SWR 2 - Jazzprogramm Juli 2014
11.07.2014 09:24 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Juli 2014
Dienstag, 1. Juli, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Von Nina Polaschegg
Persönliche Lieblingsalben aus der älteren oder jüngeren Jazzgeschichte werden in der Reihe „My Favorite Discs“ regelmäßig vorgestellt: von den Autorinnen und Autoren unserer SWR2-Jazzredaktion. Legendäre Klassiker oder weniger bekannte Favoriten – warum gerade ein bestimmtes Album sie so beeindruckt hat, erklären sie in dieser Sendung.
Donnerstag, 3. Juli, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Günther Huesmann
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs. In unserer Juli-Ausgabe berichten wir unter anderem vom diesjährigen Festival-Pfingstwochenende in Moers. Außerdem porträtieren wir die Saxophonistin Alexandra Lehmler, der in wenigen Tagen der Jazzpreis Baden-Württemberg verliehen wird und stellen das neue Buch des britischen Jazzpublizisten Stuart Nicholson vor.
Samstag, 5. Juli, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Jazz vom Dirigentenpult
Die Entstehung der Third Stream Music
Von Odilo Clausnitzer
Einen „Dritten Weg“ zwischen Jazz und Klassik hatte der Komponist und Dirigent Gunther Schuller im Sinn, als er 1957 den „Third Stream“ proklamierte. Der Amerikaner kannte sich in beiden Musikgattungen bestens aus: Als Hornist hatte er mit prominenten Jazzern wie Miles Davis zusammen gearbeitet, als Leiter diverser Sinfonieorchester, als Verfasser von Lehrwerken und als Komponist war er aber auch eine respektierte Größe in der klassischen Musikszene. Der „Third Stream“ sollte das Beste aus beiden Welten, Jazz und Klassik, zu einer ambitionierten Musik vereinen. Modernisten wie Charles Mingus, John Lewis und George Russell ließen sich von diesem Konzept zu waghalsigen Kompositionen inspirieren. Meist ging es dabei nicht nur um eine Fusion der Tonsprachen, sondern auch der Klangkörper. In vielen „Third Stream“ Aufnahmen treffen improvisierende Solisten auf großorchestrale Besetzungen. Ende der 1960er Jahre begann der „Third Stream“ langsam zu verebben. Heute jedoch scheint es, als sei seine Idee einer anspruchsvollen Kombination zweier musikalischer Sphären aktueller denn je.
Dienstag, 8. Juli, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Aus dem Archiv
Virtuos und meditativ: „Remember Shakti“ mit John McLaughlin 1999 beim Karlsruher Zeltival
Am Mikrophon: Gerd Filtgen
Der britische Gitarrist John McLaughlin war an vielen Schnittstellen in den spannenden Regionen des Modern Jazz, der Avantgarde und Weltmusik tätig. Sein Faible für klassische indische Musik, das er durch intensive Studien bei Meistern des Genres vertiefte, inspirierte ihn zur subtilen Verschmelzung von westlicher und indischer Musik. Mit Shakti – der Nachfolgeband seines erfolgreichen Mahavishnu Orchestra – kreierte er in den 1970er Jahren filigrane Motivreihungen, in denen sich im steten Fluss sowohl meditative wie auch ekstatische Stimmungen einfanden. Rund zwanzig Jahre nach ihrer Auflösung trat die Band als „Remember Shakti“ mit John McLaughlin (Gitarre), Zakir Hussain (Tabla), Selvaganesh Vinayakram (Ghatam) und Uppalapu Srinivas (Mandoline) 1999 beim Karlsruher Zeltival auf.
Donnerstag, 10. Juli, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Jazz stinkt nicht!
