SWR 2 - Jazzprogramm Oktober 2014
03.09.2014 10:11 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Oktober 2014
Donnerstag, 2. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Bert Noglik
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs. In dieser Ausgabe portraitieren wir den Gewinner des SWR-Jazzpreises 2014, das Pablo Held Trio, welches am 8. Oktober im Rahmen des internationalen Festivals „Enjoy Jazz“ in Ludwigshafen sein Preisträgerkonzert geben wird. Wir rezensieren das Buch über das legendäre Plattenlabel Verve „The Sound of America“ von Richard Havers. Und wir bringen einen Vorbericht vom aktuellen „Multiphonics“-Festival, das in Köln, Ulm und Bad Hersfeld über die Bühne gehen wird.
Freitag, 3. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: A Different View
Bildende Kunst und Musikalische Improvisation
Von Julia Neupert
Action Painting, Farbfeldmalerei, Fluxus, Arte Povera: Die Entwicklung der experimentellen Improvisationsmusik seit den 1960er Jahren hängt eng mit den damaligen Strömungen der zeitgenössischen Kunst zusammen. Weg vom konventionellen Handwerk, weg vom Gebrauch der immer gleichen Mittel, weg von der gängigen Präsentationspraxis! Radikal hatten sich Künstler wie Jackson Pollock, Mark Rothko oder Nam June Paik eine neue Freiheit im Umgang mit Farben, Formen und Materialien herausgenommen. Es war dieser „different view“, den etliche Musiker in den mittlerweile eingefahrenen Bahnen des früher doch so wilden Jazz vermissten und so begannen, einige der neuen Kunst-Konzepte in ihre Arbeit zu integrieren.
Samstag, 4. Oktober, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: 33 Jahre Jazzkunst
Ein Rückblick auf das „Vienna Art Orchestra“
Von Hans-Jürgen Schaal
Im Sommer 2010 platzte die Bombe: Das „Vienna Art Orchestra“ gab nach 33 Jahren und fast 50 Alben seine Auflösung bekannt. Eine Institution des europäischen Jazzlebens wurde Opfer der weltweiten Bankenkrise. Genau 30 Jahre früher hatte das „Vienna Art Orchestra“ damit begonnen, Österreichs Grenzen zu überschreiten und internationale Bühnen zu erobern – eine kleine Bigband mit damals sieben Bläsern, stilistisch unberechenbar, zirzensisch, verspielt, ironisch, postmodern. „Eigentlich ist das kein Jazzkonzert, es ist eher Musiktheater“ – so oder ähnlich schrieben die ersten Rezensenten. Im Lauf der Jahre konnte das „Vienna Art Orchestra“ zur vollwertigen Bigband anwachsen (mit 4 Trompeten, 4 Posaunen, 5 Saxofonen), dann wieder verwandelte es sich in eine Art Kammerorchester mit Streicherabteilung und klassischen Holzbläsern. Die kompositorischen und konzeptionellen Ideen des Ensemble-Leiters und Gründers Mathias Rüegg wirkten unerschöpflich. Der Strom der Jazz-Talente, die das „Vienna Art Orchestra“ hervorbrachte, schien nie abreißen zu wollen.
Sonntag, 5. Oktober (nach dem Hörspiel)
Zeit stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest
Dienstag, 7. Oktober, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs
Von Thomas Loewner
Persönliche Lieblingsalben aus der älteren oder jüngeren Jazzgeschichte werden in der Reihe "My Favorite Discs" regelmäßig vorgestellt: von den Autorinnen und Autoren unserer SWR2-Jazzredaktion. Legendäre Klassiker oder weniger bekannte Favoriten - warum gerade ein bestimmtes Album sie so beeindruckt hat, erklären sie in dieser Sendung.
Donnerstag, 9. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Turmbau zu Brooklyn – die verrückte Bigband-Welt des Darcy James Argue
Von Günther Huesmann
Der in Brooklyn lebende Kanadier Darcy James Argue hat bei Bob Brookmeyer studiert und gehört zu den spannenden Jazzkomponisten des 21. Jahrhunderts. Allen ökonomischen Widrigkeiten zum Trotz unterhält er ein 18-Mann/Frau-Orchester, das einige der besten New Yorker Solisten in sich vereint. Es heißt: „Secret Society“. Ganz so „geheim“ ist Argues Orchester-Jazz allerdings nicht. Mit den beiden auf seinem eigenem Label erschienenen Alben „Infernal Machines“ und „Brooklyn Babylon“ gewann Argue immerhin zwei Grammy-Nominierungen in der Kategorie „Beste Komposition/Arrangement“. Tatsächlich gelingt es dem 39järhigen Kanadier in seiner schillernden Jazzsprache, zahlreiche Genres von einer neuen Seite zu zeigen. Und auch das setzt Darcy James Argues Kompositionen vom konventionellen Big-Band-Alltag ab: seine Werke verstehen sich – über spannende Musikerrlebnisse hinaus - immer auch als ein metaphernreicher gesellschaftpolitscher Kommentar.
