemaligen „Rundfunks der DDR“ erhalten.


Mittwoch, 5. Oktober, 23.00 – 24.00 Uhr
Jazztime: Virtuosität und Sanglichkeit am Kontrabass
Dieter Ilg, Dieter Manderscheid, Vitold Rek und Eberhard Weber im Vergleich
Von Nina Polaschegg

Virtuosität und Sanglichkeit sind zwei Begriffe, die man lange Zeit nicht gerade vordringlich mit dem großen und schweren Kontrabass in Verbindung bringen mochte. Doch diese Zeiten sind vorbei. Virtuose Pizzikatisoli lassen sich in der Jazzgeschichte schon lange zurückverfolgen. Und auch der Bogen ist inzwischen zum Freund des Bassisten geworden. Klangen die gestrichenen Phrasen eines Ray Brown noch recht unbeholfen, so lassen sich bei Charles Mingus sogar lyrische Paradestückchen des romantischen Repertoires nachhören. In dieser Jazztime-Sendung wird das Spiel von drei deutschen und einem in Deutschland lebenden Bassisten vorgestellt. Dieter Ilg, Dieter Manderscheid, Vitold Rek und Eberhard Weber: Ob gezupft oder gestrichen, alle vier sind Virtuosen und Sänger auf ihrem Instrument gleichermaßen. Doch worin unterscheiden sie sich? Wie meistern sie den heiklen Grat zwischen musikalisch schlüssiger und leerer Virtuosität, die sich selbst genüge ist? Kommt ein solcher „Sänger“ mit lyrisch sattem Streicherklang dem Abgrund des Kitsch zu nahe? Fragen, die in dieser Sendung musikalisch beantwortet werden sollen.


Freitag, 7. Oktober, 23.00 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Bert Noglik

Neues aus der Welt des Jazz, Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über wichtige Festivals, Buchbesprechungen, Personalia und jede Menge brandneuer CDs erwarten Sie im NOWJazz-Magazin in SWR2, das jeweils am ersten Freitag jeden Monats zwischen 23.00 Uhr und 24.00 Uhr zu hören ist. Nachgeholt wird diesmal die aufgrund des Todesfalls von Francy Boland verschobene Rezension über Bücher von Studs Terkel und Uwe Wiedenstried, die zwei Kompendien über Pioniere des Jazz verfasst haben.


Sonntag, 9. Oktober, 17.29 – 18.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
In seiner zweiten Heimat Europa: der Bassist Oscar Pettiford
Von Werner Wunderlich

Zu Europa hatte Oscar Pettiford eine besondere Beziehung, auch zu europäischen Jazzmusikern. Es war ihm wichtig, seine „message“, die Botschaft des Jazz, an europäische Kollegen weiterzugeben, die er nie – wie manch andere „Americans in Europe“ – als lokale Sidemen betrachtet hatte, sondern stets als gleichberechtigte Partner. Fast ein Jahr lang lebte Oscar Pettiford in Baden-Baden, zog dann nach Kopenhagen, wo er am 8. September 1960 starb. Einige seiner zahlreichen Aufnahmen, die er mit europäischen Freunden einspielte, sind in dieser Sendung zu hören.


Dienstag, 11. Oktober, 23.00 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Songs, Hommagen und Projekte von dem 
vielseitigen Saxophonisten Ken Vandermark
Von Gerd Filtgen

