SWR 2 Jazzprogramm im August 2013
23.07.2013 00:34 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
August 2013
Donnerstag, 1. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Son Of A Preacher Man Der Saxophonist Ravi Coltrane
Von Ulrich Habersetzer
Was für ein Erbe: Sohn eines der wichtigsten Saxophonisten der
Jazzgeschichte und selbst Saxophonist. In dieser Ausgabe des ARD
Radiofestival Jazz spricht Ravi Coltrane über seine eigene
Musik, aber auch die seines Vaters John Coltrane, und über den
wichtigen Einfluss seiner Mutter, der Pianistin Alice Coltrane.
Als Ravi zwei Jahre alt war, starb sein Vater an Leberkrebs. Er
hat, wie er heute sagt, keine richtige Erinnerung an ihn, aber
John Coltranes Musik ist für den 47jährigen Quelle und Antrieb,
wie für viele andere Jazzer auch. Der Einfluss ist spürbar, aber
Ravi Coltrane trägt dieses Erbe auf seine eigene Art weiter und
die musikalische Wucht und Strahlkraft seines Vaters scheinen
ihn nicht zu erdrücken. Ravi Coltranes Musik steht für sich und
ist für sich erfolgreich. So wurde er dieses Jahr für den Grammy
in der Kategorie „Best Improvised Jazz Solo“ nominiert. Das
Portrait eines selbstständigen Musikers, der frei zu sein
scheint von dem Druck, in übergroße Fußstapfen steigen zu
müssen.
Freitag, 2. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Spontane Begegnung
Oregon und der Pianist Paul Bley 1974 in der Stuttgarter
Liederhalle
Von Harry Lachner
Bis in die 80er Jahre hinein war das amerikanische Quartett
Oregon eines der innovativsten Ensembles, die sich um das
bemühten, was man gern pauschalisierend "Weltmusik" nennt. Ein
Etikett, das ihrer Musik nicht im Geringsten gerecht wird. Denn
Oregon gaben sich nicht mit einer oberflächlichen, exotischen
Note zufrieden, sondern versuchten, Elemente der - vor allem -
indischen Musik mit dem Prinzip der jazzgeschulten Improvisation
zueinander in Beziehung zu setzen. Keine handelsübliche
"Synthese" suchten die vier Musiker, sondern eine reibungs- und
auch widerspruchsvolle Gegenüberstellung von Elementen aus
verschiedenen Kulturen. Ihr Konzert in der Stuttgarter
Liederhalle 1974 wurde zunächst von einem Solo-Auftritt des
Pianisten Paul Bley eröffnet. Gegen Ende des Oregon-Auftritts
schloss er sich dann dem Quartett an - und führte auf dezent
aufregende Weise vor, wie sich ganz unterschiedliche
Musizierhaltungen miteinander vereinbaren lassen. Eine
Sternstunde der Improvisation und des Einfühlungsver-mögens.
Samstag, 3. August, 9.05 – 10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Jazz across the border (8)
Von Günther Huesmann
Die letzten Jahre haben gezeigt: Das Stildelta des Jazz ist
immer breiter und tiefer geworden. Längst sind es nicht mehr nur
Improvisatoren aus dem Mutterland des Jazz, den USA, sind es
nicht mehr Musiker nur aus Europa, welche die improvisierte
Musik prägen. Zunehmend spielen auch Improvisatoren aus
Lateinamerika, Asien und Afrika eine wichtige Rolle. Welche
musikali-schen Antworten geben sie? Wie sehen ihre Beiträge aus?
Ein Blick weit über die Tellerränder der Gattungen und Stile
hinweg.
Montag, 5. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Know What I Mean?
