SWR2 - Jazzprogramm April 2016
13.03.2016 20:45 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
April 2016
Freitag, 1. April, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: freejazzblog on air
Free Jazz im Asyl. Von Amerika nach Europa und zurück
Julia Neupert im Gespräch mit Martin Schray
Warum zieht es Musiker und Musikerinnen immer wieder in die Ferne? Aus welchen Beweggründen verlassen sie ihre Heimat und warum ist ihr Musik anderswo manchmal sogar erfolgreicher als daheim? Vor allem auf der transatlantischen Route Amerika-Europa hat es auch im Free Jazz schon immer viel Bewegung gegeben. Wir hören in dieser Sendung von alten und jungen musikalischen Exilanten.
Samstag, 2. April, 9.05 – 10.00 Uhr
Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer „global language“ geworden. „Jazz Across The Border“ hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik, in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Samstag, 2. April, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Snap Crackle
Die Trommelkunst des Roy Haynes
Von Hans-Jürgen Schaal
Er spielte Swing für die Bigbands und freche Offbeats für die Bebopper. Danach mischte er beides und wurde zum „Vater des modernen Drummings“, wie ihn der Gitarrist Pat Metheny nennt. Der Schlagzeuger Roy Haynes, inzwischen 91 Jahre alt, war eine Schlüsselfigur in der Entwicklung des modernen Jazz. Er begleitete Charlie Parker und Thelonious Monk, dann auch John Coltrane und Eric Dolphy, später Gary Burton und Chick Corea. Er hat mit so vielen gespielt, dass er mit 35 Jahren schon als „Veteran“ galt. Als Bandleader umgab sich Roy Haynes immer wieder mit neuen, noch jüngeren Musikern – und er entwickelte sich ständig weiter. Sein persönliches Markenzeichen sind die widerspenstigen, knisternden Nebenakzente, die er so elegant in seinen kraftvollen, swingenden Beat einstreut. Sie brachten Roy Haynes den Ehrennamen „Snap Crackle“ ein – zu Deutsch etwa: „knall-knatter“.
Dienstag, 5. April, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Wiedervereint
Das Quartetto Trionfale mit Günter „Baby“ Sommer, Manfred Schoof, Gianluigi Trovesi und Antonio Borghini bei der Jazzbaltica 2015
Am Mikrofon: Gerd Filtgen
Bereits vor mehr als dreißig Jahren standen der Trompeter Manfred Schoof, der italienische Altsaxofonist und Klarinettist Gianluigi Trovesi und der Drummer Günter „Baby“ Sommer auf der Bühne der Jazzwerkstatt Peitz. Damals traten die Protagonisten unter dem forschen Bandnamen „Peitzer Grand Mit Vieren“ auf. Für den Bassisten der ursprünglichen Besetzung, Barre Phillips, sprang im vergangenen Sommer beim Festival Jazz Baltica der italienische Kollege Antonio Borghini ein. Mit sentimentalen Erinnerungen hat das Quartett nichts im Sinn: Mit unverminderter Energie unternimmt die Formation ihre Vorstöße in kreative musikalische Aktionsfelder.
Donnerstag, 7. April, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Harry Lachner
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs.
Freitag, 8. April, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: On The Edge (4)
Vielfalt in der neuen Welt: Ästhetische Spielformen, Idiome und ihre Entwicklungen
Von Nina Polaschegg
Power Play, Pointillismus, Reduktionismus, Bricolage, laminares Texturspiel – der Kopf könnte einem zu schwirren beginnen, wenn man die Begriffe hört oder liest, mit denen versucht wird, improvisierte Musik heute zu beschreiben. Während sich in den ersten Jahrzehnten seit der Entstehung der sogenannten frei improvisierten Musik einige grundlegende ästhetische Ansätze und Spielidiome entwickelt haben, stellt sich heute die Frage, wie sie sich in den darauffolgenden Jahren verändert haben. Charakteristika verschiedener Spielansätze und ihre Entwicklungen bis heute stehen im Zentrum dieser Ausgabe der Sendereihe „On The Edge! Bruchstücke einer Geschichte der „freien“ Improvisation“.
Samstag, 9. April, 22.03 – 24.00 Uhr
Jazztime: Mehr als nur ein Flirt!