Schon Titel wie „Elements Of Style/Exercises In Surprise“, „Design Of Time“ oder „Acoustic Machine“ machen neugierig: Die CDs, die der amerikanische Saxophonist und Klarinettist Ken Vandermark unter diesen starken Slogans veröffentlicht hatte, erwiesen sich nicht als leere Versprechen. Sie rückten den in Chicagos Avantgardeszene aktiven Musiker in den Brennpunkt improvisierter Musik. Seit seinem Engagement im NRG Ensemble, wo er 1992 den Platz des verstorbenen Spiritus Rector der Gruppe, Hal Russell, einnahm, sind Vandermarks musikalische Aktivitäten immer für Überraschungen gut. In seinen von jeder Betulichkeit freien Hommagen kreiert der Saxophonist schlüssige Auslegungen von Jazzklassikern wie Stan Getz, Sonny Rollins, Archie Shepp, Roland Kirk, Sun Ra und Ornette Coleman. Mit spannenden Chorussen weist er den Weg eines Schulterschlusses mit der Tradition, um darauf etwas Ungehörtes aufzubauen. Ebenso überzeugend wie seine Retrospektiven sind die eigenen Projekte, in denen sich Vandermark als origineller Komponist und Improvisator darstellt – wie mit seiner „Territory Band 4“, die am 15. Oktober in Donaueschingen gastiert. 
Mittwoch, 12. Oktober, 23.00 – 24.00 Uhr
Jazztime: Groove – vom Zauber eines rhythmischen Phänomens
Von Günther Huesmann

Es gibt kaum ein größeres Lob an eine Jazzband, als ihr zu bescheinigen, dass sie „groovt“ oder einen „guten Groove“ habe. Wie das Element „Swing“ gehört das rhythmische Phänomen Groove zu den großen mythischen Kategorien des Jazz. Schwer zu beschreiben, doch immer wieder evoziert. Was aber ist ein Groove? Wie entsteht diese spezielle rhythmische Energie? Welchen Stellenwert räumen ihr Jazzmusiker in ihrem Spiel ein? Wie wichtig oder unwichtig ist bei diesem Prozess die rhythmische „Exaktheit“? Und wie prägend wirkt der Groove in einer Band als gemeinschaftsbildendes Element in der Musik? 


Donnerstag, 13. Oktober, 19.05 – 20.15 Uhr
SWR Jazz Session: Aus dem Archiv
Der Saxophonist Art Pepper
Von Gudrun Endress

Der durch Stan Kenton und Shelly Manne berühmt gewordene Altsaxophonist Art Pepper bot bei seinem Gastspiel im Mai 1981 berstend intensive Musik, deren stilistisches Spektrum bis zum Free Jazz reichte. Zugleich zeigte er sich in Balladen als hochmelodischer Improvisator mit lyrisch beseeltem Ton. Ein Jahr vor diesem „Treffpunkt Jazz“-Konzert in Stuttgart hatte der Saxophonist unter dem Titel „Straight Life“ seine Biographie vorgelegt. In ihr schilderte er schonungslos offen seine Drogensucht. Mit eisernem Willen konnte er den Selbstzerstörungsprozess stoppen, fand mit Hilfe der Musik zu einem Leben ohne Fremdbestimmung zurück. Seine Saxophonstimme verglich der hochsensible Pepper, der ein Jahr nach seinem Stuttgarter Auftritt im Alter von erst 56 Jahren starb, mit einer menschlichen Stimme, die um Verständnis, Anerkennung und Liebe flehte.


Freitag, 14. Oktober, 23.00 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session
Otomo Yoshihide mit seinem Quartett live bei den Donaueschinger Musiktagen 2005
Am Mikrophon: Reinhard Kager 

Der Japaner Otomo Yoshihide zählt zu den vielseitigsten Elektronikmusikern der Gegenwart. Aufgewachsen mit der Rockmusik, jahrelang aktiv als Gitarrist im kompromisslosen Noise-Jazz, hat sich Otomo in den letzten Jahren verstärkt der reduktionistischen, extrem leisen Elektronik zugewandt – eine Kehrtwendung um einhundertachtzig Grad. Was der vielseitige Japaner, der neben den Turntables in jüngster Zeit auch immer wieder zur angestammten Gitarre greift, bei seinem ersten Auftritt in Donaueschingen musizieren wird, lässt sich um so schwerer prognostizieren, weil er mit einer völlig neuen, höchst reizvollen Gruppe auftreten wird: Neben seiner langjährigen Partnerin Sachiko M., die in gewohnt insistierender Weise einen Sinuswellengenerator spielen wird, befinden sich mit dem Trompeter Axel Dörner und dem Schlagzeuger Martin Brandlmayr auch zwei Instrumentalisten der Extraklasse in dem neuen Quartett von Otomo Yoshihide. Mit Überraschungen ist also zu rechnen bei dieser Live-Übertragung aus dem Kleinen Turnsaal der Realschule in Donaueschingen.


