SWR 2 - Jazzprogramm August 2014
11.07.2014 09:25 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Juli 2014
Freitag, 1. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Neues aus dem Caféhaus Jazz und Wiener Lied
Von Nina Polaschegg
Besuch eines Konzerts der Philharmoniker im Musikverein, am nächsten Tag stehen der Stephansdom und Schloss Schönbrunn auf dem Programm, gefolgt von einem Heurigenbesuch mit Wienerlieddarbietung – so könnte der Flyer eines Kurztrippangebotes nach Wien lauten. Doch das Wienerlied ist nicht zur Tourismusaktion geronnene Historie, sondern immer noch äußerst lebendig. Mit ihm wird auch das gepflegt, was Wien immer schon auszeichnet: Multikulturalität! So finden sich Wienerlied-Musiker, die mit Kollegen aus dem Balkan zusammenarbeiten und solche, deren zweite Heimat der Jazz ist. Verankert im Jazz wie in der Wienerliedszene sind Musiker wie Hannes Löschel, Oskar Aichinger, Max Nagl oder das Kollegium Kalksburg. Allesamt sind sie Musiker, die sich der Melange von Volksmusik ihrer Heimat und Jazz mal ernsthaft, mal ironisch widmen.
Samstag, 2. August, 9.05-10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Jazz across the border
Von Günther Huesmann
Die letzten Jahre haben gezeigt: Das Stildelta des Jazz ist immer breiter und tiefer geworden. Längst sind es nicht mehr nur Improvisatoren aus dem Mutterland des Jazz, den USA, sind es nicht mehr Musiker nur aus Europa, welche die improvisierte Musik prägen. Zunehmend spielen auch Improvisatoren aus Lateinamerika, Asien und Afrika eine wichtige Rolle. Welche musikalischen Antworten geben sie? Wie sehen ihre Beiträge aus? Ein Blick weit über die Tellerränder der Gattungen und Stile hinweg.
Sonntag, 3. August, nach dem Hörspiel
Zeit stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest
Montag, 4. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Zwischen Orient und Okzident
Das Oliver Strauch Trio „Duende“ in Saarbrücken
Von Peter Kleiß
Oliver Strauch verkörpert in idealer Weise den Typus des emanzipierten Schlagzeugers. Waren Drummer, die eine Band leiten, komponieren und arrangieren konnten, noch bis vor wenigen Jahren eher die Ausnahme, so findet man – vorausgesetzt man sucht ein wenig – heute gottseidank einige dieser Großen des Schlagzeugs. In allen seinen Formationen ist Oliver Strauch das Herz, der Motor und zugleich auch derjenige, der die kreativen Impulse gibt. In seinem Trio „Duende“ wird darüber hinaus deutlich, wie sehr er die beiden Mitmusiker in ihren jeweiligen Eigenarten anerkennt, fördert und ihren Ideen Strukturen gibt, die einen besonnenen Austausch, eine fruchtbare Kommunikation ermöglichen. Pianist Murat Öztürk, bringt mit seiner türkisch-französischen Herkunft ganz besondere Ausdrucksformen in den Sound des Trios ein und Bassist Jens Loh schafft mit seinem sonoren Sound, Räume und Landschaften von großem Groove. Im aktuellen „Duende“-Projekt weckt das Trio Assoziationen, die uns in die Welten von Orient und Okzident entführen.
Dienstag, 5. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Transformation der Energie ins Orchestrale
Das „Fire! Orchestra“
Von Bert Noglik
Allein das Trio „Fire!“ erregt Aufsehen und verbreitet Aufruhr. "Fire!", der Zusammenschluss des Saxofonisten Mats Gustafsson mit dem Bassisten Johan Berthling und dem Schlagzeuger Andreas Werliin führt die Tradition der hochenergetischen Free-Jazz-Trios in die Gegenwart. Das "Fire! Orchestra", das 28 Musiker und Musikerinnen der schwedischen Experimentalmusik-Szenen vereint, geht noch einen Schritt weiter, indem es die individuellen Beiträge nicht nur summiert, sondern ins Orchestrale transformiert und potenziert. Jazz, improvisierte Musik, Rockgesten und Punkattitüden werden neu zusammengemischt, dynamisch inszeniert und durchzogen von den Stimmen der Sängerinnen Mariam Wallentin und Sofia Jernberg.