Freitag, 10. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz : freejazzblog on air (3)
Trumpets Only
Julia Neupert im Gespräch mit Martin Schray
„Trompete zu spielen bedeutet für mich mein Leben, meine Seele, meinen Geist“, sagte Louis Armstrong. Das galt und gilt für viele große Jazztrompeter von Armstrong bis zu Miles Davis und Wynton Marsalis, aber selbstverständlich genauso für die Vertreter des freien Spiels. Die NOWJazz Session der Donaueschinger Musiktage 2014 feiert die Trompete mit dem hochkarätig besetzten, siebenköpfigen „ARIHA Trumpet Ensemble“ von Mazen Kerbaj – Anlass für Martin Schray, in dieser Sendung wichtige neue Trompetenaufnahmen aus der jüngeren Rezensionsgeschichte des freejazzblog vorzustellen.
Samstag, 11. Oktober, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Magie vom Kap
Der südafrikanische Pianist Abdullah Ibrahim feiert seinen 80. Geburtstag
Von Bert Noglik
Sein Lebensweg gleicht einer Odyssee in Jazz, einer Lebensreise, die ihn von Südafrika aus rund um die Welt und schließlich über verschlungene Wege zurück in seine Heimat geführt hat. Adbullah Ibrahim – ein Reisender, ein Exilant, ein Botschafter und ein Heimkehrer. Er hat Südafrika erlebt – als Himmel und als Hölle. Und wie keinem anderen gelang es ihm, dieses Erleben in Musik auszudrücken – in Klängen mit einer gänzlich individuellen Signatur, sofort dekodierbar als die Handschrift von Abdullah Ibrahim und zugleich getränkt mit dem Erfahrungsschatz eines multikulturellen Südafrika. Das Schaffen des am 9. Oktober 1934 in Kapstadt geborenen Pianisten, der zunächst als Dollar Brand bekannt wurde und Ende der 1960er Jahre den Namen Abdullah Ibrahim annahm, spannt sich von Solokonzerten und Trio-Formationen bis zur Zusammenarbeit mit Big Bands und Sinfonieorchestern.
Sonntag, 12. Oktober, 18.20 – 20.00 Uhr
Helden der Swing-Gitarre: Das Duo George Barnes und Carl Cress
Von Gerd Filtgen
Gleich und gleich gesellt sich gern. Für George Barnes und Carl Kress sollte es allerdings einige Zeit dauern, bis sie ihren Plan umsetzen konnten, ein Gitarren-Duo zu bilden. Als es zu Beginn der 1960er Jahre endlich dazu kam, hatten die Beiden unabhängig voneinander an zahlreichen wichtigen Oldtime Jazz- und Swing-Sessions mitgewirkt. In den Bands von Louis Armstrong, Red Nichols und Artie Shaw stößt man auf ihre Namen. Nicht zuletzt durch diese musikalischen Erfahrungen war ihr Zusammenspiel für attraktive Interpretationen von Standards prädestiniert. Die Kombination von Carl Kress’ swingendem Akkordspiel mit den charmanten Motiven von George Barnes klang harmonisch und makellos.
Dienstag, 14. Oktober, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Aus dem Archiv
Henry Threadgill mit „Very Very Circus Plus“ 1995 bei den Donaueschinger Musiktagen
Am Mikrophon: Harry Lachner
Sein Credo, daß Tradition nur dann eine Rolle spielt, wenn man in der Lage ist, aus ihr etwas Neues zu entwickeln, setzte der Saxophonist und Flötist Henry Threadgill bei seinem Auftritt bei den Donaueschinger Musiktagen 1995 auf beispielhafte Weise um. In seinem Konzert fanden sich all die Traditionslinien von Free Jazz, Blues, Gospel oder Vaudeville in einem intellektuell und kritisch reflektierten Netz zu neuen Formen verknüpft und verdichtet; Formen, die in ihrer jetzigen Gestalt nur mehr vage an einzelne, historische Stilmerkmale erinnerten. Henry Threadgill machte in diesem Konzert auch auf ebenso kluge Weise deutlich, dass er durchaus raffinierte Stücke komponieren, komplexe Abläufe inszenieren kann, ohne auf das zu verzichten, was das Wesen des Jazz ausmacht: eine auf die Emotionen abzielende Dramaturgie, die beständige Verzahnung von Themen und Improvisationslinien - und nicht zuletzt ein inspirationsbeseeltes Spiel.