Sonntag, 16. Oktober
Jazz nach dem Hörspiel entfällt

Dienstag, 18. Oktober, 23.00 – 24.00 Uhr
NOWJazz entfällt 
Mittwoch, 19. Oktober, 23.00 – 24.00 Uhr
Jazztime: Der Normbrecher
Lester Young und die Schar seiner Epigonen 
Von Bert Noglik 

Der Tenorsaxophonist Lester Young brach mit einer bis dato verbindlichen Norm jazzmusikalischer Praxis: dem improvisatorischen Entlanghangeln an den Akkordstrukturen des jeweiligen Titels. „Pres“, wie er von seinen Freunden genannt wurde, entwickelte seine Kreativität aus der Substanz der Songs. Mit seinem leichten Ton und seinen flexiblen Linien wurde er nicht nur zum wichtigsten Antipoden des extravertierten Coleman Hawkins, sondern auch zum Vorläufer moderner Spielauffassungen bis hin zum Cool Jazz und über diesen hinaus. Schon zu seinen Lebzeiten war Lester Young dutzendfach kopiert worden. Paul Quinichette erwies sich mit seinen Stilanleihen bei „Pres“ kommerziell sogar erfolgreicher als das Original. Seinem Wesen nach bleibt Lester Young jedoch unkopierbar, als Inspirationsquelle ist er für zahlreiche Musiker freilich unumgänglich. 


Freitag, 21. Oktober, 23.00 – 24.00 Uhr
NOWJazz Prisma entfällt


Sonntag, 23. Oktober, 16.56 – 18.00 Uhr (nach dem Hörspiel) 
Die 30-er Jahre: Benny Carter & Coleman Hawkins in Europa
Von Werner Wunderlich

Europa übte offenbar schon früh eine große Anziehungskraft auf amerikanische Jazzmusiker aus. Unter anderem gastierte die „Original Dixieland Jazz Band“ 1919 in England, Sam Wooding war einer der Gäste in den 20-er Jahren, 1931 kam Louis Armstrong, 1933 Duke Ellington nach Europa. Einige Musiker entschlossen sich, nicht nur kurze Gastspiele diesseits des Ozeans zu geben, sondern für längere Zeit „good old Europe“ zur zweiten Heimat zu machen – nicht zuletzt, weil es hier kaum Rassenvorurteile und somit die besseren Auftrittsmöglichkeiten gab. Die Saxophonisten Benny Carter und Coleman Hawkins waren in der zweiten Hälfte der 30-er Jahre solche „Expatriates“ und halfen dem europäischen Jazz kräftig auf die Sprünge. Sie spielten mit einheimischen Musikern und machten Plattenaufnahmen in England, Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden.


Dienstag, 25. Oktober, 23.00 – 24.00 Uhr
NOWJazz: „Radiance“
Keith Jarrett auf neuen Solowegen 
Von Harry Lachner 

Seit seinem Verkaufs-Hit „Köln Concert“ mit Kuscheleffekt und dem stilistisch ambitioniert weitausgreifenden 3-LP-Set „Bremen, Lausanne“ hat der amerikanische Pianist Keith Jarrett in seinen Solo-Produktionen an die Extreme gerührt: zwischen sentimental melodischer Weichzeichnung und freiexpressivem Spiel. Seit den 80-er Jahren bettet er den Improvisationsstrom immer wieder ein in die Form der Standards, eingespielt im hinlänglich bekannten Trio-Format, zumeist mit dem Bassisten Gary Peacock und dem Drummer JackDeJohnette. Mit dem in Japan aufgenommenen Doppel-Album „Radiance“ versucht Jarrett nun, dem Diktat der Melodiesuche, die sonst sein improvisiertes Spiel prägte, solistisch zu entfliehen. Es wird zu prüfen sein, inwieweit er sich damit auf einem Terrain behaupten kann, das bislang so souverän von Pianisten wie Cecil Taylor besetzt war.



