SWR2 - Jazzprogramm Dezember 2015
12.11.2015 12:27 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Dezember 2015
Dienstag,1. Dezember, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: The Liberty Of Sound
Edgar Varèse und der Jazz
Daniel Riegler und die NDR Bigband spielen Charlie Parker, Charles Mingus, Frank Zappa und Edgar Varèse
Am Mikrofon: Nina Polaschegg
Der Wiener Posaunist, Komponist und Ensembleleiter Daniel Riegler war mittlerweile schon zweimal zu Gast bei der NDR Bigband. Im Januar 2013 spielte die NDR Bigband Eigenkompositionen von Daniel Riegler. 2015 luden ihn die Hamburger erneut ein – diesmal als Arrangeur und Dirigent für ein besonderes Projekt: Der Komponist Edgar Varèse spielt eine bedeutende Rolle in der Entwicklung zeitgenössischer komponierter Musik. Doch Varèse war auch ein begeisterter Jazzhörer. Umgekehrt waren Jazzmusiker wie Charlie Parker begeistert von Varèses Musik. 1957 kam es zur Zusammenarbeit von Edgar Varèse und Jazzgrößen wie Charles Mingus, Art Farmer, Teo Macero und anderen. Unter dem Titel „The Liberty of Sound – Edgard Varèse and the Jazz“ begab sich die NDR Bigband auf Spurensuche, Daniel Riegler dirigierte und arrangierte.
Donnertag, 3. Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Ruppig-schön
Der Saxofonist und Klarinettist Tobias Delius im Porträt
Von Niklas Wandt
Geboren in Oxford, aufgewachsen in Nordengland und im Ruhrgebiet, musikalisch verwurzelt in Amsterdam, wohnhaft in Berlin: Die Lebensstationen von Tenorsaxofonist, Klarinettist und Komponist Tobias Delius spiegeln die stilistische Breite seines Spiels, in dem die gesamte Tradition beider Instrumente abrufbereit scheint. Delius weiß Brüche und fliegende Wechsel mit einem Sinn fürs Sardonische, Absurde zu gestalten – eine Ästhetik, die er unter anderem mit Pianist Misha Mengelberg und Drummer Han Bennink teilt. Ihnen begegnet Delius zunächst in kleineren Formationen, 2005 wird er Mitglied in deren ICP Orchestra. ICP steht für „Instant Composers’ Pool“, ein Name, der nicht nur die Arbeitsweise dieser großen Formation umreißt, sondern auch die von Delius’ eigenen Bands. In denen agiert er mit seinen Mitmusikern zwischen freier Improvisation, komponierten Fetzen Hardbop, Bossa Nova, Neuer Musik, Marschmusik und vielem mehr.
Freitag, 4. Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: 4x3 in Südwest
Das Anthony Braxton Trio, Leimgruber/Demierre/Phillips, Kimmig/Studer/Zimmerlin und Anker/Jernberg/Sandell in Mitschnitten des SWR 2015
Am Mikrofon: Julia Neupert
Trios standen in den vergangen Monaten auffallend oft im Mittelpunkt verschiedener NOWJazz Sessions. Tatsächlich ist diese Besetzung nach wie vor eine sehr beliebte – sowohl im Free Jazz als auch in der zeitgenössisch improvisierten Musik. Wie vielfältig dabei die Herangehensweisen sind, soll in diesem Zusammenschnitt von vier herausragenden Triokonzerten noch einmal nachzuhören sein, mit Aufnahmen aus der Manufaktur Schorndorf, dem ZKM in Karlsruhe, der Galerie Schneider in Freiburg und von den Donaueschinger Musiktagen.
Samstag, 5. Dezember, 9.05 – 10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer „global language“ geworden. „Jazz Across The Border“ hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Samstag, 5. Dezember, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Sprudelnder Jungbrunnen
Der amerikanische Pianist Christian Sands
Von Ssirus W. Pakzad
In den Bands der Bassisten Christian McBride und Ben Williams sorgt der Pianist Christian Sands mit blendender Technik und überschäumendem Temperament derzeit für Furore. Auf den 26jährigen aus New Haven in Connecticut trifft der oft strapazierte Begriff „Wunderkind“ tatsächlich zu. Als 5jähriger schrieb er bereits erste Kompositionen, mit 11 veröffentlichte er sein erstes Solo-Album. Stilistisch ist Sands swingendes Spiel breit gefächert: Er beherrscht das Stride-Piano, verwendet Elemente aus Bebop, Fusion und afrokubanischer Musik. Viele seiner Kollegen halten Christian Sands für eines der größten Klaviertalente seiner Generation.