Donnerstag, 16. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Der feine Unterschied
Jazz, Globalisierung und Regionalität
Von Hans-Jürgen Linke
Gibt es so etwas wie Nationalstile im Jazz? Manche Jazz-Geschichtsbücher suggerieren: Ja. In seinem Jazz-Essay „Der feine Unterschied“ vertritt Hans-Jürgen Linke eine gegenteilige These. Er folgt dem Jazz von seinem Geburtsort New Orleans auf dem Weg rund um Welt und untersucht dessen heutige globale Bedeutung und regionale Verzweigungen. „Nationale Grenzen haben den Jazz nie interessiert.“, betont Linke. Die improvisierte Musik sei ein „urban factor“. Wichtiger als musikalische „Nationalsprachen“ waren und sind die Arbeitsbedingungen für Jazzmusiker in den Städten, wo er gespielt und gehört wird.
Freitag, 17. Oktober, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update: Adventurous Reading (1) “theoral”
Von Nina Polaschegg
Über improvisierte Musik lesen – dies ist möglich: in Blogs, in so mancher Zeitschrift, gelegentlich sogar in Zeitschriften für zeitgenössische Musik, die sich vor allem der komponierten Musik widmen. Portraits, Reviews, Festivalankündigungen und -berichte, mehr oder weniger kurze Interviews, zuweilen auch thematische Essays, das sind, grob umrissen, die Formate, in denen auch über (freie) Improvisation geschrieben wird. „theoral“ ist anders. Acht Ausgaben sind inzwischen erschienen, dicke Hefte oder schmale Bücher im handlichen Format, liebevoll graphisch gestaltet von Karin Weinhandl. Philipp Schmickl, der Herausgeber, ist Ethnologe und stammt aus Nickelsdorf. Für „theoral“ führt er Interviews mit Improvisierenden, gelegentlich auch mit anderen interessanten Menschen, ob Literaten oder Reisenden. Es sind ausführliche Interviews, ungekürzt, die die Denk- und Erzählweise der Interviewten wieder geben. Gespräche über die Musik stehen im Zentrum und werden ergänzt durch Reflexionen über kulturelle Zusammenhänge, in denen die Musik entsteht.
Samstag, 18. Oktober, 20.03 – 22.30 Uhr
Donaueschinger Musiktage - Live
NOWJazz Session: The Same (Not) The Same
Mit Mazen Kerbajs „ARIHA Trumpet Ensemble“ und dem Vokalquartett „JJJJ“
Am Mikrophon: Julia Neupert
Individualismus und Interaktion – es ist die Spannung zwischen diesen beiden Polen, die das Aufeinandertreffen von Improvisatorinnen und Improvisatoren (immer wieder) zu einer herausfordernden Angelegenheit macht. Waren in den klassischen Bandbesetzungen der Jazzgeschichte die Aufgaben innerhalb eines Ensembles klar verteilt, gibt es solche verbindlichen funktionalen Rollenmuster inzwischen kaum mehr. Auch hierarchische Strukturen wie Leader – Solist – Sideman sind hinfällig geworden. Das bei den Musiktagen erstmals auftretende „ARIHA Trumpet Ensemble“ von Mazen Kerbaj (mit Mazen Kerbaj, Liz Allbee, Axel Dörner, Peter Evans, Franz Hautzinger, Greg Kelley, Nate Wooley) verfolgt also nicht die Idee eines Trompeten-Battles mit sieben Einzelkämpfern, sondern wird in dieser außerordentlichen Konstellation die Möglichkeit von simultaner individueller Mehrsprachigkeit erproben. Mehrstimmig und einstimmig präsentieren sich danach „JJJJ“ bei dieser NOWJazz Session, sowohl mit solistischen Improvisationen als auch im Quartett. „Neue Lautpoesie und Vokalimprovisationen“ haben die vier Stimmperformer Jaap Blonk, Joachim Montessuis, Julien Ottavi und Jörg Piringer ihr Programm mit experimenteller Sound Poetry überschrieben.