Die Bossa-Nova-Abenteuer des Saxofonisten Stan Getz
Von Odilo Clausnitzer
Nach 1962 war für Stan Getz nichts mehr wie zuvor. Angeregt vom Gitarristen Charlie Byrd hatte der amerikanische Saxofonist eine Platte mit jazzigen Interpretationen brasilianischer Bossa Nova-Musik veröffentlicht. Sie wurde zu einem Sensationserfolg und brachte Getz viel Ruhm und Geld ein. Bossa Nova wurde in den USA zur neuen musikalischen Modewelle. Stan Getz blieb diesem Sound mit seinen nächsten vier Platten treu ‑ darunter die berühmt gewordene Kooperation mit João und Astrud Gilberto, die bis dahin kommerziell erfolgreichste Produktion der Jazzgeschichte. Aber während der unterkühlte Latin-Sound im Zuge seiner Popularisierung anderswo schnell belanglos wurde, machte Stan Getz auf diesem Feld zeitlos gültige künstlerische Statements.
Sonntag, 10. April, 19.33 – 20.00 (nach dem Hörspiel)
Soulful Ladies
Die Altsaxofonistin und Vokalsitin Vi Redd und die Gitarristin Mary Osborne
Von Gerd Filtgen
Mit der im Jahr 1962 aufgenommenen Platte „Bird Call“ statuierte Vi Redd eine Alternative zu Charlie Parkers improvisatorischen Höhenflügen. Wie der legendäre Bop-Musiker spielt auch sie Altsaxofon und überzeugte mit originellen, im Blues verwurzelten Chorussen. Auch als Sängerin überzeugte sie mit nuanciertem Timbre und Phrasierung. Danach folgten nur noch wenige Aufnahmen unter eigenem Namen. Eine Parallele dazu bildet Mary Osborne: Obwohl die Gitarristin, die sich mit ihrer Spielweise in bester Nachfolge zu Charlie Christian befindet – dem Pionier auf diesem Instrument im Jazz – sind Platten unter ihrer Leitung ebenfalls überschaubar. Live trafen sich die beiden „Soulful Ladies“ bei einer Session unter dem signifikanten Titel „Now’s The Time“.
Dienstag, 12. April, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Move Forward
Höhepunkte vom Jazzfest Berlin 2015 (1)
Charles Lloyds „Wild Man Dance“
Am Mikrofon: Tobias Richtsteig
Ein Konzert mit Charles Lloyd ist mehr als nur eine musikalische Erfahrung. Er ist ein Schamane des Jazz, oder in seinen Worten: „Ich bin ein Mann des Blues auf einer spirituellen Reise“. Sein jüngstes Projekt ist eine abendfüllende Suite, uraufgeführt 2013 beim Jazztopad Festival im polnischen Wrocław und inspiriert unter anderem von der ruhig fließenden Energie des Oder-Tals. Das Charles Lloyd Quartet erweiterte er um Sokratis Sinopoulos an der kretischen Lyra und den Budapester Cimbalom-Spieler Miklós Lukács. „Er stammt aus einer Roma-Familie“ erläutert Lloyd „und spielt wunderbar intuitiv. So wirbelt die Musik bei jeder neuen Aufführung wie ein Derwisch“. Wohl auch deshalb gab er der Suite mit ihren großen Freiräumen den Titel „Wild Man Dance“. Die Reihe der Konzertmitschnitte vom Jazzfest Berlin 2015 steht unter dem Motto „Move Forward“; es ist kein Zufall, dass den Auftakt dazu die Aufzeichnung der „Wild Man Dance“-Suite gibt.
Donnerstag, 14. April, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Lichtblicke
Das Children of the Light Trio mit Danilo Perez, John Paticucci und Brian Blade beim Festival Enjoy Jazz 2015 in Ludwigshafen
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Seit über 10 Jahren bilden sie drei musikalische Pfeiler in einer der wichtigsten Working Groups des zeitgenössischen Jazz: dem Wayne Shorter Quartet. 2015 haben sich der Pianist Danilo Perez, der Kontrabassist und Elektrobassist John Patitucci und der Schlagzeuger Brian Blade vorübergehend von Shorter gelöst und präsentierten mit dem Trio Children of the Light einen eigenen gemeinsamen Band-Entwurf. Ergebnis: Magische Momente und Höhepunkte der Interaktion.
Freitag, 15. April, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update: Sonic Wilderness
Von Julia Neupert
Diese neue Reihe auf dem freitäglichen NOWJazz Update Sendeplatz führt in abenteuerliche Zwischenwelten des Jazz. Ob Improv, Electronica, Klangkunst, Noise, Drones oder Rock – für die atmosphärischen Mixes gibt es nur eine Regel: Die Lust am musikalischen Abenteuer muss hörbar sein.