Montag, 7. Dezember, 20.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Abendkonzert: Hommàge a Eberhard Weber
Pat Metheny, Jan Garbarek, Gary Burton und die SWR Big Band beim Eberhard Weber Jubilee Concert im Stuttgarter Theaterhaus 2015
Am Mikrofon: Günther Huesmann
Der aus Esslingen stammende Kontrabassist Eberhard Weber gehört zu Deutschlands international bekanntesten Musikern. Er hat mit seiner Band „Colours“ in den 1970er Jahren europäische Jazzgeschichte geschrieben und den Bass zu einer führenden Solostimme gemacht. Im Januar dieses Jahres bekam Weber, der seit einem Schlaganfall 2007 keinen Bass mehr spielen kann, in Stuttgart für sein Lebenswerk den Ehrenpreis des Landes Baden-Württemberg überreicht. Musikalisch brachte das Eberhard-Weber-Jubilee-Concert gleich mehrere Überraschungen. Erstmals waren Webers Kompositionen im Rahmen einer Big-Band zu erleben; in Arrangements von jungen Jazzmusikern aus Baden-Württemberg. Zudem ließen sich Weggefährten aus alten Tagen, wie der Saxofonist Jan Garbarek, der Vibrafonist Gary Burton und der Englischhornspieler Paul McCandless etwas einfallen lassen, um Weber und seine Musik zu feiern. Zum umjubelten Höhepunkt des Abends geriet eine 30minütige Suite, die der amerikanische Gitarrist Pat Metheny seinem großen Vorbild gewidmet und für die SWR Big Band komponiert hat: das Stück „Hommage“, das auf Solo-Bass-Aufnahmen von Weber aufbaut.
Dienstag, 8. Dezember, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Aus dem Archiv
The Divine One
Sarah Vaughan 1985 in Karlsruhe
Am Mikrofon: Gerd Filtgen
Auf die Rolle einer reinen Jazz-Sängerin wollte sich Sarah Vaughan (1924-1990) niemals festlegen. Obwohl sie ihre Karriere in den Swing und Bebop Bands der 1940er Jahre startete, war sie später auch offen für andere musikalische Entwicklungen. Bei ihrem Konzert in der Stadthalle Karlsruhe trat die Vokal-Diva mit dem Frank Collett Trio auf. Der einfühlsam agierende Pianist hatte sich auf die musikalische Begleitung von Sängerinnen spezialisiert. Mit ihrer an den Tonumfang von Künstlerinnen der klassischen Musik erinnernden wandlungsfähigen Stimme interpretierte sie Standards aus dem Great American Songbook.
Donnerstag, 10. Dezember, 23.03 – 23.00 Uhr
NOWJazz: Der Code der Freiheit
Erinnerungen an den Schlagzeuger Ronald Shannon Jackson
Von Harry Lachner
Mit seiner Verbindung von freiem Jazz, Funk, Blues- und Rock-Formeln war der Schlagzeuger einer der wichtigsten Vertreter dessen, was man in den 1980er Jahren mit dem Etikett „Free Funk“ oder „No Wave“ belegte. Jackson schuf mit seiner „Decoding Society“ eine rhythmisch prägnante und doch gezielt offene Musik, deren Grundimpuls aus der Idee herrührte, dass die Hierarchien zwischen den Stilformen nur künstlich inszenierte wären. Ronald Shannon Jackson aber allein auf die Free-Funk-Phase festzulegen, würde der Gesamtheit seiner Arbeiten nicht gerecht: Er konnte sich in jedem Kontext souverän bewegen, ja, ihn auch gelegentlich mit seinem kraftvollen Spiel dominieren – ob beim Pianisten Cecil Taylor, dem Saxofonisten Ornette Coleman, in der Begegnung mit Posaunist Albert Mangelsdorff oder in der Band Last Exit. Einer Nervenkrankheit wegen musste er die Musik vorübergehend aufgeben, kehrte aber 2005 auf die Szene zurück; einige Jahre später erkrankte er an Leukämie, an deren Folgen er 2013 im Alter von 73 Jahren starb.