Die WDR Big Band Köln, Dick Oatts und Terell Stafford mit einer
Hommage an Cannonball Adderley
Von Jörg Heyd
Sein Name war Programm – in jeder Hinsicht. In der Jazzwelt der
1950er Jahre schlug Julian „Cannonball“ Adderley wie eine
Kanonenkugel ein. Mit seinem übersprudelnd vitalen Spiel fand
der gewichtige Altsaxophonist aus Florida stets den direkten
Kontakt zum Publikum. 1957 holte ihn Miles Davis in sein
Sextett, wo sich Adderley an der Seite von John Coltrane und
Bill Evans in legendären Alben wie „Kind of Blue“ verewigte. Zu
Ehren dieses einzigartigen Künstlers hat Michael Abene
Kompositionen aus seinem Repertoire neu arrangiert. Mit dem
Altsaxophonisten Dick Oatts war ein wichtiger Künstler der New
Yorker Jazzszene zu Gast, in dessen Spiel Cannonballs Tradition
unverkennbar weiterlebt. Als höchst kultivierter Stilist wird
auch der Trompeter Terell Stafford gefeiert, der mit Oatts im „Village
Vanguard Orchestra“ spielt. Peter Erskine, einer der weltbesten
Schlagzeuger, ist der WDR Big Band seit langem verbunden – er
war schon bei der ersten mit einem Grammy prämierten Produktion
2006 dabei. Im ARD Radiofestival senden wir Aufnahmen vom
September 2012.
Dienstag, 6. August, 23.30 -24.00 Uhr
Finn Noire
Die düster-skurrilen Klangwelten des Gitarristen Kalle Kalima
on Bert Noglik
Kalle Kalima, ein Finne in Berlin, begibt sich auf
Verfolgungsjagden an den Rändern von Rock, Jazz und Noise. Im
Trio mit dem Bassisten Oliver Potratz und dem Schlagzeuger
Oliver Steidle entwirft der Gitarrist schaurig-schöne
Soundscapes, die viel Raum für die Phantasie lassen – imaginäre
Klangspuren für den finnischen Film Noir. Nachdem sich Kalle
Kalima mit seiner Band K-18 bereits von den Kinowelten eines
Stanley Kubrick und eines David Lynch inspirieren ließ, taucht
er mit dem Trio „Klima Kalima“ ein in die düster-skurrile
Atmosphäre der Filme von Aki Kaurismäki, Matti Kassila und Mikko
Niskanen. Was entsteht, sind Tagträume, angefüllt mit spannenden
Tonfolgen, eingebettet in Szenen von morbider Tristesse,
aufgemischt mit einem kräftigen Schuss selbstbefreiender Ironie.
Miitwoch, 7. August, 23.30 – 24.00 Uhr
New On Board: Aktuelle Jazz-Alben
Von Daniella Baumeister
„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige
Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit
es nicht zu Missverständnissen kommt in den CD-Verkaufs-Regalen.
Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird,
ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur
stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte
Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer
mittwochs präsentieren deshalb die ModeratorInnen von NEW ON
BOARD die aktuell wirklich wichtigen, spannenden,
bemer-kenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 8. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Hand & Fuß
Jazz und Stepptanz
Von Karsten Mützelfeld
Die Pianistin Geri Allen zählt zur wachsenden Schar von
Instrumentalisten, die eine in Verges-senheit geratene
afro-amerikanische Tradition wiederbeleben und in ihre Musik
integrieren, den Stepptanz. Diese Form „getanzter Perkussion“ –
lautmalerisch tap dance genannt – entstand im 19. Jahrhundert in
den USA, als eine Fusion und Weiterentwicklung aus afrikanischem
Gummi-stiefel-Tanz und irischem step dance. Seine Blüte erlebte
der Stepptanz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: kaum
eine Broadwayshow ohne einen tap dancer, aber auch von Big Bands
wurden sie häufig engagiert. Der Swing-Schlagzeuger Louis
Bellson führte sein Faible für zwei Fußpedale auf seinen
Stepptanzunterricht zurück. Der kanadische Pianist Andy Milne
sagt über ein Duo-Projekt mit einem tap dancer, dies sei „nicht
Tanzmusik, aber Tanz und Musik“. Auch im aktuellen Flamenco-Jazz
findet die Vereinigung beider Ausdrucksformen eine Fortsetzung.
Musik unter anderem von Geri Allen, Andy Milne, Cab Calloway,
Fred Astaire, Charlie Parker, Chano Dominguez und Michel Camilo.