Samstag, 16. April, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Eleganz, Sorgfalt, Witz
Der Gitarrist Volker Kriegel im Portrait
Von Thomas Loewner
Volker Kriegel war das, was man einen „Selfmade Musician“ nennt: das Gitarrespielen hatte er sich selbst beigebracht und wuchs Stück für die Stück in die Jazz-Szene rein. Vor allem seine Kontakte zu Frankfurter Musikern wie etwa den Mangelsdorff-Brüdern führten in den 1960er Jahren dazu, dass Kriegel sich für eine Laufbahn als professioneller Musiker entschied. Der Erfolg gab ihm Recht: Sei es als Mitglied des Dave Pike Set, als Leader seiner eigenen Bands Spectrum und Mild Maniac Orchestra oder als Mitbegründer des United Jazz und Rock Ensemble – Volker Kriegel zählte zu den Lieblingen des deutschen Jazzpublikums. Er hat auch von Anfang an die Nähe zu den Hörern gesucht und distanzierte sich von einem elitären Jazzverständnis: „Mit rückwärts gerichteter Jazz-Romantik und weinerlicher Attitüde ist keinem geholfen. Denn das Gerede der Ideologen, Jazz sei automatisch mehr wert als Unterhaltung, hat uns bloß alle in die Ecke gedrängt.“
Dienstag, 19. April, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Move Forward
Höhepunkte vom Jazzfest Berlin 2015 (2)
The Nine Dances Of Patrick O'Gonogon mit dem Keith Tippet Octet
Am Mikrofon: Nina Polaschegg
Der Pianist Keith Tippett ist einer der Pioniere des freien Spiels. Doch auch im Jazzrock und Artrock mischte er früh mit – und das nicht unbedingt in konventionellen Formen. Stilistische Bandbreite ist eines der Markenzeichen Keith Tippetts, mäandernde, morphende Übergänge finden sich oft in seiner Musik. Für „The Nine Dances Of Patrick O'Gonogon“ versammelte er acht Musiker um sich – junge Hochschulabsolventen sind ebenso darunter wie langjährige musikalische Wegbegleiter des Pianisten. Komponiert hat Tippett eine Suite in neun Sätzen mit anschließender Coda, die klanglich durch die Stimme von Julie Tippetts ergänzt wird. Irische Volksmelodien dienen als Referenz, scheinen hier und da durch, treten hervor, verschwinden wieder ins Nichthörbare. Auch auf klangfarbliche Vielfalt ist Keith Tippett bedacht, so wählt er die Besetzungen und Instrumentalkombinationen unterschiedlich und lässt Solistisches, Kammermusikalisches ebenso erklingen wie das große Tutti.
Donnerstag, 21. April, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Jazz spielen wie ein Rockmusiker
Der Gitarrist Wayne Krantz
Von Michael Rüsenberg
Mit knapp 60 Jahren gehört er zu den Routiniers der Szene. Scheint es – denn Wayne Krantz sieht sich selbst als ein „Nachzügler“. Er habe vieles „mit einer Verspätung von 10 Jahren“ gemacht, sagt der Gitarrist. Dafür hat er unter Instrumentalkollegen einen Ruf als „Einzelanfertigung“, wie Volker Kriegel ihn charakterisiert hätte. Keiner spielt wie Krantz: Diese Konzentration von kurzen Linien, vamps, dreckigen Akkorden auf engstem Raum, immer wieder umkippend in andere Muster, ist einzigartig. Wo kommt das her? Wayne Krantz zeigt, dass Inspiration klanglich nicht mit der Quelle verwandt sein muss: „Ich denke, Interaktivität wie in den 1960ern könnte in die Grooves von Funk und Rock übertragen werden und dort genau so leben wie bei beim swing von Miles“.