Miitwoch, 6. August, 23.30 – 24.00 Uhr
New On Board: Aktuelle Jazzalben
Von Ssirus W. Pakzad
"File Under Jazz" - mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den CD-Verkaufs-Regalen. Was dann dort tatsächlich alles unter "Jazz" einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentieren deshalb die ModeratorInnen von "New On Board" die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 7. August, 23.30 – 24.00 Uhr
The Good Feeling
Der amerikanische Bassist, Komponist und Bandleader
Christian McBride
Von Jörg Heyd
Christian McBride ist Bassist, Pädagoge, Arrangeur und Komponist - und seit einiger Zeit tritt er dazu auch immer mehr als Band-Leader vom Duo bis zur Big Band in Erscheinung. Ein fast zwangsläufiger Schritt, denn hier kann der Bassist aus Philadelphia all seine Facetten einbringen. "People Music" heißt die aktuelle CD seines Quintetts, "The Good Feeling" lautete der programmatische Titel von Christian McBrides (erstem) Big Band-Album, das 2011 auf den Markt kam. Was er mit dem "guten Gefühl" meint, spürt man schnell, denn der berühmte Funke springt bei seiner Musik binnen kürzester Zeit über. Christian McBride hat als versierter Komponist ein Händchen für die feinen Nuancen: Kernige Einwürfe und sanfte Passagen führen stets zu spannenden Sequenzen. McBride gelingt es spielend, das breite Klangspektrum seiner unterschiedlichen Formationen voll auszureizen.
Freitag, 8. August, 23.30 – 24.00 Uhr
„Wer hat’s erfunda?“
Spuren jüdischer Komponisten und Texter im Great American Songbook
Von Henry Altmann
Jazz gilt gemeinhin als genuin afro-amerikanischen Ursprungs. In Wirklichkeit ist er aber genauso stark europäisch und hier besonders jüdisch geprägt. So basiert das "Great American Songbook", jene Sammlung aus Liedern, Musical- und Filmsongs, welche die Repertoire-Grundlage des klassischen Jazz bildet, zu einem großen Teil auf Kompositionen jüdischer Einwanderer wie Irving Berlin (Israel Isidore Beilin), Kurt Weill oder Sigmund Romberg. Die Kinder der ersten Immigrantengenerationen wiederum wuchsen mit den Traditionen und Kulturen ihrer Familien auf; und assimilierten doch schnell den "American Way of Life". Als Resultat dessen schufen sie den "American Song", der sich als eigenständiges Genre bewusst vom europäischen Vorbild löste. George Gershwin (Jacob Gershovitz) schrieb einige der "All Time Hits" des Jazz, der Rabbi-Sohn Harold Arlen (Hyman Arluck) verwebte Blues und jüdische Musik, Jerome Kern und Oscar Hammerstein II waren zeitweise das erfolgreichste Autorengespann des Broadway.
Sonntag, 10. August, 19.17 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel) "Sea of Tranquility" - das Maria Schneider Orchestra
Von Gerd Filtgen
Schon bevor Maria Schneider in den 1990er Jahren mit eigenem Orchester in den New Yorker Jazz-Clubs avancierte, war die aus Minnesota stammende Pianistin berühmt. Mehrere Jahre lang war sie Assistentin von Gil Evans, dem wegweisenden Sound-Architekten der Großformationen, dessen Arbeitsweise sie genauso verinnerlicht hat wie ergänzende Studien bei anderen Arrangeuren. Auf ihren eigenen Platten glänzt sie mit hochoriginellen zeitgenössischen Big Band Konzeptionen, in denen Echos aus der Musik berühmter Vorgänger, wie Gil Evans und Duke Ellington, nachhallen. In jeder Komposition von Maria Schneider schwingt die überbordende Fantasie einer Künstlerin mit, die sich von der Schönheit orchestraler Klangfarben und Melodien leiten lässt.