Freitag, 9. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Aus der Sound-Küche des hr-Jazzensembles
Neue Produktionen mit den Gästen Philipp Gerschlauer und
Hans Lüdemann
Von Claus Gnichwitz
Altsaxophonist Philipp Gerschlauer war schon als Solist im
Landes Jugend Jazz Orchester Hessen unüberhörbar. Mittlerweile
hat er mit seinem Quartett „Besaxung“ auf sich aufmerksam
gemacht und ist aus dem hessischen Hinterland nach Berlin
gezogen. Momentan lebt er wäh-rend eines zweijährigen
Studienaufenthalts in New York. Pianist Hans Lüdemann ist ein
alter Bekannter im hr-Jazzensemble. Seine Kreation des
„virtuellen Pianos“, die ihm auf dem Klavier die
Vierteltönigkeit ermöglicht, hat vor einiger Zeit aufhorchen
lassen – mehr als nur ein Allein-stellungsmerkmal dieses
Pianisten, der immer wieder auf der Suche nach neuen Klängen
ist.
Montag, 12. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Serious Fun
Die NDR Big-Band mit Rainer Tempel 2012
Von Henry Altmann
„Sie machen das doch zum Spaß“, sagt der Auftraggeber bei
Gagenverhandlungen gern zum Jazzer. Manch Musiker wiederum nimmt
sein Spiel dermaßen wichtig, dass er zur Dokumenta-tion dessen
bierernst auf der Bühne steht. Da lässt sich doch was draus
machen, dachte sich der Bigband-Komponist, Pianist und VfB-Fan
Rainer Tempel bei einem Bier während einer Zugfahrt. Sein
Programm „Serious Fun“ kreuzt Vergnügen mit Anspruch, liegt dem
Hörer zu Füßen und tanzt ihm auf der Nase herum. Ob Tempel dabei
ein elektrisches Grundrauschen vertont, eigene
Kompositions-Prinzipien aus dem Tempel treibt, erforscht, was
sich aus vier Akkorden machen lässt oder ein Sudoku-Rätsel mit
Arnold Schönbergs 12-Ton-System verbindet – stets kommt dabei
alles andere als Dutzendware und immer interessante Musik
heraus.
Dienstag, 13. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Call It Art
Bislang unveröffentlichte Aufnahmen des New York Art Quartet
von 1964 – 1965
Von Nina Polaschegg
“Passion, energy, lyric, strength” – Leidenschaft, Energie,
Lyrik und Kraft: mit diesen Worten beschrieb John Tchicai 1965
die künstlerische Haltung des von ihm mitbegründeten “New York
Art Quartet”. Und dies galt dem dänischen Saxophonisten und Free
Jazz Pionier der ersten Stunde auch noch 2012. Wenige Monate
nach John Tchicais Tod erschien beim US-amerikanischen Label
Triplepointrecords eine 5LP-Box mit bislang unveröffentlichten
Aufnah-men des legendären Free Jazz Ensembles. Mit dabei:
musikalische Schwergewichte wie Roswell Rudd, Milford Graves,
Reggie Workman, Don Moore, Eddie Gomez, J.C. Moses, Louis
Worell und andere: Instrumentalisten, die zum Kern des Quartetts
zählten und solche, die vorübergehend mitspielten. Und es ist
Musik, die es auch ein halbes Jahrhundert später noch wert ist,
entdeckt zu werden, kursierten bislang doch nur wenige Aufnahmen
dieser Pionierfor-mation.
Mittwoch, 14. August, 23.30 – 24.00 Uhr
New On Board: Aktuelle Jazz-Alben
Von Harry Lachner
„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige
Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit
es nicht zu Missverständnissen kommt in den CD-Verkaufs-Regalen.
Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird,
ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur
stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte
Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer
mittwochs präsentieren deshalb die ModeratorInnen von NEW ON
BOARD die aktuell wirklich wichtigen, spannenden,
bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 15. August, 23.30 – 24.00 Uhr
BAM oder Wem gehört der Jazz?