Ein Porträt des Greifswalder Labels „WhyPlayJazz“
Von Thomas Loewner
„Jazz is not dead, it just smells funny“ – dieses Zitat von Frank Zappa stammt aus dem Jahr 1974. In einem Punkt lag er damals richtig: Jazz lebt! Doch mit dem üblen Geruch ist das so eine Sache, denn die aktuelle Szene ist so vital wie lange nicht mehr. Wie viel kreatives Potenzial allein die deutsche Szene besitzt, das zeigen seit einiger Zeit die Veröffentlichungen des kleinen Greifswalder Labels „WhyPlayJazz“. Was hier angeboten wird, ist immer garantiert frische Ware aus Berlin und Köln, den beiden wichtigsten Jazz-Zentren der Republik: darunter Philip Zoubeks Trio „Z3“, die Band „Lotus Eaters“ des Berliner Saxophonisten Wanja Slavin, das Benjamin Weidekamp Quartett oder Schlagzeuger Kasper Tom Christiansen und seine Gruppe „FUSK“. Sie alle spielen eine Musik, die eindeutig im Jazz verankert ist, aber stets offen ist für Einflüsse aus neuer Musik, Postrock oder sogar HipHop.
Freitag, 11. Juli, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: freejazzblog on air (2)
Free Music – Free Women
Julia Neupert im Gespräch mit Martin Schray
Die vielleicht wichtigsten Jazz-Alben in den letzten drei Jahren kamen … von einer Frau. Matana Roberts‘ Coin Coin Zyklus, mit dem die Saxophonistin aus Chicago die Geschichte der Afro-Amerikaner musikalisch erzählt, ist eines der ambitioniertesten Jazzprojekte seit Langem. Und Roberts ist in der noch immer hauptsächlich von Männern dominierten Welt der improvisierten Musik nicht allein: Waren es früher hauptsächlich Sängerinnen und Pianistinnen, die in der Szene erfolgreich waren, gibt es inzwischen eine ganze Reihe von anerkannten Instrumentalistinnen. In ihrer heutigen Sendung stellen Julia Neupert und ihr Gast Martin Schray, der regelmäßig für die internationale Online-Plattform www.freejazzblog.org schreibt, neue Alben von Saxophonistinnen, Gitarristinnen, Pianistinnen und Bassistinnen vor.
Samstag, 12. Juli, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Brüder im Groove
Der Trompeter Nat Adderley und der Altsaxophonist Cannonball Adderley
Von Bert Noglik
Sie verkörperten die geballte Energie des Hard Bop: der Altsaxophonist Julian „Cannonball“ Adderley und sein drei Jahr jüngerer Bruder, der Trompeter und Kornettist Nat Adderley. Die erste gemeinsame Band von 1956 erwies sich kommerziell als wenig erfolgreich. Drei Jahre später fanden die Adderley-Brüder dann erneut zusammen. Im zweiten Anlauf entwickelte sich ihr Quintett zu einer der kraftvollsten und beliebtesten Formationen des modernen, grooveorientierten Jazz. Die Band schlug einen Bogen vom Bebop zum Funk und trug dazu bei, den Soul Jazz populär zu machen. Bis zum allzu frühen Tod von Julian „Cannonball“ Adderley – er starb 1975 im Alter von 46 Jahren – blieben die beiden Brüder eng vereint. Nat Adderley hat danach das musikalische Erbe seines Bruders mit eigenen Ensembles weitergeführt.
Sonntag, 13. Juli, 19.31 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Surf Jazz
Das Trio des Kölner Gitarristen Tobias Hoffmann
Von Martin Laurentius
Das Artwork zur neuen CD von Tobias Hoffmann ist eine augenzwinkernde Hommage an das Album „Blues Breakers With Eric Clapton“. Obwohl der Kölner Gitarrist mit seinem Trio nicht einen einzigen Titel dieser legendären John Mayall-Platte von 1966 im Repertoire hat, schimmert auf „11 Famous Songs Tenderly Messed Up“ seine Vorliebe für die Pop- und Rockmusik der 1960er Jahre durch. Eine Vorliebe, die er aber ins Hier und Heute der improvisierten Musik überträgt: mit E-Bass-Feedbacks etwa, mit einem rhythmisch gegen den Strich getrommelten Schlagzeug oder knackigen Gitarren-Riffs. Hoffmann selbst lässt seine Fender Telecaster und Fender Jaguar gerne „surf-twangen“ oder raunzig rocken; mit dem Bassisten Frank Schönhofer und dem Schlagzeuger Etienne Nillesen hat er zu einer antizipierenden Spielhaltung gefunden, bei der die altehrwürdigen Song-Vorlagen mit lakonischem Witz in die eigene Sprache übersetzt werden.