Montag, 11. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Überraschungs-Box
Der Akkordeonist Vincent Peirani und die Band „Living Being Extended“ beim SWR NEWJazz Meeting
Von Günther Huesmann
Musikalische Begegnungen ermöglichen, die unter herkömmlichen Bedingungen nur schwer zu realisieren sind, das ist das Ziel des legendären NEWJazz Meeting (gegründet 1966 von Joachim-Ernst Berendt). In der 2013er Ausgabe dieses traditionsreichen Jazzlabors des Südwestrundfunks erfüllte sich der Shooting Star der jungen französischen Szene, der Akkordeonist Vincent Peirani, einen Herzenswunsch. Mit einem Ensemble, das es in dieser Form zuvor noch nicht gegeben hat, dem Septett "Living Being Extended", erarbeitete er in den Studios des SWR ein Konzert-Programm, das er in umjubelten Auftritten in Karlsruhe, Tübingen und Mainz präsentierte. Auf Peiranis persönlichen Wunsch hin traf er erstmals auf eine Lichtgestalt des aktuellen Nordic Jazz, auf den norwegischen Trompeter Mathias Eick, und auf die französische Ausnahmesängerin Leila Martial. Die junge französische Szene und ein Star des skandinavischen Jazz im multistilistischen Dialog.
Dienstag, 12. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Klare Kante zeigen
Der isländische Gitarrist Hilmar Jensson
Von Thomas Loewner
Wollte man einen Soundtrack für einen Naturfilm über Island zusammenstellen, man käme nicht um Hilmar Jensson herum. Die Musik des in Reykjavík geborenen Gitarristen klingt so schroff und kantig, dass sie unweigerlich Assoziationen an die karge und bizarre Landschaft der Vulkaninsel weckt. Das für ihn passende musikalische Umfeld hat Jensson allerdings zunächst außerhalb seiner Heimat gefunden: Nach einem Studium am Berklee College of Music in Boston ging er nach New York, wo er seitdem zahlreiche Gleichgesinnte gefunden hat. Darunter die Saxofonisten Andrew D'Angelo und Tim Berne, Bassist Trevor Dunn oder Schlagzeuger Jim Black. In den letzten Jahren hat Jensson seinen Aktionsradius allerdings immer mehr erweitert. So ist er Mitbegründer der isländischen Künstlerorganisation "Kitchen Motors" und arbeitet mit Musikern aus Norwegen zusammen.
Mittwoch, 13. August, 23.30 – 24.00 Uhr
New On Board: Aktuelle Jazzalben
Von Wolf Kampmann
"File Under Jazz" - mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den CD-Verkaufs-Regalen. Was dann dort tatsächlich alles unter "Jazz" einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentieren deshalb die ModeratorInnen von "New On Board" die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 14. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Ewigkeitsverdächtig
Die Duo-Aufnahmen des Pianisten Bill Evans mit dem
Gitarristen Jim Hall
Von Roland Spiegel
Die große Intensität des Zarten: So könnte man diese Musik betiteln. Gemeint sind die Töne eines einzigartigen Duos, das leise Klassiker schuf. Der Pianist Bill Evans, der von 1929 bis 1980 lebte, und der Gitarrist Jim Hall, der 1930 geboren wurde und vor kurzem, im Dezember 2013, starb, nahmen zwei Alben miteinander auf: "Undercurrent" von 1962 und "Intermodulation" von 1966. Sie waren Brüder im Geiste: Evans, der große Kammermusiker an den Tasten und Meister einer schillernden Harmonik, die dem Jazz vieldeutige neue Farben verlieh; und Hall, der nicht umsonst immer wieder als der leiseste Gitarrist der Welt bezeichnet wurde - und der den Verstärker, wie er sagte, nutzte, um sanfter zu klingen. Geistblitzende musikalische Zwiegespräche führten sie - und ließen dabei dennoch Stücken wie "My Funny Valentine" und "I Hear a Rhapsody" ganz viel Raum zum Atmen. Ihre feine Kunst des Duo-Spiels kann noch heute als Maßstab gelten für das, was musikalische Kommunikation sein kann. Eindeutig ewigkeitsverdächtig, dieser Jazz.