Freitag, 22. April, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Transatlantisch
Der Gitarrist Noël Akchoté im Portrait
Von Harry Lachner
Der Klang der Objekte: Was mit der Musique Concrète als Revolution der Kompositionsstrategien begann, ist mittlerweile eine Normalität in der Improvisationsmusik. Der Gitarrist Noël Akchoté macht – wie etwa sein Vorläufer Derek Bailey – die Gitarre zum Objekt. Selbst die alte Akustik-Gitarre klingt bei ihm wie alles Mögliche, nur nicht nach dem Vertrauten. Auch wenn Noël Akchoté nur die Saiten spielt, unpräpariert, vermeidet er den Schönklang. Ein Wort in dem immer auch ein wenig das „Beschönigende“ mitschwingt. Das Falsche also, die Vorspiegelung, die Verblendung. Auch wenn sich das Angebot an technischen Verfremdungsmitteln ins schier Unendliche erweitert hat, genügen Akchoté oftmals kleine, handliche Dinge, die in der Begegnung mit dem Instrument das Unerhörte hervortreten lassen. Doch ist es oftmals nicht die Gitarre allein, denn Akchoté setzt den Verstärker in den Rang eines zweiten Instruments.
Samstag, 23. April, 22.30 – 24.00 Uhr
Jazztime: Goin‘ To Kansas City
Der Sänger Jimmy Whiterspoon
Von Bert Noglik
Seine Fans nannten ihn „Spoon“, den Bluessänger Jimmy Witherspoon. Er selbst empfand eine natürliche Wahlverwandtschaft zum Jazz und machte einige seiner besten Aufnahmen im Verein mit Jazzmusikern. Bereits Mitte der 1940er Jahre wurde er Sänger der Band von Jay McShann, der er für vier Jahre angehörte und zu der er in den 1950er Jahren noch einmal zurückkehrte. Für Jimmy Witherspoon war Jay McShann, den er seinen großen Lehrmeister nannte, ein musikalisch idealer Partner. Das 1957 aufgenommene Album „Goin' To Kansas City Blues“ dokumentiert Jimmy Witherspoon im spannungsreichen und durchaus stimmigen Kontext von Big-Band-Swing und Blues Shouting.
Sonntag, 24. April, 19.40 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Geschichte eines Jazz-Standards (3)
April in Paris
Von Hans-Jürgen Schaal
Der Monat April – der Frühling erwacht, die Liebe erblüht. Schon immer hat das Thema die Dichter und Songschreiber inspiriert. Als 1932 für das Broadway-Musical „Walk A Little Faster“ noch ein Liebeslied gesucht wurde, schrieben Vernon Duke (Musik) und „Yip“ Harburg (Text) kurzerhand „April In Paris“. Der Songkenner Alec Wilder erkannte in dem Lied den „perfekten Theatersong“. Für den Jazz haben erst die Bebopper in den 1940er Jahren „April In Paris“ so richtig entdeckt. Musiker wie Charlie Parker und Thelonious Monk faszinierte dabei vor allem der harmonische Ablauf des Songs. Nach dem Hollywood-Film „April In Paris“ mit Doris Day stürzten sich aber auch die Jazzsängerinnen darauf, darunter Sarah Vaughan, Ella Fitzgerald und Billie Holiday. Und spätestens seit der berühmten Aufnahme des Count-Basie-Orchesters auf dem gleichnamigen Album ist „April In Paris“ aus dem Standard-Repertoire des Jazz nicht mehr wegzudenken.
Dienstag, 26. April, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Move Forward
Höhepunkte vom Jazzfest Berlin 2015 (3)
Mit dem Cécile McLorin Salvant Quartet und Vincent Peiranis Living Being
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Sie phrasiert intonationssicher, rhythmisch fein nuanciert und mit hintergründigem Witz: Beim Jazzfest Berlin 2015 konnte man live jene Qualitäten erleben, die der afroamerikanischen Sängerin Cecile McLorin Salvant ein halbes Jahr später einen Grammy einbringen sollten (für das beste Jazzalbum). Souverän gebietet ihre Stimme über das gesamte Spektrum der Black American Music und der Jazztradition. Komplett anders spielte am selben Abend die zweite Band. Mit dem Quintett Living Being, der Working Band des wunderbaren Akkordeonisten Vincent Peirani, präsentierte sich die Speerspitze des aktuellen kreativen gallischen Jazz.
