SWR 2 - Jazzprogramm Juni 2014
10.05.2014 21:24 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Juni 2014
Dienstag, 3. Juni, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Aus dem Archiv
Remembering Ramwong - Albert Mangelsdorff’s Asien-Tournee 1964
Am Mikrophon: Julia Neupert
Das Goethe-Institut schickte ihn als einen der ersten Jazzmusiker überhaupt auf Reisen – vor allem die große Asien-Tournee 1964, auf der Albert Mangelsdorff mit seinem Quintett 50 Konzerte in 20 Ländern spielte, brachte dem Posaunisten einen internationalen Ruf als engagierten Kulturbotschafter ein. Denn Mangelsdorff spulte auf den Bühnen von Thailand, Malaysia oder Indien kein einstudiertes Routineprogramm ab, sondern nahm folkloristische Klänge und traditionelle Weisen der jeweiligen Regionen auf, um sie mit dem Sound seiner Musik zu verbinden. Inspiriert von diesen Reiseeindrücken entstand später die legendäre Aufnahme „Now Jazz Ramwong“.
Donnerstag, 5. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Harry Lachner
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs. Wir bringen – unter anderem - einen Vorbericht vom moers-Festival 2014. Und wir rezensieren das Buch von Gerard Roney „We Thought We Could Change the World“ über den Saxophonisten Peter Brötzmann.
Freitag, 6. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Schatten des Unbewussten
Das Ingrid Laubrock Octet beim NEWJazz Meeting 2011
Am Mikrophon: Reinhard Kager
Ingrid Laubrock zählt zweifelsohne zu den eigenständigsten Stimmen des Gegenwartsjazz. Das konnte die in New York lebende Musikerin beim SWR NEWJazz Meeting 2011 eindrücklich unter Beweis stellen. Mit einem neuen Oktett, dessen Kern Laubrocks Trio „Sleepthief“ mit dem Pianisten Liam Noble und dem Schlagzeuger Tom Rainey bildet, studierte die Saxophonistin neun neue Eigenkompositionen ein, die den hervorragenden Instrumentalisten vor allem in rhythmischer Hinsicht alles abverlangten. Mary Halvorson (g), Tom Arthurs (tp), Ted Reichman (acc), Ben Davis (cello) und Drew Gress (b), die das neue Ingrid-Laubrock-Oktett komplettierten, lösten ihre Aufgaben mit Bravour: durch Präzision und Improvisationsgeschick, denn alle Kompositionen Laubrocks boten neben durcharrangierten Passagen auch viel Raum für freies Spiel.
Samstag, 7. Juni, 9.05 – 10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Die letzten Jahre haben gezeigt: Das Stildelta des Jazz ist immer breiter und tiefer geworden. Längst sind es nicht mehr nur Improvisatoren aus dem Mutterland des Jazz, den USA, sind es nicht mehr Musiker nur aus Europa, welche die improvisierte Musik prägen. Zunehmend spielen auch Improvisatoren aus Lateinamerika, Asien und Afrika eine wichtige Rolle. Welche musikalischen Antworten geben sie? Wie sehen ihre Beiträge aus? Ein Blick weit über die Tellerränder der Gattungen und Stile hinweg.
Samstag, 7. Juni
Jazztime entfällt
Sonntag, 8. Juni, nach dem Hörspiel
Zeit stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest
Dienstag, 10. Juni, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Euro-Vision
Höhepunkte vom 12 Points Festival Dublin 2013
Mit „Mopo“, „Soil Collectros“ und „Koenigleopold“
Am Mikrophon: Julia Neupert
12 Acts aus 12 europäischen Ländern – das Konzept dieses Festivals ist so einfach wie bestechend. Seit 2007 bekommen hier jedes Jahr junge Bands eine internationale Plattform für ihre Musik und gleichzeitig die Möglichkeit, sich mit anderen musikalischen Ländervertretern auszutauschen. Der Austragungsort wechselt mittlerweile jährlich, die Festivalausgabe 2013 fand mal wieder am 12-Point-Hauptstandort Dublin statt. Mit dabei unter anderen das österreichische „Avantgarde-Disco“-Duo „Koenigleopold“, das grooveorientierte Trio „Mopo“ aus Helsinki und das schwedische Vokalensemble „Soil Collectors“.