Freitag, 15. August, 23.30 – 24.00 Uhr
In Vierteltönen um die Welt
Der Trompeter Ibrahim Maalouf mit der hr-Bigband beim Jazzfestival Frankfurt
Von Daniella Baumeister
Immer wieder hat die hr-Bigband weltmusikalische Ausflüge unternommen. Beim 44. Deutschen Jazzfestival Frankfurt im letzten Jahr kam der französisch-libanesische Trompeter Ibrahim Maalouf nach Frankfurt. Miles Davis trifft auf die arabische Seite des Jazz, so könnte man die Kunst von Maalouf auf eine Formel bringen, es wurde ein arabischer Abend im Jazz. Maalouf ist in Beirut geboren, in Paris aufgewachsen, er hat klassische und arabische Trompete gelernt, für die Zwischentöne spielt er eine eigens für ihn konstruierte Vierteltontrompete, mit ihr geht er seit einigen Jahren auch auf Jazzexkursionen. Maalouf hat seinen eigenen Sound entwickelt, Bigband Chef Jim McNeely hat fürs Festival arabische Klänge mit Jazz Ästhetik im großen Format zusammen gebracht und daraus einen wieder ganz neuen Sound geschaffen.
Montag, 18. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Atmosphärisch dicht
Das Duo Myra Melford und Ben Goldberg in Leer
Von Arne Schumacher
Gemeinsame Sache haben die beiden schon häufiger gemacht: die Pianistin Myra Melford und der Klarinettist Ben Goldberg aus den USA. Beide verstehen sich gleichermaßen auf intensive Band-Unternehmungen wie auf intime kammermusikalische Begegnungen. Für ihr erstes Duo-Unternehmen steuerten Melford und Goldberg zu gleichen Teilen Kompositionen bei. Daraus entwickelte sich ein erstaunlich homogenes Programm, in dem die wohl gesetzten lyrischen Momente ebenso ihren Platz haben wie forcierte Improvisationsausflüge. Der Konzertmitschnitt dokumentiert einen stimmungsvollen, atmosphärisch dichten Auftritt unter dem Dach eines alten Speichers im ostfriesischen Leer, seit Jahren ein Austragungsort für spannende Jazz-Abende.
Dienstag, 19. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Distored Reality Mixes
Neues aus der Sound-Werkstatt des hr-Jazzensembles
Von Guenter Hottmann
Im Sound-Laboratorium vom hr-Jazzensemble (hrJE) werden immer wieder neue Klangfarben entworfen. Nicht das Gängige, nicht das in klanglicher und harmonischer Hinsicht Erwartbare liegt im Kalkül dieses schon weit über 50 Jahre werkelnden Experimentierzirkels, der noch heute (9 Jahre nach dem Tod von Albert Mangelsdorff) alle zwei Monate im Studio II des Hessischen Rundfunks zu seinen Produktionssitzungen zusammenkommt. Der Einsatz von Elektronik ist heute allgegenwärtig. Aber diese Form der musikalischen Fährten-Suche kommt im hr-Jazzensemble schon seit 3 Jahrzehnten zum Einsatz - damals sprach man freilich noch von "Bandschleifen", zu denen improvisiert wurde. Heute versucht das hrJE dem Digitalen das "Unerhörte" abzuringen.
Mittwoch, 20. August, 23.30 – 24.00 Uhr
New On Board: Aktuelle Jazzalben
Von Karsten Mützelfeldt
"File Under Jazz" - mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den CD-Verkaufs-Regalen. Was dann dort tatsächlich alles unter "Jazz" einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentieren deshalb die ModeratorInnen von "New On Board" die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 21. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Altes Ausloten, Neues Erkunden
Dave Douglas und die NDR Bigband auf der Jazz Baltica
Von Henry Altmann
Ist Musik per se politisch? Manche sagen: "Ja", manche: "Nein". Seit den 1960er-Jahren haben Jazzmusiker wie Max Roch mit seiner "Freedom Now Suite" oder Charles Mingus mit "Fables of Faubus" immer wieder musikalisch auf die gesellschaftspolitische Situation in den USA reagiert. Das tat auch 2008 der Trompeter Dave Douglas beim Festival "Jazz Baltica" mit seiner Suite "Letters from America", die er gemeinsam mit Stargästen wie Joe Lovano, Simon Nabatov, James Genus, Clarence Penn und der NDR Bigband präsentierte. In "Letters from America" versucht Douglas die musikalische Zustandsbeschreibung eines ebenso hoffnungsvollen wie politisch zerrissenen Landes, wobei ihm Duke Ellington, Charles Mingus, Igor Strawinsky, John Coltrane und Stevie Wonder als Vorbilder dienten. In seinem Oeuvre ergründet und erweitert der renommierte Jazztrompeter alten Blues ebenso wie Brassband-Sounds oder Klezmer-Musik und baut sein musikalisches Spektrum beständig aus.