Dienstag, 15. Juli, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Heimspiel
Alexandra Lehmler mit ihrem Quintett und das Volker Engelberth Trio beim Preisträgerkonzert zum Jazzpreis Baden-Württemberg 2014 in der Alten Feuerwache Mannheim
Am Mikrophon: Julia Neupert
Zum 30. Mal ist er in diesem Jahr vergeben worden, der Jazzpreis Baden-Württemberg – in diesem Jahr ging er an die Wahl-Mannheimerin Alexandra Lehmler. Vom Preisträgerinnenkonzert in der Alten Feuerwache Mannheim am 7. Juli, zu dem die Saxophonistin, Komponistin und engagierte Netzwerkerin langjährige musikalische Weggefährten eingeladen hatte, werden in dieser Jazz Session Ausschnitte zu hören sein. Außerdem stellen wir Höhepunkte vom Auftritt des Zweitplatzierten, dem Pianisten Volker Engelberth, und seinem Trio vor.
Donnerstag, 17. Juli, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Im Großen gedacht
Die Projekte des Saxophonisten Michael Blake
Von Harry Lachner
Noch bevor sich Michael Blake endgültig aus der Band Lounge Lizards freigespielt hatte, veröffentlichte er 1997 sein Debüt-Album „Kingdom of Champa“. Ein Werk, dessen Ambitionen über das rein Musikalische hinauswiesen: Eine tönende Reise durch ein imaginäres Vietnam, inszeniert mit den Mitteln eines Jazz, der sich den verschiedensten Stilformen gegenüber offen zeigte. Der Kanadier Blake, 1964 geboren, konnte sich hier – wie auch bei späteren Projekten – auf Musiker aus dem Umfeld der Lounge Lizards verlassen, die in jenen Jahren weniger als feste Band, sondern eher als Pool junger, querdenkender Instrumentalisten fungierte. Blickt man auf Blakes bisherige Karriere, so fällt auf, welch großen Wert er darauf legt, seine eigene Musik in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Ob es nun die Kultur Vietnams ist oder Referenzen auf beziehungsweise Reverenzen an herausragende Komponisten der Jazzgeschichte – von Duke Ellington bis Charles Mingus.
Freitag, 18. Juli, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Viel-Saitigkeit
Das musikalische Universum des Gitarristen Martin Siewert
Von Nina Polaschegg
Spartanisch ist die Webseite von Martin Siewert. Doch die Liste der MusikerInnen, mit denen er kollaboriert (hat) ist groß, liest sich wie ein Who is Who der experimentellen Szene. In manchen Projekten lässt Siewert seinen Bottleneck in lyrisch singenden Glissandi über den Gitarrenhals gleiten, in anderen entlockt er der Gitarre elektronisch verfremdete, harsche Sounds oder leises Sirren. Martin Siewert zählt zu den Pionieren des sogenannten Wiener Reduktionismus. Seit Ende der 1990er, Anfang der 2000er Jahre ist er in experimentell-improvisierten Rockkontexten ebenso zu hören wie im Jazz oder bei den Wittener Tagen für neue Kammermusik. Und immer wieder arbeitet Siewert mit ExperimentalfilmerInnen zusammen. Ein viel-saitiger Musiker im Wortsinne.