Donnerstag, 12. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Philosophie in Echtzeit
Der Vibraphonist Christopher Dell
Von Hans-Jürgen Schaal
Indische Rhythmuszyklen, urbane Räume, Jazz-Vibraphon und Improvisations-Theorie: Bei Christopher Dell kommen klingende Praxis und intellektueller Hintergrund ganz nah zusammen. Nicht nur deshalb ist der vielfache Preisträger (u.a. Gary Burton Award, Jazzart Award, Darmstädter Musikpreis) sowohl im Jazz wie in der Philosophie ein unberechenbarer Freigeist geblieben. Der Saxophonist Lee Konitz nannte den promovierten Organisations-Psychologen einen „swingenden Schönberg“. Mit dem Trio D.R.A. (Dell-Ramond-Astor) und dem Trio Dell-Westergaard-Lillinger hat Christopher Dell zwei feste Formationen kreiert, die zwar identisch instrumentiert sind, deren musikalische Konzepte aber kaum unterschiedlicher sein könnten.
Freitag, 13. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Die Topologie der Klänge
Der Saxophonist Joe McPhee im Porträt
Von Harry Lachner
Joe McPhee, der neben Saxophon auch Trompete spielt, zählt zu den wichtigsten Erneuern des Jazz jener Phase, in der sich die formalisierten Kompositionsschemata und die Rollenzuschreibungen für die Instrumente aufzulösen begannen. Auch präzisierte er auf Alben wie "Underground Railroad" Ende der 1960er Jahre die politischen Absichtserklärungen, die in der Spielform des frei improvisierten Jazz ihren Ausdruck fanden. McPhee lebte und arbeitete lange Jahre in Europa, erlangte aber - aus US-amerikanischer Sicht - erst seit seinem Engagement auf der Chicagoer Szene in den neunziger Jahren jenen Status eines ästhetischen Innovators, der ihm zusteht. Zwar ist die Zahl seiner Veröffentlichungen (weit über 100 unter eigenem Namen) beeindruckend, aber entscheidender sind die Impulse, die er im Lauf der Jahrzehnte für das Ineinandergreifen von Komposition und Improvisation bis heute spielt.
Samstag, 14. Juni, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: „O Sonho Brasileiro“
Jazz aus Brasilien
Von Anja Buchmann
Die Fußball WM in Brasilien wird einen großen Teil der medialen Berichterstattung beherrschen. Damit gerät auch die Musikkultur des lateinamerikanischen Landes stärker in den Blick. In vielen Stücken der Musica Brasileira klingt ein bisschen „Saudade“ mit: Sie beinhaltet nicht nur das Gefühl der Melancholie und Traurigkeit über eine momentane Lebenssituation und das Verlangen nach Besserung, sondern auch die Freude auf das Kommende und eine Form von Heiterkeit. Bossa Nova, Samba, Forro, Choro oder Maracatu sind Musikstile, die auch von der „Saudade“ geprägt wurden.
Die heutige Jazztime präsentiert deren vielfältige Beziehungen zum Jazz - mit Musik von Gilberto Gil, Elza Soares, Maria Rita, Milton Nascimentound vielen anderen.
Sonntag, 15. Juni, 19.27 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
West Coast Vibes
Der Vibraphonist Teddy Charles
Von Gerd Filtgen
Auf den ersten Blick haben Vibraphon-Sounds und abenteuerliche Segeltörns nichts gemeinsam. In der Biographie von Teddy Charles bilden diese unterschiedlichen Beschäftigungen jedoch keinen Gegensatz. Mit der gleichen Leidenschaft mit der er aufsehenerregende Kompositionen schuf und die Cool-Jazz-Fans begeisterte, kreierte er später als Kapitän eines Charter-Segelboots für Touristen Karibik-Trips. Seine Jazzabenteuer sind nicht weniger spannend: In New York spielte Charles schon als Twen in prominenten Swing-Bands. Doch erst in Los Angeles konnte er seine Vorstellungen
eines modernen Vibraphonspiels im Kreis von gleichgesinnten Musikern - unter ihnen die Saxophonisten Jimmy Giuffre und Bob Cooper – verwirklichen.