Donnerstag, 28. April, 23.10 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Working Band Hero
Der Posaunist Nils Wogram und seine vielfältigen Projekte
Von Bert Noglik
Nils Wogram hat die Jazztradition verinnerlicht und weiß, dass man dieser nur treu bleiben kann, wenn man sie ständig weiterentwickelt. Mit erstaunlicher Langzeitenergie und musikalischen Visionen gelang es dem Posaunisten und Bandleader, sich als einer der tonangebenden Jazzmusiker seiner Generation zu profilieren. Nils Wograms Schaffen spannt sich von erdigen Grooves bis zu kammermusikalischen Klangbildern. Der Posaunist mit ausgefeilter Technik und musikalischer Phantasie legt großen Wert darauf, kontinuierlich und über längere Zeiträume mit festen Ensembles zu arbeiten. In diesen Austausch- und Reifungsprozessen sind unverwechselbare Bandsounds entstanden – sei es mit dem Nils Wogram Septett, mit Root 70, dem Nostalgia Trio oder im Duo mit dem Pianisten Simon Nabatov.
Freitag, 29. April, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Move Forward
Höhepunkte vom Jazzfest Berlin 2015 (4)
George Lewis' Creative Construction SetTM mit dem Splitter Orchestra
Am Mikrofon: Julia Neupert
Das Eröffnungskonzert beim letztjährigen Jazzfest Berlin war ein mutiges kuratorisches Statement des künstlerischen Leiters Richard Williams: Mit dem 24köpfigen Splitter Orchester hatte er ein Improvisationsensemble eingeladen, das sich kompromisslos der experimentellen Haltung der Berliner Echtzeitmusikszene verpflichtet fühlt. In Berlin mit auf der Bühne: der legendäre amerikanische Komponist, Elektroniker und Posaunist George Lewis. Er hatte für das Splitter Orchestra ein neues Werk geschrieben. Das „Creative Construction SetTM“ erlebte in Berlin seine Uraufführung.
Samstag, 30. April, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Gleiten – Fließen – Schweben
Die Pedal-Steel-Gitarre im Jazz
Von Ssirus W. Pakzad
Die Pedal Steel Gitarre ist unter den im Jazz eingesetzten Instrumenten ein vermeintlicher Exot. Dabei wird der in den 1930er Jahren in den USA entwickelte und sonst meist in der Country-Musik vorkommende Klangerzeuger in Jazzgruppen gar nicht so selten genutzt. Bandleader wie Brian Blade, Per Texas Johansson, Florian Ross oder Nils Petter Molvær verfielen dem Reiz des mit einem Metallröhrchen, Pedalen und Kniehebeln gespielten Instruments bereits und ließen es in ihrer Musik eine prominente Rolle spielen. Zu den bekanntesten Pedal Steel Guitar-Virtuosen gehören die Amerikaner Dave Easley, Robert Randolph und Greg Leisz, der norwegische Multiinstrumentalist Stian Carstensen oder der Schwede Johan Lindström.
SWR Jazzpreis 2016 an Julia Hülsmann
Veranstaltungshinweis
Mo. 18. April / 20 Uhr
SWR2 NOWJazz Session im Karlsruher Tollhaus (Veranstalter: Jazzclub Karlsruhe)
Robert Landfermann Quintett
Robert Landfermann, Kontrabass / Christian Weidner, Altsaxofon / Sebastian Gille, Tenorsaxofon / Elias Stemeseder, Klavier / Jim Black, Schlagzeug.
Robert Landfermann ist als Bassist ein vielgefragter Partner, sein Bass-Sound ist im aktuellen deutschen Jazz allgegenwärtig, als kraftvolle Stütze genauso wie als kreativer Unruhestifter. Der Mitbegründer des Kölner Klaeng-Kollektivs gehört zu Deutschlands meistbeschäftigten Jazz-Bassisten. In der letzten Zeit tritt Landfermann allerdings immer stärker auch als Komponist und Bandleader hervor. Wirbelnde Energie und glasklare Präzision kennzeichnen sein Quintett. Landfermann, der 2014 mit dem Pablo Held Trio den SWR-Jazzpreis gewonnen hat, spricht auch gern vom „Flow“ und der „Empathie“ in der Musik. Mit den Saxofonisten Christian Weidner und Sebastian Gille hat er sich zwei Individualisten an seine Seite geholt, die ihre Holzblasinstrumente auf besondere Weise „singen“ und „growlen“ lassen. Pianist Elias Stemeseder verbindet klares Formbewusstsein mit einer spritzig unkonventionellen Spielhaltung. Und mit dem New Yorker Jim Back ist ein ungemein musikantischer Drummer in der Band, der Rhythmen in jede erdenkliche Richtung lenken und überraschend entwickeln kann.
| Mehr Infos im Netz unter www.swr2.de/jazz



Einen Kommentar schreiben