Freitag, 11.Dezember, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update
Von Nina Polaschegg
Das NOWJazz Update ist zumindest einmal im Monat zumeist halbstündig auf der nächtlichen Freitagsschiene platziert und dient der Präsentation neuester Tendenzen der improvisierten Musik. Es erlaubt den ModeratorInnen, besonders wichtige Neuerscheinungen eingehender vorzustellen, als dies im NOWJazz Magazin möglich ist. Was gespielt wird, entscheiden die SWR2-JazzautorInnen erst kurz vor dem Sendetermin.
Samstag, 12. Dezember, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: 100 Jahre Frankie Boy
Frank Sinatra in Aufnahmen mit dem Count Basie Orchestra und dem Red Norvo Quintet
Von Hans-Jürgen Schaal
Frank Sinatra (1915-1998) war nicht nur ein ungewöhnlich erfolgreicher Schlagersänger, Schauspieler und Entertainer – er war auch eine Symbolfigur des Jazz. Seine Karriere begann in den Bigbands der Swing-Ära, Billie Holiday war sein großes Vorbild, sein Gesangsstil war deutlich von der Ausdruckssprache der swingenden Musik geprägt. Selbst afroamerikanische Jazz-Größen wie Duke Ellington, Lester Young oder Miles Davis bezeichneten ihn als ihren Lieblingssänger. Anlässlich seines 100. Geburtstags erinnern wir an den Jazz-Vokalisten Sinatra mit Aufnahmen aus den Jahren 1959 bis 1966.
Dienstag, 15. Dezember, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Free Folk
Das Duo Otto Lechner/Arnaud Méthivier und das Nicolas Simion Quartett mit dem Fanfare Shavale beim INNtöne Festival 2015
Am Mikrofon: Bert Noglik
Das Duo und das zur großen Band erweiterte Quartett – beide schöpfen aus folkloristischen Traditionen und brechen diese zugleich auf durch den freien Geist der Improvisation. Otto Lechner, einzigartiger Akkordeonist im Niemandsland zwischen Kammer- und Volksmusik, Jazz und Experimentalklang, hat in Arnaud Méthivier einen Gleichgesinnten gefunden. Méthivier, der ursprünglich aus der Chanson-Szene kommt, strebt wie Otto Lechner und mit ihm im Dialog nach dem „unerhörten Klang“. Das international besetzte Quartett um den aus Rumänien stammenden und in Köln lebenden Saxofonisten Nicolas Simion integriert Ethno-Einflüsse unterschiedlicher Herkunft in vitale Spielabenteuer. Im gemeinsamen Musizieren mit der traditionell fundierten Fanfare Shavale kommt es dabei zu ekstatischen Steigerungen.
Donnerstag, 17.Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Im Zeichen der Schlange
Das Quintett Snakeoil des Altsaxofonisten Tim Berne
Von Thomas Loewner
Der Altsaxofonist Tim Berne gehört seit über dreißig Jahren zu den auffälligsten Musikern aus New York. Seit er 1979 seine erste Platte veröffentlicht hat, etablierte sich Berne als eine der kompromisslosesten Stimmen der Avantgarde-Szene. Seine häufig langen, komplexen Kompositionen und sein kantiger Improvisationsstil entziehen sich hartnäckig kommerziellen Gesetzen, bescherten ihm dafür aber viel Anerkennung aus Musiker- und Kritikerkreisen. Bernes aktuelles Projekt ist die Band Snakeoil: gegründet 2012 als Quartett, hat er die Gruppe inzwischen zum Quintett erweitert. Mit dem Klarinettisten Oscar Noriega; Matt Mitchell an Piano und Electronics; Schlagzeuger Ches Smith und dem neu hinzugekommenen Gitarristen Ryan Ferreira hat er Musiker gefunden, die den nahtlosen Wechsel zwischen Bernes kompositorischen Vorgaben und intensiven freien Passagen problemlos meistern.