Dienstag, 17. Juni, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Von Gerd Filtgen
Das Modern Jazz Quartet zählt zu den bekanntesten Gruppen der improvisierten Musik. Die Dramaturgie der erfolgreichen Combo bestand aus spannenden Dialogen, die sich zwischen John Lewis’ kunstvoll zelebrierten Piano-Motiven und Milt Jacksons buesbetonten Vibraphon-Einsätzen entwickelten. Oftmals spürte man in Jacksons Improvisationen den Drang, den vorgegebenen Rahmen zu erweitern. Raum, um sich richtig auszuspielen, fand er allerdings nur in eigenen Projekten. Die vielen musikalischen Seitensprünge, die er sich fernab der gewohnten Abläufe des Erfolgsquartetts gestattete, führten speziell in Begegnungen mit Saxophonisten zu feurigen Sessions: „Bean Bags“ mit Coleman Hawkins, „Bags’ Opus“ mit Benny Golson und „Bags & Trane“ mit John Coltrane wurden innerhalb weniger Monate in den 1950er Jahren aufgenommen.
Donnerstag, 19. Juni, nach dem Hörspiel
Zeit stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest
Donnerstag, 19. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: „Loose Tubes“
Das Comeback der verrücktesten Jazz-Kapelle Englands
Von Michael Rüsenberg
Im September 1990 sagten sie eine Woche lang im Ronnie Scott´s Club „bye-bye“, zwei brisante CDs erzählen davon. Anfang Mai 2014 waren sie wieder dort: die Loose Tubes, eines der legendärsten Ensembles, die der britische Jazz hervorgebracht hat. 1984, in einem Workshop von Graham Collier, begann die Fackel der Multistilistik in dieser Band zu brennen. Der Gründungsmythos sprach gern von einem "Agitprop-Anarcho-Syndicate-Kollektiv", angeblich "ohne einen einzelnen Anführer".
Künstlerisch aber waren die 21 Helden mehr oder weniger eingenordet auf Django Bates, ein Großtalent, das dem Gewusel die besten Formen gab, was die „Times“ damals beschrieb als ein „fröhliches Gemisch aus Swing und Ska, Dolphy und Zappa“. Anlässlich ihres 30. Geburtstages wollen die „Loose Tubes“ nun wieder zusammen kommen, "aber ganz bestimmt nicht als unsere eigene Tribut-Band". Und warum brach diese Band-Legende vor 24 Jahren auseinander? Weil die Musiker es nicht aushielten in einer Gruppe mit maximal 21 Veto-Stimmen.
Freitag, 20. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Same Question Twice
Christof Kurzmann im Interview mit Peter Niklas Wilson (2003) und Nina Polaschegg (2013)
September 2003, Kastanienallee, Berlin Prenzlauer Berg. Ein Besuch beim Laptop-Pionier Christof Kurzmann. Es sollte Peter Niklas Wilsons letztes Interview werden, kurz darauf erlag er der Leukämie. Anfang 2014 – gut zehn Jahre später besuchte die SWR-Autorin Nina Polaschegg Christof Kurzmann erneut, nun in seiner Wiener Wohnung. Wieder hörte sie zu, spielte Christof Kurzmann Peter Niklas Wilsons Fragen aus dem Jahr 2003 erneut vor, ließ sie ihn ein zweites Mal beantworten – und stellte diesmal absichtlich keine Nachfragen. Seine Antworten aus dem Jahr 2003 hatte er vor Abschluss des zweiten Interviews nicht gehört. Ändert sich die Sichtweise? Welche Stereotypen des Antwortens legt man sich im Laufe der Jahre zu? Was hat sich in der Wertigkeit verändert, was auch musikalisch?
Samstag, 21. Juni, 22.03 – 23.00 Uhr
SWR2 extra: Der Erste Weltkrieg
Jazztime: Harlem in Montmatre
Wie der Jazz nach Europa kam
Von Günther Huesmann
Das erste Artillerie-Geschoss war im Ersten Weltkrieg noch nicht abgefeuert, da waren die Sounds der „Black Music“ schon über den Atlantik nach Europa gelangt. Bereits um 1900 waren schwarze Minstrel-Shows und Vaudeville-Acts durch den Alten Kontinent getourt. Mit Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg aber intensivierte sich der Kontakt zur afroamerikanischen Musik. Dafür sorgten nicht nur Militärkapellen wie die von James Reese Europe, sondern auch viele einzelne amerikanische Musiker, die als Soldaten nach Europa kamen. In ihrem Gepäck: die ganz neuen, frischen Melodien und Rhythmen des Ragtime und anderer Vorläufer-Formen des Jazz. Dessen verführerische musikalische Botschaft stand in aufreizendem Kontrast zu den Gräueln des Krieges: mit ihren Rhythmen trat die „Black Music“ in den Metropolen von Paris, London und Berlin ihren Siegeszug an und löste bei den Menschen eine ungeheure Tanzbegeisterung aus.