Eine aktuelle Debatte
Von Sarah Seidel
Angestoßen vom afroamerikanischen Trompeter Nicholas Payton ist
in den USA eine Debatte darüber entbrannt, wie „schwarz“ der
Jazz eigentlich ist und wem er denn nun gehört. Eine Debatte,
die genug Feuer hat, um auch die deutschen Feuilletons zu
beschäftigen und hierzu-lande die Gemüter zu erhitzen. Und das,
obwohl die Diskussion gar nicht neu ist. Das ARD Radiofestival
Jazz fragt Musiker nach der Relevanz und Perspektive dieser
Kontroverse.
Freitag, 16. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Stormy Weather
Inge Brandenburg und das hr-Jazzensemble
Von Jürgen Schwab
Marc Böttchers bewegender Dokumentarfilm „Sing! Inge, Sing!“ und
eine unter gleichem Namen erschienene CD haben das Interesse an
der lange vergessenen Inge Brandenburg erneut geweckt. Die
bisher vielleicht größte deutsche Jazzsängerin, die wegen ihrer
emotionalen Ausdruckskraft wiederholt mit Billie Holiday
verglichen wurde, scheiterte grandios an den gesellschaftlichen
Umständen ihrer Zeit und wohl auch ein bisschen an sich selbst.
Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre lebte Brandenburg in
Frankfurt am Main und machte zahlrei-che Aufnahmen mit dem
hr-Jazzensemble. Die gehören zu ihren besten überhaupt,
schlummern aber seitdem zum größten Teil im Archiv vor sich hin.
Montag, 19. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Spiel uns einen Walzer, John!
Das John Scofield Organic Trio bei der 44. Internationalen
Jazzwoche Burghausen
Von Roland Spiegel
Er ist einer der überragenden Gitarristen des Jazz – und das
nicht erst, seit er in den 1980er Jahren bei Trompetenprinz
Miles Davis spielte: der 1951 in Dayton, Ohio, geborene John
Scofield. Mit seinem Organic Trio trat er dieses Jahr bei der
44. Internationalen Jazzwoche in Burghausen an der Salzach auf,
einem zum Klassiker gewordenen Festival in einem der
malerischsten Winkel Bayerns. Einen hinreißend inspirierten
Auftritt legten Scofield und seine beiden Trio-Partner, Organist
Larry Goldings und Drummer Gregory Hutchinson, dabei hin. Er
gipfelte in einer beseelten Version eines Country-Schlagers von
1946: Der „Tennessee Waltz“ zeigte besonders, dass dieses Trio
nicht nur ungemein raffinierte, sondern auch emotional
außergewöhnlich stark berührende Musik machen kann. Schmankerl
für Gitarren-Freaks am Rande: Scofield spielte hier nicht auf
dem E-Gitarrenmodell, das man von ihm kennt. Auflösung folgt in
der Sendung.
Dienstag, 20. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Urheber und Zeuge
Die Rolle des Improvisators wird untersucht
Von Michael Rüsenberg
Viele Jazzmusiker wissen nach einer ausgedehnten Improvisation
nicht zu sagen, warum sie so und nicht anders gespielt haben.
Das ist kein Ausweis mangelnder Intelligenz, sondern Indiz jenes
„flow“ genannten Zustandes, in welchem Handlungen automatisch
abzulaufen scheinen. Der New Yorker Psychologe Aaron Berkowitz
hat dafür das Bild von der Doppelrolle des Impro-visierenden als
Urheber und Zeuge geschaffen. An der Georgia State University in
Atlanta fand im Frühjahr die Konferenz „The Improvising Brain“
statt. Darin unter anderem ein Experiment vor Publikum: der
Geigenvirtuose Christian Howes, zum ersten Male mit dem Kevin
Bales Trio auf der Bühne, wurde sogleich nach einem Stück mit
dem Notentext des gerade Gespielten konfrontiert. Das Experiment
litt unter technischen Mängeln, erwies sich gleichwohl aber als
lehrreich.
Mittwoch, 21. August, 23.30 – 24.00 Uhr
New On Board: Aktuelle Jazz-Alben
Von Bert Noglik
„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige
Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit
es nicht zu Missverständnissen kommt in den CD-Verkaufs-Regalen.
Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird,
ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur
stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte
Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer
mittwochs präsentieren deshalb die ModeratorInnen von NEW ON
BOARD die aktuell wirklich wichtigen, spannenden,
bemer-kenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 22. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Die Botschafter kommen
Das Dave Brubeck Quartet 1958 in Hannover
Von Michael Laages
An diesem Freitagabend steht Hannover für eine Weile im
Mittelpunkt der deutschen Jazz-Szene. Denn zum ersten Mal
überhaupt reist ein Musiker nach Europa, dessen Aufstieg daheim
in den USA bis dahin schon und auch später ziemlich senkrecht
verläuft: Dave Brubeck, gebo-ren am 6. Dezember 1920 im
kalifornischen Strand-Städtchen Concord. Das amerikanische
Außenministerium hat ihn (wie auch schon Louis Armstrong) als
„Jazz-Botschafter“ auf Weltrei-se geschickt; nach Indien,
Pakistan, Afghanistan und nach Sri Lanka, in den Iran, den Irak
und die Türkei reist Brubecks Quartett. In Europa stehen Polen
und Deutschland auf dem Reiseplan; an diesem 28. Februar des
Jahres 1958 eben auch ein Abstecher nach Hannover. Ein
Übertragungswagen des NDR begleitet diesen „Staatsbesuch“ –
Brubeck ist Botschafter und Lehrer zugleich an diesem Abend: mit
kleinen Einführungen in seine Art des neuen Jazz. Ein
Konzert-Highlight, das in der neuen CD-Reihe des NDR mit
Aufnahmen aus 60 Nachkriegsjah-ren des Jazz in Deutschland
erschienen ist.
Freitag, 23. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Dedications
Günter „Baby“ Sommer im Studio des rbb
Von Ulf Drechsel
Günter „Baby“ reiste im Januar 2013 mit einem Kleintransporter
in Berlin an, um im rbb unzähli-ge kleine und große Trommeln,
Becken, Gongs, Stöckchen, Blechlöffel und andere Küchenge-räte
im Aufnahmesaal zu verteilen. Anlässlich seines 70. Geburtstages
am 25. August 2013 huldigt „Baby" Sommer mit „Dedications“
einigen großen Schlagzeugern der Jazzgeschichte, die im Laufe
der letzten fünf Jahrzehnte auch seinen Stil beeinflusst haben.
Von Warren „Baby“ Dodds, dem Sommer mehr als nur seinen
Spitznamen verdankt, über Max Roach bis zu Sven Åke Johansson
und anderen mehr.
Montag, 26. August, 23.30 – 24.00 Uhr
New York – Saarbrücken – Peking
Der Pianist Michael Reis stellt sein neues Quartett im Studio
Eins
des Saarländischen Rundfunks vor
Von Peter Kleiß
Der Luxemburger Pianist Michel Reis kam gerade aus New York,
zwei Tage später flog er weiter nach Peking. Den Zwischenstopp
nutzte er, um in der Konzertreihe „Jazz live with friends“ sein
neues Quartett vorzustellen. Mit Robert Landfermann am Bass und
Jonas Burgwinkel am Schlagzeug hatte er die Rhythmusgruppe, die
derzeit im jungen europäischen Jazz ton- beziehungsweise
taktangebend ist. Der Saxophonist Stefan Karl Schmid passte mit
seinem schlanken, geraden Ton sehr gut in das klanglich und
rhythmisch sehr dichte und komplexe Spiel des Ensembles. Die
Kompositionen stammten aus der Feder des Pianisten, der in
Lu-xemburg und New York gleichermaßen beheimatet ist. Das
Publikum im Studio eins des Saar-ländischen Rundfunks reagierte
begeistert auf die jungen Klänge des Michel Reis Quartetts.