Freitag, 18. Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Jenseits der Exotik
Die Koto-Spielerin Miya Masaoka
Von Harry Lachner
Bereits im Instrument selbst spiegelt sich der Ansatz Miya Masaokas: die Auseinandersetzung mit einem traditionellen, ja geradezu Jazz-fremden Klang – und der Wille zur Erkundung des Fremden und Befremdlichen. „Als Komponistin, die sich mit neuen Klängen, Kontexten, Strukturen und Wirklichkeiten beschäftigt, habe ich keine andere Wahl als meine eigene musikalische Wirklichkeit zu schaffen“, sagte die Kotospielerin in einem Interview. Geprägt ist Masaokas persönliche Realität von der Musiktradition Japans ebenso stark wie von der Entwicklung des freien Jazz. Mit ihrem Album „Monk's Japanese Folk Song“ befreite Masaoka 1997 einige Kompositionen Thelonious Monks von jedem Anflug des Klischierten und Vertrauten. In ihrer Absicht, das Unwägbare zu wagen, konzentrierte sie sich in vielen Projekten in erster Linie auf die freie Improvisation – mit Musikern wie Andrew Cyrille, Jon Rose, Henry Kaiser oder George Lewis. Sie erweitert in ihrer Ästhetik nicht nur die Sprache der Koto, sondern ringt den Vorstellungen eines aktuellen Jazz ganz neue Aspekte ab.
Dienstag, 22.Dezember, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs 2015
Von Günther Huesmann
Kurz bevor sich die Jazz-Saison dem Ende zuneigt, fragen wir: Was waren die wirklich spannenden und prägenden Alben des Jahres? Welche brennenden Themen brachten sie? Günther Huesmann stellt die aufregendsten Aufnahmen des Jazz-Jahrgangs 2015 vor; Sounds, die aus der Flut der Neuveröffentlichungen herausragen und die über das Tagesaktuelle hinaus immer wieder hörenswert sind.
Mittwoch, 23. Dezember, 20.03 – 21.00 Uhr
SWR2 extra: Flucht und Asyl
Where Are You Going To?
Wie Migration die Musik verändert
Von Michael Rüsenberg
Migranten bringen ihre Musik aus der Heimat mit; sie mischt sich, wenn sie nicht unterdrückt wird, mit den Musiken, die sie in ihrer neuen Heimat vorfinden. So ist zum Beispiel Anfang des 20. Jahrhunderts der Jazz entstanden, ein Amalgam von Musiksprachen aus Westafrika, Europa und Amerika. Ganz anders klingend ist dieser Prozess auch heute noch im Gange, ein ausgesprochener „World Jazz“ ist entstanden. Migration und Musik, wie funktioniert das überhaupt? Welche Erfahrungen ergeben sich aus der Geschichte, welche Hoffnungen, vielleicht auch Befürchtungen für die Zukunft? Die Sendung diskutiert diese Fragen mit zwei ausgewiesenen Kennern der Materie: mit dem Musikwissenschaftler Martin Pfleiderer von der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und mit dem Musikethnologen Raimund Vogels von der Universität Hildesheim.
Donnerstag, 24. Dezember, 12.30 – 13.00 Uhr
SWR2 Xmas Jazz: Christmas in New Orleans
Der Trompeter Wynton Marsalis interpretiert Xmas-Songs
Von Gerd Filtgen
Am Weihnachtsabend weisen Santa-Claus-Leuchtfeuer entlang des Mississippi den Weg nach New Orleans. Im French Quarter sind die Straßen mit festlichen Lichterdekorationen geschmückt und aus den Lokalen der Bourbon Street dringen jazzige Weihnachts-Songs. Mit der Platte „Crescent City Christmas Card“ machte der Trompeter Wynton Marsalis nicht nur seiner Heimatstadt ein Weihnachtsgeschenk. Mit seiner exquisit besetzten Band – mit dabei sind unter anderem der Posaunist Wycliff Gordon und der Klarinettist Alvin Batiste – sorgt er mit im jazzigen Groove gebotenen Christmas-Songs wie „Silent Night“ und „Little Drummer Boy“ überall für Festtagsfreuden.