Sonntag, 22. Juni, nach dem Hörspiel
Zeit stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest
Dienstag, 24. Juni, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Die Kraft des Dialogs
Das Ambrose Akinmusire Quintet im Jazzclub Singen
Am Mikrophon: Günther Huesmann
Ein auftrumpfendes Ego scheint Grundvoraussetzung für den solistischen Glanz von Trompetern zu sein. Sie gelten allgemein als Instrumentalisten mit Ellbogen-Mentalität. Nicht so Ambrose Akinmusire: der in Los Angeles lebende amerikanisch-nigerianische Trompeter ist ein Bandleader mit betont demokratischer Auffassung und starken interaktiven Qualtäten. Im Jazzclub Singen stellte sich der vielgepriesene junge Bläser mit seinem aktuellen Quintett vor wenigen Wochen vor – einer der spannendsten Working Groups des zeitgenössischen Jazz.
Donnerstag, 26. Juni, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Visionär: „Die Engel“
Aufnahmen mit der Ulrich Gumpert Workshop Band aus dem Jahr 1989
Von Bert Noglik
"Die Engel", ein Werk mit dem Untertitel "Vier Kurzopern", basierend auf einem Text des Dramatikers Jochen Berg und Kompositionen der Pianisten und Bandleaders Ulrich Gumpert, wurde im Februar 1988 in den Kammerspielen des Deutschen Theaters in Ost-Berlin konzertant uraufgeführt und im September 1989 - wenige Wochen vor dem Fall der Mauer - im Studio aufgezeichnet. Das mit der Ulrich Gumpert Workshop Band sowie drei Sprecherinnen und einem Sprecher realisierte Werk geriet im rasenden Ablauf der zeitgeschichtlichen Ereignisse beinahe in Vergessenheit. Zu Unrecht, denn "Die Engel" nehmen mit gewaltigen Metaphern und einer kühnen, bohrenden Musik auf eben jenen Umwälzungsprozess Bezug, dessen reale Dynamik damals selbst in kühnsten Träumen noch nicht vorstellbar erschien.
Freitag, 27. Juni, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Von Thomas Loewner
Das NOWJazz Update ist zumindest einmal im Monat zumeist halbstündig auf der nächtlichen Freitagsschiene platziert und dient der Präsentation neuester Tendenzen der improvisierten Musik. Es erlaubt den Moderatoren, besonders wichtige Neuerscheinungen eingehender vorzustellen, als dies im NOWJazz Magazin möglich ist. Was gespielt wird, entscheiden die SWR2-Jazzautoren erst kurz vor dem Sendetermin.
Samstag, 28. Juni, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Griff in den Bienenschwarm
Erinnerungen an den vor 50 Jahren gestorbenen Altsaxophonisten Eric Dolphy
Von Thomas Loewner
Eric Dolphy hatte ein viel zu kurzes Leben. Als er am 29.Juni 1964 in Berlin starb, war er gerade mal 36 Jahre alt. In dieser Zeit ist es ihm aber gelungen, die Jazzwelt nachhaltig zu beeinflussen – als Altsaxophonist genauso wie als Flötist und als Bassklarinettist. Besonders in den Jahren ab 1960 festigte sich Dolphys Ruf als einer der außergewöhnlichsten Instrumentalisten und Komponisten der Szene. Große internationale Aufmerksamkeit erlangte er als Solist in den Bands von Charles Mingus, Ornette Coleman, George Russell und John Coltrane. Auch führende Big Band-Leiter wie Gunther Schuller oder Gil Evans engagierten ihn für ihre Projekte. Doch zur vollen Entfaltung kamen Dolphys Fähigkeiten erst in seinen eigenen Bands. Den kreativen Höhepunkt erreichte er kurz vor seinem Tod mit dem Album „Out to lunch!“. Eric Dolphys avancierte Spieltechniken und sein Konzept, das Form und Freiheit auf visionäre Weise vereint hat, gingen bei dieser Aufnahme eine bis dahin nicht erreichte Symbiose ein.
Weitere Informationen finden Sie im Internet:
www.swr2.de/jazz



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