Dienstag, 21. Oktober, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Aus dem Archiv
Legendär! Höhepunkte aus 50 Jahren Jazzfest Berlin
Am Mikrophon: Gerd Filtgen
Als im Jahr 1964 die Berliner Jazztage erstmalig erfolgreich über die Bühne gingen, war das der Start für eines der wichtigsten Festivals in Europa. Die Veranstaltungen wurden im Jahr 1981 in „Jazz Fest Berlin“ umbenannt. In der wechselvollen Geschichte des Events war die Attraktivität der Programme immer von den Vorlieben der jeweiligen künstlerischen Leiter abhängig. Den Anfang machte der ehemalige SWF-Redakteur und Produzent Joachim-Ernst Berendt, der die berühmten Repräsentanten afroamerikanischer Musik wie Miles Davis, Charles Mingus und Ornette Coleman in die damals noch geteilte Stadt holte. Außerdem initiierte er die Reihe „Jazz Meets The World“. Seine Nachfolger, u.a. der Pianist George Gruntz und die Posaunisten Albert Mangelsdorff und Nils Landgren, setzten ihre Schwerpunkte auf den europäischen Jazz. Seit 2012 ist der Leipziger Jazzjournalist und SWR-Autor Bert Noglik für die Programmgestaltung verantwortlich.
Donnerstag, 23. Oktober, 23.16 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Im Großen gedacht
Die Projekte des Saxophonisten Michael Blake
Von Harry Lachner
Noch bevor sich Michael Blake endgültig aus der Band „Lounge Lizards“ freigespielt hatte, veröffentlichte er 1997 sein Debüt-Album "Kingdom of Champa". Ein Werk, dessen Ambitionen über das rein Musikalische hinauswiesen: Eine tönende Reise durch ein imaginäres Vietnam, inszeniert mit den Mitteln eines Jazz, der sich den verschiedensten Stilformen gegenüber offen zeigte. Der Kanadier Blake, 1964 geboren, konnte sich hier - wie auch bei späteren Projekten - auf Musiker aus dem Umfeld der „Lounge Lizards“ verlassen, die in jenen Jahren weniger als festumrissene Band, sondern eher als Pool junger, querdenkender Instrumentalisten fungierte. Blickt man auf Blakes bisherige Karriere, so fällt auf, welch großen Wert er darauf legt, seine eigene Musik in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Ob es nun die Kultur Vietnams ist, oder die Referenzen auf bzw. Reverenzen an herausragende Komponisten der Jazzgeschichte - von Duke Ellington bis Charles Mingus.
Freitag, 24. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Beziehungsreich
Die Pianisten Aki Takase und Alexander von Schlippenbach
Von Tobias Richtsteig
Die Beiden sind ein Traumpaar: Alexander von Schlippenbach, Vaterfigur des deutschen Free Jazz und Aki Takase, die einst als international tourende Musikerin aus Japan nach Berlin kam - und blieb. Das Klavier ist ihr gemeinsames Instrument, ob vierhändig improvisierend oder im spannungsreichen Doppelkonzert. „Meine Musik ist Free Jazz und keine freie Improvisation“ sagt Schlippenbach, auch wenn seine „Twelve Tone Tales“ ihre Wurzeln in der europäischen Avantgarde nicht leugnen. Die Liebe zum Jazz und seinen Helden – in Berlin spielte er das Gesamtwerk Thelonious Monks ein – teilt er mit Takase, die sich den Legenden des Jazz - ob sie nun Monk, Fats Waller, Duke Ellington oder Ornette Coleman heißen - oft aus ironischer Distanz nähert. Mit ihrem jüngsten Projekt „So long, Eric“ erinnern sie an den vor fünfzig Jahren in Berlin verstorbenen Altsaxophonisten, Bassklarinettisten und Flötisten Eric Dolphy.