Freitag, 22. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Quercus
Britischer Folk aus der Jazzperspektive mit dem Trio June Tabor/Huw Warren/Iain Ballamy
Von Harald Mönkedieck
"Quercus" - das lateinische Wort für einen besonders langlebigen Baum, die Eiche, gibt dem britischen Trio Tabor / Warren / Ballamy den Namen. Er ist ein Sinnbild für die intensive Beziehung, die Sängerin June Tabor seit vielen Jahren mit dem Repertoire der britischen Folk-Tradition pflegt. Wobei ihre Musik sich nicht auf dieses Kernrepertoire einengen lässt. Die stets textorientierte Sängerin holt sich Inspiration für ihre Songs auch aus anderen Bereichen - inklusive Bossa und Jazz. Für das aktuelle Trioprojekt mit ihrem langjährigen Pianisten, dem walisischen Jazz-Freigeist Huw Warren, sowie dem ausgewiesenen Improvisator Iain Ballamy, Saxofon, wählte Tabor auch Standards oder Songs aus der Feder von Antonio Carlos Jobim. In der Verzahnung von Arrangement und Improvisation verklanglicht das Trio Folk-Balladen aus fernen Jahrhunderten völlig neu. Mit ihrer dunklen Stimme gelingt es Tabor, dem uralten britischen Folk-Repertoire Frische und Lebendigkeit zu geben. Dabei verstärken die beiden renommierten Jazz-Instrumentalisten äußerst konzentriert den Ansatz mit feinsinnigem Spiel.
Montag, 25. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Das gewisse Etwas
Das Trio „The Bad Plus“ in München
Von Ulrich Habersetzer
Rund 160 Konzerte im Jahr, seit dem Jahr 2000 ununterbrochene Zusammenarbeit - nicht nur durch ihren unverkennbaren Bandsound gehören "The Bad Plus" zu den führenden Klavier-Trios. Pianist Ethan Iverson, Bassist Reid Anderson und Schlagzeuger Dave King bilden eine der bekanntesten festen Formationen des Jazz. Stars wie Saxofonist Joshua Redman oder Gitarrist Bill Frisell dürfen als Gäste manchmal die Gruppendynamik der drei spüren, es gibt auch eine Kooperation mit der hr-Bigband, aber meist bleibt "The Bad Plus" unter sich. Nach etlichen Adaptionen bekannter Pop- und Rockstücke von "Nirvana", "ABBA", "Pink Floyd" oder "Queen" widmete sich die Band vor einiger Zeit Igor Strawinskys "Le sacre du printemps" und brachte eine Interpretation dieses Werkes auf CD heraus, gespielt nur mit Schlagzeug, Bass und Klavier. Am 9. April 2014 war "The Bad Plus" im Münchner Jazzclub "Unterfahrt" zu Gast und hier erklangen nur Eigenkompositionen der drei Individualisten. In dieser Ausgabe des ARD Radiofestival. Jazz gibt es Höhepunkte aus dem umjubelten Konzert.
Dienstag, 26. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Spielst Du noch oder experimentierst Du schon?
Die „Society of New Music and intermedia Art“ Fylkingen in Stockholm
Von Nina Polaschegg
Veranstaltungsort, Netzwerk, Künstlergemeinschaft: Gegründet wurde Fylkingen in den 1930er-Jahren als "Selbsthilfegruppe" Komponierender jenseits des Mainstreams, die kaum eine Möglichkeit hatten, im offiziellen Konzert- und Musikleben Fuß zu fassen. Inzwischen ist Fylkingen gewachsen. Es ist ein Ort des Austausches geworden, Heimstatt und Veranstaltungsort für neue und experimentelle Musik, Performance, Videokunst, Soundart und Tanz. Es finden Konzerte und weitere Veranstaltungen statt, mit einem gemischten Programm aus nationalen wie internationalen KünstlerInnen. Fylkingen betreibt auch ein Label, ein umfassendes Buch zur Geschichte des Netzwerks ist in Arbeit - es wird auf Englisch erscheinen. Ein Einblick in die vielfältige Klangwelt der experimentellen Musik Stockholms.