Freitag, 25. Dezember, 17.05 – 17.55 Uhr
SWR2 Swinging Christmas: Hymnisch
Der Pianist Tigran Hamasyan und der Yerevan State Chamber Choir
Von Thomas Loewner
Der armenische Pianist Tigran Hamasyan kann auf eine beispiellose Karriere zurückblicken. Als er im Jahr 2000 – damals war er gerade mal 13 Jahre alt – beim internationalen Jazzfestival Jerewan die Bekanntschaft mit Chick Corea und dem französischen Konzertveranstalter Stéphane Kochoyan machte, war das der Anfang eines rasanten Aufstiegs: Es folgten Auftritte bei den größten französischen Festivals, der Gewinn der Thelonious Monk Jazz Competition und 2009 schließlich der Umzug nach New York. Doch so selbstverständlich sich Hamasyan auch auf internationalem Jazzparkett bewegt, hat er die musikalische Bindung zu seiner Heimat nie abreißen lassen. Für sein aktuelles Projekt „Luys I Liso“ beschäftigte er sich etwa intensiv mit der sakralen Musik Armeniens. Hamasyan hat Kompositionen aus dem Zeitraum des 5.-20.Jahrhunderts ausgewählt und für Klavier und Vokalensemble arrangiert. Konsequenterweise nahm er die Musik in Armeniens Hauptstadt Jerewan auf und engagierte für das Projekt den Yerewan State Chamber Choir. Herausgekommen ist ein Album, das auf faszinierende Weise archetypisch und trotzdem nicht aus der Zeit gefallen klingt.
Samstag, 26. Dezember, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Nordic Listening
Der norwegische Saxofonist und Bandleader Geir Lysne
Von Bert Noglik
Sein Zugang zur Arbeit mit Großformationen erweist sich als außerordentlich individuell und unkonventionell. Der aus Trondheim stammende Geir Lysne hat sich vor allem mit dem von ihm geleiteten „Geir Lysne Listening Ensemble“ einen Namen gemacht. Für dieses entwirft er eine Musik, die sich den Big-Band-Klischees widersetzt, die Stilelementen aus Jazz, Rock, Klassik und Folklore einbezieht und die bei aller Klangvielfalt ein eigenes Flair entfaltet. Einem seiner Alben gab Geir Lysne den Titel „The Grieg Code“. Dabei geht es nicht im herkömmlichen Sinne um Bearbeitungen, sondern um die Integration von Charakteristika der Musik Edvard Griegs in das Spiel einer im Heute verankerten Band. Nordisch ist die Musik von Geir Lysne vor allem in der Art, wie er als Komponist, Saxofonist und Bandleader mit Raum, Klang und Melodien umgeht.
Dienstag, 29. Dezember, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs 2015
Von Julia Neupert
Persönliche Lieblingsalben aus der älteren oder jüngeren Jazzgeschichte werden in „My Favorite Discs“ regelmäßig vorgestellt: von den Autorinnen und Autoren unserer SWR2-Jazzredaktion. Am Ende des Jahres zieht diese Reihe nun – wie immer bekennend subjektiv! – Bilanz über die Veröffentlichungen der vergangenen zwölf Monate. Welche Überraschungen hat es im Jahr 2015 gegeben, welche Neuentdeckungen erstaunten, welche Musikerinnen und Musiker bescherten die anregendsten oder interessantesten Hörererlebnisse?
Mittwoch, 30. Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr
Jazztime extra: Dauner Forever!
Wolfgang Dauner zum 80. Geburtstag
Von Odilo Clausnitzer
Der Pianist und Komponist Wolfgang Dauner gehört zu den prägenden, herausragenden Figuren der deutschen Jazzgeschichte. Seine Produktivität und Vielseitigkeit ist dabei beispiellos: Von Free Jazz bis zur Begleitung des Liedermachers Konstantin Wecker, vom radikalen Happening bis zur Fernsehmusik für Kinder reicht sein Betätigungsfeld. Dauner begann in den 1960er Jahren als moderner Pianist in der Bill Evans- und Paul Bley-Tradition. Bald aber öffnete er seine Musik für elektronisches Instrumentarium: Dauner gilt als Synthesizer- und Moog-Pionier des europäischen Jazz. Seine Band „Et Cetera“ führte das Genre Jazzrock an experimentelle Grenzen. 1975 gründete Dauner das „United Jazz & Rock Ensemble“, das fast drei Jahrzehnte lang erfolgreich bestand. Auch als Solo-Pianist setzte Dauner Maßstäbe. Seine jüngste Veröffentlichung ist ein Duo-Projekt mit seinem Sohn, dem Schlagzeuger Florian Dauner. Am 30.12.15 kann Wolfgang Dauner seinen 80. Geburtstag feiern. Aus diesem Anlass lässt Jazztime seine lange Karriere Revue passieren.
Fast alle Jazz-Sendungen von SWR2 können als Audio on Demand im Internet 7 Tage online abgerufen werden. Auf www.swr2.de/jazz finden Sie Musiklisten und weitere Informationen zum Programm von SWR2.



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