Mittwoch, 26. Oktober, 23.00 – 24.00 Uhr
Jazztime: „Swinging Paris“
Eine neue CD-Edition mit „Jazz in Paris“ von 1917 bis 1959
Von Thomas Loewner 

Paris wird gern als die heimliche Hauptstadt des Jazz bezeichnet, und das aus gutem Grund: Bereits in den 50-er Jahren kamen zahlreiche amerikanische (und meist farbige) Musiker in die Seine-Metropole. Viele von ihnen blieben für längere Zeit dort hängen, weil Paris ein weitaus besseres Arbeitsklima bot als jede amerikanische Stadt. Die Wanderbewegung war sehr effektiv: Bereits während der Frühphase dieser Emigrationswelle entstanden Aufnahmen, die schnell Klassikerstatus erlangt hatten. Darunter Soundtracks wie Miles Davis „L’Ascenseur pour l’Èchafaud“ oder Art Blakeys „Liaisons dangereuses“. Viele weitere Aufnahmen folgten, denn bis heute ist Paris sehr begehrt. Die Sendung gibt einen Überblick über wichtige Aufnahmen von den Anfängen bis hin zu Alben der letzten Zeit.


Donnerstag, 27. Oktober, 19.05 – 20.15 Uh
SWR Jazz Session
Nils Petter Molvaer beim „Zeltival“ in Karlsruhe
Am Mikrophon: Reinhard Kager 

Der norwegische Trompeter Nils Petter Molvaer wird in jüngster Zeit immer wieder als Nachfolger des „Electric Miles“ gehandelt. Das mag zwar eine Übertreibung sein, doch dominiert die Musik Molvaers in der Tat jener Hang zu zeitgenössischen elektronischen und rhythmischen Elementen, der auch die Phase des „Electric Jazz“ von Miles Davis gekennzeichnet hatte. Beim alljährlichen „Zeltival“ in Karlsruhe war der Trompeter mit seinem norwegischen Quintett zu Gast, dem neben dem Gitarristen Eivind Aarset und dem Drummer Rune Anderson auch zwei Elektronik-Musiker angehören: DJ Strangfruit an den Turntables und Jan Bang am Computer-Sampler. Dementsprechend war ein hipper Mix aus Jazz, Rock, Ambient und House von Molvaers Quintett zu hören, das überwiegend Stücke von seiner jüngsten CD „Streamer“ spielte.


Freitag, 28. Oktober, 23.00 – 24.00 Uhr 
NOWJazz: Session
Ken Vandermark’s „Territory Band 4“ bei den Donaueschinger Musiktagen 2005
Am Mikrophon: Reinhard Kager

Der aus Chicago stammende Saxophonist Ken Vandermark zählt zu den interessantesten frei improvisierenden Musikern seiner Generation. Ob in „The Vandermark 5“, ob in der großen, zwölfköpfigen „Territory Band“ oder in Formationen wie Peter Brötzmanns „Chicago Tentet“, immer wieder sorgt der mit einem kraftvollen, eloquenten Ton phrasierende Saxophonist und Klarinettist für ganz eigenständige Akzente. Für die Donaueschinger Musiktage 2005, wo er am 15. Oktober in der Großen Sporthalle der Gewerblichen Schulen auftritt, hat Vandermark ein ganz neues Projekt vorbereitet, das in den Tagen vor dem Konzert im Studio 1 des SWR in Baden-Baden geprobt wird. Erneut integriert diese „Territory Band 4“ auch einen Elektronik-Musiker, Lasse Marhaug, der kreativ mit den Sounds der Instrumentalisten spielt. Darunter befinden sich so hochkarätige Musiker wie der Posaunist Johannes Bauer, der Trompeter Axel Dörner, der Cellist Fred Lonberg-Holm, der Bassist Kent Kessler und der Drummer Paul Lytton. Ein Jazz-Event der Extraklasse scheint nach Vandermarks beeindruckendem Auftritt beim Berliner JazzFest 2002 programmiert.


Sonntag, 30. Oktober 
Jazz nach dem Hörspiel: Zeit steht noch nicht fest
Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem Internet: www.swr2.de/jazz

 

 

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