Sonntag, 20. Juli, 19.37 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
„Pagin‘ Mr. Jelly“
Der Pianist Art Hodes
Von Gerd Filtgen
Schon in den goldenen Zwanziger Jahren präsentierte der in Russland geborene Pianist Art Hodes in Chicago ein kommunikatives Programm von Kompositionen, die vorwiegend aus der Feder von Giganten wie James P. Johnson oder Jelly Roll Morton stammten. Diese bunte thematische Folge unbeschwerter Harlem Stride-, Blues- und Boogie-Nummern erreichte stilistisch gerade noch die Anfänge des Swing. Im Übrigen blieb Art Hodes zeitlebens ein verständnisvoller Traditionalist (er hatte sich nie an musikalischen Umwälzungen beteiligt), der authentisch die Musik seiner Jugend mit der Weisheit des Alters vortrug. Scherzhaft bezeichnete er einmal in einem Interview die „South Side“ von Chicago als seine musikalische Universität. Vielleicht haben die Diplome aus dieser wilden Gegend eine besondere Stabilität.
Montag, 21. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Interscape
Der Gitarrist Kurt Rosenwinkel mit der hr-Bigband in Gießen
Von Jürgen Schwab
Wer als 22jähriger mit Gary Burton auf Tournee geht, muss ein außerordentliches Gitarrentalent sein. Schließlich diente Burtons Band schon Größen wie Pat Metheny, Larry Coryell oder Wolfgang Muthspiel als Sprungbrett. In Paul Motians „Electric Bebop Band“ und bei Joe Henderson verdiente sich Kurt Rosenwinkel weitere Sporen. Heute, zwölf Alben als Leader und weit über fünfzig Platten als Sideman später, ist der dynamische Musiker selbst eines der meistgenannten Vorbilder junger Jazzgitarristen. Mike Holober arrangierte Rosenwinkels Kompositionen für diese spektakuläre Begegnung mit der hr-Bigband, die am 12.10.2013 im Stadttheater Gießen aufgezeichnet wurde.
Dienstag, 22. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Erst finden, dann suchen
Erinnerungen an den Sopransaxophonisten Steve Lacy
Von Karl Lippegaus
Die ungewöhnliche Karriere des New Yorker Jazzmusikers Steven Lackritz, besser bekannt unter dem Namen Steve Lacy, begann um 1950. Als Sechzehnjähriger hatte er ausführlich Gelegenheit, mit legendären Interpreten des frühen New Orleans Jazz zu arbeiten. Sidney Bechets Musik hatte ihn animiert, das damals recht ungewöhnliche Sopransaxophon zu erlernen. Zum Schlüsselerlebnis wurde für ihn die Entdeckung der Musik Thelonious Monks, der er sich ebenso hingebungsvoll widmete und die ihm den Weg in die Moderne bahnte; nicht zu vergessen Cecil Taylor und Gil Evans, denen er ebenfalls wichtige Impulse verdankte. Wie Lacy schließlich zu einem der führenden Improvisatoren und Bandleader des Free Jazz und dessen Ausläufern wurde, gehört zu den spannendsten Kapiteln in seinem Leben. Nach dem Erscheinen seines Meilensteins „The Forest and the Zoo“ 1967 war er nach Italien und wenig später nach Paris gezogen. Von dort aus gab er der europäischen Jazz-Avantgarde bahnbrechende Impulse.