Dienstag, 27. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Das indische Moment in der Blue Note
Der Pianist Vijay Iyer
Von Sarah Seidel
Mit Preisen wurde der Pianist Vijay Iyer in den vergangenen
Jahren reichlich bedacht, der »Performing Artist Award« der
Doris Duke-Foundation gehört unter anderem dazu, zwei Echos,
außerdem war er 2012 gleich fünffacher Critic-Poll-Gewinner des
amerikanischen Down Beat Magazine. Was macht den
indischstämmigen Amerikaner zu einem so viel beachteten Musiker
der aktuellen Jazz-Szene? Der studierte Physiker und
Mathematiker Vijay Iyer hat sich intensiv mit Jazzgeschichte
auseinandergesetzt und beschäftigt sich seit einiger Zeit auch
ausgiebig mit den Musikkulturen Indiens. Iyer – wie auch sein
guter Freund, der Altsaxophonist Rudresh Mahanthappa – sieht
eine spannende Herausforderung darin, als erste Generation der
„indischen Amerikaner“ die amerikanische Kultur aktiv
mitzugestalten und zu sagen, »Hier sind wir«. Diese Mission ist
ihm innerhalb kürzester Zeit mehr als geglückt!
Mittwoch, 28. August, 23.30 – 24.00 Uhr
New On Board: Aktuelle Jazz-Alben
Von Wolf Kampmann
„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige
Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit
es nicht zu Missverständnissen kommt in den CD-Verkaufs-Regalen.
Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird,
ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur
stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte
Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer
mittwochs präsentieren deshalb die ModeratorInnen von NEW ON
BOARD die aktuell wirklich wichtigen, spannenden,
bemer-kenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnertag, 29. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Killer Joe Whispers Not
Der Saxophonist Benny Golson im Porträt
Von Ulrich Habersetzer
Benny Golson feierte im Januar seinen 83. Geburtstag aber immer
noch ist der Saxophonist weltweit unterwegs. Er pendelt zwischen
seinem Haus in Los Angeles, seiner gefühlten Heimat New York und
Friedrichshafen am Bodensee, wo er lebt, wenn er viel in Europa
zu tun hat. In den 1950er Jahren kam Golson von Lionel Hamptons
Band zu Dizzy Gillespie und von dort schließlich zu Art Blakey’s
Jazz Messengers. Als musikalischer Direktor begleitete er eine
prägende Phase des Ensembles. 1959 gründete er mit dem Trompeter
Art Farmer das „Art Farmer/Benny Golson Jazztet“, das 40 Jahre,
bis zum Tod des Trompeters, als Band auftrat. Immer waren es
auch die Kompositionen von Benny Golson, die der Musik einen
besonderen Charme gaben. Aber wie entstehen „Jazzstandards“?
Woher kommt die Inspiration? In dieser Ausgabe des ARD
Radiofestival Jazz erzählt Benny Golson manch witzige
Hintergrundge-schichte zur Entstehung von legendären Stücken wie
„Killer Joe“ oder „Whisper Not“, spricht aber auch über den
harten Alltag als Filmkomponist.
Freitag, 30. August, 23.30 – 24.00 Uhr
Sprungbrett für den Jazz-Nachwuchs
Das Experimental-Labor Kurt Edelhagen
Von Thomas Mau
In der Regel verbindet man Kurt Edelhagen und sein Orchester
beim Westdeutschen Rundfunk mit leichter Unterhaltungsmusik.
Dieses Orchester bot aber auch für eine ganze Reihe von
Jazztalenten in den 1960er Jahren ein sehr experimentelles
Forum. Edelhagen ermunterte Musiker wie Albert Mangelsdorff und
Manfred Schoof dazu, die Grenzen seines Ensembles ausloteten und
präsentierte beispielsweise den jungen Pianisten Alexander von
Schlippenbach noch als Hard Bop-Musiker. Eine Entdeckungsreise
zur unbekannten Seite Edelhagens und seinen Musikern.
Anmerkung zum Sommer-Programm
Vom 13. Juli bis zum 7. September findet wieder das
ARD-Radiofestival statt. Am Abend (20.05 – 24.00 Uhr) erwartet
Sie dann ein gemeinsam von den Kulturwellen der ARD gestaltetes
Programm. Aus diesem Grund entfallen alle SWR2-Jazzformate, die
üblicherweise in dieser Zeit zu hören sind. Stattdessen gibt es
werktags von 23.30 – 24.00 Uhr eine vom SWR organisierte
Jazz-Sendung mit Beiträgen von allen ARD-Jazzredaktionen.
Weitere Informationen finden Sie im Internet:
www.swr2.de/jazz



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