Samstag, 25. Oktober, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Ewigkeitsverdächtig
Der Trompeter Louis Armstrong interpretiert Kompositionen von W.C. Handy
Von Odilo Claunitzer
Der bedeutendste Musiker des Jazz, Louis Armstrong, spielt Kompositionen des bedeutendsten Blues-Komponisten, W.C. Handy. Als 1954 eine LP unter diesem Vorzeichen erschien, war der Klassiker-Status so gut wie vorprogrammiert. Tatsächlich gilt „Louis Armstrong plays W.C. Handy“ Kritikern bis heute als Meisterwerk und jedenfalls als Louis Armstrongs beste Platte der 1950er Jahre. Der Trompeter nahm sie mit der zweiten Ausgabe seiner „All Stars“ auf. Darin hatten bis dahin weniger bekannte Musiker die prominenten Mitglieder der berühmten ersten „All Stars“ abgelöst. Trummy Young spielte nun Posaune, Barney Bigard Klarinette, Billy Kyle Klavier, Arvell Shaw Bass und Barrett Deems Schlagzeug. Sängerin Velma Middleton verstärkte das Sextett bei einigen Stücken. Armstrong selbst ist mit solistischen Glanzleistungen auf der Trompete sowie ebenfalls als Vokalist zu hören. Zwölf Stücke aus der Feder W.C. Handys erfahren von dieser Besetzung brillante Interpretationen. Interessant ist die Platte aber nicht nur in musikalischer, sondern auch in produktionstechnischer Hinsicht. Entstanden zu Beginn der LP-Ära, musste hier keine Rücksicht mehr auf das dreiminütige Single-Format genommen werden. Handys bekannteste Komposition, der „St. Louis Blues“, ist in Armstrongs Version nun etwa knapp neun Minuten lang. Produzent George Avakian machte überdies Gebrauch von der Möglichkeit, verschiedene Versionen einzelner Stücke im Nachhinein neu zu montieren, und schließlich ist Armstrong per Overdub-Verfahren gelegentlich im Duett mit sich selbst zu hören.
Donnerstag, 30. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Andreas Schaerer
Mehrstimmiger Vokalist aus Bern
Von Michael Rüsenberg
Die Erweiterung der Spieltechniken im Jazz hat nun das älteste aller Instrumente erfasst: nach Posaune und Trompete erklingt jetzt auch der Gesang selbst im Einzelvortrag mehrstimmig. Damit ist nicht die Hilfe durch digitale Klangbearbeitung gemeint (wie sie Andreas Schaerer im Duo mit Lucas Niggli auch praktiziert). Beim Schaffhauser Jazzfestival 2014 verblüffte er an einer Stelle durch Erweiterung des Human Beat Boxing mit einer neuen, zweistimmigen Technik: Schnalzlaute mit dem Mund und Melodien durch die Nase.
Andreas Schaerer, geboren 1976 im Wallis, ist der neue Vokalgipfel aus der Schweiz. Er kann alles: Falsett, Standards, Scat, das „Schnattern“ der Avantgarde und jetzt auch noch Zweistimmigkeit. Und, er kann komponieren. Er schreibt nicht nur für das populärste seiner Ensembles, „Hildegard Lernt Fliegen“, sondern jüngst auch - in Schaffhausen - für ein Saxophon Quartett, plus Baßgitarre. Komponieren hat er in Bern gelernt, bei Klaus König, der in Deutschland fast schon vergessen ist.
Freitag, 31. Oktober, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Deep Tones
Das “Kadima Collective” in Jerusalem
Von Nina Polaschegg
Jean Claude Jones ist Kontrabassist und Gründer des „Kadima Collective“ in Israel. Und er zählt zu den Pionieren der Jazz- dun Improvisationsszene in Israel, wo er seit den 1980er Jahren lebt. Er produziert CDs, DVDs, Bücher. Aber auch Konzerte werden veranstaltet. Die Kadima-Künstler erhalten Unterstützung in Aufnahme und Produktion von Tonträgern. Denn die Improvisationsszene in Israel ist relativ jung, finanzielle Unterstützung rar bis gar nicht gegeben. Eine besondere Reihe ist die Tryptich-Serie. Sie widmet sich Kontrabassistinnen und Kontrabassisten der freien Szene, nicht nur aus Israel – jeweils eine CD, eine DVD und ein Buch portraitieren eine Künstlerin oder einen Künstler und dies nicht nach dem jeweils gleichen Schema, sondern in unterschiedlichen Formaten, ob als Photos und einer Wiederveröffentlichung, langen Interviews und aktuellen Konzertmitschnitten oder eigens angefertigten Aufnahmen. Eine Entdeckungsreise.
| Mehr Infos im Netz unter www.swr2.de/jazz



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