Mittwoch, 23. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
New On Bord: Aktuelle Jazzalben
Von Bert Noglik
„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den CD-Verkaufs-Regalen. Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentieren deshalb die ModeratorInnen von „New On Board“ die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 24. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Neue Perspektiven des Orgeltrios
Larry Goldings/Peter Bernstein/Bill Stewart
Von Harald Mönkedieck
Sie beginnt mit Fats Waller, geht über Count Basie, Wild Bill Davis sowie Jimmy Smith – und weiter bis in die Gegenwart: Die Geschichte der Hammond-Orgel im Jazz ist lang und sie ist wechselhaft. Der extensive Gebrauch der Hammond im Rahmen der afroamerikanischen Kirche generierte zwar viele Ausübende, doch selbst zu Glanzzeiten in den 1950er und 1960er Jahren war das Instrument kein klassisches „Hip“-Signum des Jazz. Mit dem Ende der Fertigung der schweren Instrumente Mitte der 1970er Jahre ging auch der Orgel-Sound im Jazz-Geschehen zurück. Doch er verschwand nie völlig. Larry Goldings ist heute einer der führenden Jazzmusiker an der Hammond. Gemeinsam mit dem Gitarristen Peter Bernstein und dem Schlagzeuger Bill Stewart schuf der vielseitige Tastenmeister einen Orgel-Trio-Sound, der sich weniger an althergebrachter Orgel-Dominanz als an einem gleichberechtigen Miteinander orientiert. Besonders mit dem aktuellen Album „Ramshackle Serenade“ belegt das Trio diesen demokratischen Ansatz.
Freitag, 25. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Wanderer zwischen den Welten
Der Gitarrist Lionel Loueke aus Berlin
Von Ssirus W. Pakzad
Arbeitgeber wie Herbie Hancock, Wayne Shorter oder Terence Blanchard schwärmen vom einzigartigen, hoch originellen Gitarrenspiel des Lionel Loueke. Der Instrumentalist und Sänger aus dem westafrikanischen Benin bringt die reiche Klangsprache des schwarzen Kontinents mit der Vielfalt des modernen Jazz-Vokabulars zusammen. Der 41jährige studierte zunächst an der Elfenbeinküste, ging dann nach Paris und ließ sich später auch am Berklee College of Music in Boston und am Thelonious Monk Institute in Los Angeles weiter ausbilden. Seit 2005 treibt er seine Solo-Karriere voran und verfeinert seine Spielweise, bei der er unter anderem verschiedene Gitarren-Stimmungen einsetzt.
Sonntag, 27. Juli, 19.13 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Zwischen Bogota und New York
Der kolumbianische Harfenist Edmar Castaneda
Von Ssirus W. Pakzad
Der 38jährige Edmar Castaneda ist ein Phänomen: Wie der in Bogota geborene Musiker mit der Harfe umgeht, das sucht seinesgleichen. Unerhört hart reißt er oft an den Saiten und der Korpus seines Instruments bekommt schon mal ein paar Schläge ab. Aber der Kolumbianer versteht es auch, den Klangerzeuger, der in der heimischen Llanero-Musik eine wichtige Rolle spielt, sehr feinsinnig einzusetzen. Sein folkloristisches Erbe nahm Edmar Castaneda mit, als er samt Vater und Schwester 16jährig nach New York zog. Dort infizierte er sich sofort mit dem Jazz-Virus. In seiner Musik bringt der Virtuose die beiden Welten zusammen, in denen er aufgewachsen ist.
Montag, 28. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Inter-Regio mit Musik
Das WDR 3 Jazzfest in Gütersloh
Von Karsten Mützelfeldt
Festivals gibt es viele. Das WDR 3 Jazzfest in Gütersloh 2014 unterschied sich von anderen allein schon dadurch, dass es ein Radiofestival ist: Ein Rundfunksender der ARD agiert hier nicht nur als aufzeichnende Anstalt, sondern selbst als Mit-Veranstalter und als Programmgestalter. Was in den ersten Jahren noch WDR 3 jazz.cologne hieß, wurde im vergangenen Jahr umbenannt in WDR 3 Jazzfest – ein Neubeginn, denn fortan geht dieses Festival auf Reisen. Die Idee: Jedes Jahr ist man in einer anderen Stadt Nordrhein-Westfalens zu Gast mit einem Programmangebot, das internationale Künstler mit Vertretern der regionalen Szene vereint – wie ein jazzmusikalischer „Inter-Regio“, der durchs Land zieht. 2014 machte er also Station in Gütersloh, vier Tage lang in einem wunderschönen, beeindruckenden Gebäude, dem Theater Gütersloh. Zum Jazzfest gehörte auch die jährliche Verleihung des WDR-Jazzpreises, außerdem war Musik zu hören unter anderem vom Schweizer Klarinettisten Claudio Puntin, von dem italienischen Pianisten Stefano Bollani, Steffen Schorn und dem Norwegian Wind Ensemble und dem französischen Akkordeonisten Vincent Peirani.