Mittwoch, 27. August, 23.30 – 24.00 Uhr
New On Board: Aktuelle Jazzalben
Von Thomas Mau
"File Under Jazz" - mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den CD-Verkaufs-Regalen. Was dann dort tatsächlich alles unter "Jazz" einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentieren deshalb die ModeratorInnen von "New On Board" die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnertag, 28. August, 23.30 – 24.00 Uhr
My Songbook
Die Sängerin Dianne Reeves und die WDR Big Band Köln
Von Jörg Heyd
Dianne Reeves ist eine "Grande Dame" des Jazz, betörend im Stimmtimbre, mitreißend in der Musikalität, faszinierend in der Ausstrahlung. Seit die Sängerin aus Denver (Colorado) Anfang der 1980er-Jahre mit Harry Belafonte über den ganzen Erdball tourte, ist ihr der Erfolg treu geblieben. Dianne Reeves hat mehrere Alben beim Traditionslabel „Blue Note“ veröffentlicht und bisher vier Grammys gewonnen - davon drei in aufeinander folgenden Jahren, was keiner Sängerin zuvor gelungen war. Musikalisch wurde Dianne Reeves vor allem durch Sarah Vaughan geprägt; heute gilt sie selbst als legitime Erbin der großen Kollegin, der sie 2002 ein bewegendes Album widmete. Bereits 1994 war Dianne Reeves bei der WDR Big Band zu Gast; sie wirkte damals beim großen Projekt "The World Of Duke Ellington" mit, das auch auf CD veröffentlicht wurde. Die aktuelle Zusammenarbeit, bei der Reeves eine Auswahl ihrer persönlichen Lieblingssongs präsentierte, wurde von Michael Abene als Arrangeur und Dirigent betreut.
Freitag, 29. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Kuba. Clave. Klavier
Kubanische Jazzpianisten
Von Sarah Seidel
Gonzalo Rubalcaba, Omar Sosa und Marialy Pacheco: Sie alle haben mit einer Ausbildung am Klavier in Havanna auf Kuba ihre Karrieren begonnen, um dann mit ihrer ganz unterschiedlich ausgeprägten Musik die Welt zu erobern. Rubalcaba lebt inzwischen in Florida, Sosa in Barcelona, Pacheco in Dortmund. Zwei Musiker und eine Musikerin mit drei sehr unterschiedlichen Lebensläufen - sie eint die Heimat im Herzen und in den Fingern. Im musikalischen Sinne verbinden sie den Latin Jazz und die afrokubanischen Rhythmen mit dem nordamerikanischen Jazz, mit Elementen der Klassik und allem, was ihnen auf ihrem Weg durch die moderne Musikwelt begegnet ist: Soul, Funk und Hip-Hop. Das Format, auf das Rubalcaba, Sosa und Pacheco immer wieder gerne zurückkommen, ist das klassische akustische Piano-Trio. Ein Format, in dem sich auch die abwegigsten musikalischen Ideen erfüllen lassen. Ein großer Kosmos, der sich da auftut: Kuba, der Puls des Clave-Beats und das Klavier.
Anmerkung zum Sommer-Programm
Vom 19. Juli bis zum 13. September findet wieder das ARD Radiofestival statt. Am Abend (20.05 – 24.00 Uhr) erwartet Sie dann ein gemeinsam von den Kulturwellen der ARD gestaltetes Programm. Aus diesem Grund entfallen alle SWR2-Jazzformate, die üblicherweise in dieser Zeit zu hören sind. Stattdessen gibt es werktags von 23.30 – 24.00 Uhr eine vom SWR organisierte Jazz-Sendung mit Beiträgen von allen ARD-Jazzredaktionen.
| Mehr Infos im Netz unter www.swr2.de/jazz



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