Dienstag, 29. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Ganz viele Stimmen im Kopf
Die Sängerin Jelena Kuljic
Von Michael Laages
Die erste Karriere begann sehr früh und noch in Serbien – Jelena Kuljic war dort ein wilder junger Punk, und sie schaffte es mit der eigenen Band immerhin bis ins Vorprogramm eines der wichtigsten Pop-Stars im bürgerkriegsgeschüttelten Land. Das zweite Leben begann in Berlin – mit späten Studien an der Hochschule für Musik Hanns Eisler und ersten Kontakten zur aufstrebenden Berliner Jazz-Szene: zunächst zum Pianisten Andreas Schmidt, aktuell zu den Gitarristen Kalle Kalima und Frank Möbus. Mit ihnen und Schlagzeuger Christian Lillinger gründete die Sängerin gerade das Quartett „KUU“, mit dem Gitarristen Marc Sinan hat sie gearbeitet und mit dem „Love-Trio“. Parallel dazu gelang Kuljic der Durchbruch im Theater – mit Produktionen des Regisseurs David Marton in Berlin und Hamburg, Hannover und Wien; neuerdings auch in den Arbeiten der Choreographin Constanza Macras.
Mittwoch, 30. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
New On Board: Aktuelle Jazzalben
Von Daniella Baumeister
„File Under Jazz“ – mit diesem Hinweis versehen einige Plattenlabels vorsichtshalber ihre Neuveröffentlichungen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt in den CD-Verkaufs-Regalen. Was dann dort tatsächlich alles unter „Jazz“ einsortiert wird, ist natürlich immer noch extrem breit gefächert: nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ. Selbst für interessierte Jazzkenner kann es da schwer sein, sich zu orientieren. Immer mittwochs präsentieren deshalb die ModeratorInnen von „New On Board“ die aktuell wirklich wichtigen, spannenden, bemerkenswerten Neuerscheinungen des Jazz.
Donnerstag, 31. Juli, 23.30 – 24.00 Uhr
ARD Radiofestival Jazz
Frankie And Johnny
Hintergrund einer Ballade
Von Harry Lachner
Sie zählen zu den bekanntesten und am häufigsten interpretierten Mörderballaden des US-amerikanischen Folk: „Frankie And Johnny“ und „Stagger Lee“. Beiden liegt eine historische Begebenheit zugrunde – und beide tauchen in etlichen Versionen im Repertoire des frühen Jazz auf. In ihnen zeigt sich nicht nur, wie ein einfacher Mord in einen Mythos verwandelt wird. Vielmehr besaßen diese Songs ganz allgemein auch einen dokumentarischen Charakter: Sie waren mündlich tradierte Historie und lieferten Einblicke in die Lebenswirklichkeit der afro-amerikanischen Bevölkerung. Schließlich verwandelten sich wirklichkeitsnah erzählte Geschichten in soziale Metaphern. Im Vordergrund dieser Sendung steht die Ballade „Frankie And Johnny“, die in der Frühzeit des Jazz mehrfach aufgenommen wurde. Unter anderem von Louis Armstrong, Sidney Bechet, Ethel Waters, King Oliver und Earl Hines. Grund genug also, den Hintergrund dieser Ballade etwas auszuleuchten: sowohl den historischen wie auch die Überformung ins Mythische.



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