SWR2 - Jazzprogramm Dezember 2016
24.11.2016 18:03 von jazz (Kommentare: 0)

SWR 2 Jazzprogramm
Dezember 2016
Donnerstag, 1. Dezember, 23.38 – 00.35 Uhr
NOWJazz: Revolution per Zufall
Der E-Piano-Erneuerer Jozef Dumoulin
Von Michael Rüsenberg
Als Jozef Dumoulin 1975 in einem Dorf bei Gent geboren wird, ist das Instrument, das er später revolutionieren wird, 10 Jahre auf dem Markt und hat einen Großteil seiner Geschichte hinter sich. Die großen Soli von Herbie Hancock, Chick Corea, Joe Zawinul sind konserviert, Moog und Arp Synthesizer regieren - was sollte aus dem Fender Rhodes Electric Piano noch werden?
Man hörte hier und da noch die typisch perlenden Läufe auf dem Fender, aber zum Hauptinstrument wurde das nette Zweitinstrument erst 2013; da nahm Jozef Dumoulin das erste Solo-Album damit auf, knapp 50 Jahre nach Erfindung des Fender Rhodes Electric Piano. Dumoulin stieß per Zufall darauf, ganz so, wie es sich der Konstrukteur Harold Rhodes (1910-2000) gedacht hatte, als Ersatz für ein "richtiges" Piano. Bloß: Dumoulin löste das E-Piano aus seinem historischen Kontext, aus dem ästhetischen Verbund mit Funk & Co. Ihn interessierten vor allem die vielen kleinen Zusatzteile, mit denen man den Klang des Instrumentes in Richtung Electronica führen kann. Jozef Dumoulin wäre aber als reiner Klangtüftler gänzlich missverstanden. Er ist ein Teamplayer, ein Jazzmusiker mit beachtlichem Talent zur Improvisation. Wo er auftritt, ist nicht nur klanglich was los.
Freitag, 2. Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Im Labyrinth der Gegenwart
Der Pianist Agusti Fernández im Porträt
Von Harry Lachner
Barry Guy, Derek Bailey, William Parker - das ist das künstlerische Umfeld, in dem sich Agustí Fernández in den letzten Jahren profilierte. Doch nicht nur in diesem Kontext oftmals frei improvisierter Musik nimmt der spanische Pianist eine herausragende Stellung ein. Er gehört zu einer Musikgeneration, die ein besonderes Interesse an neuen Kompositionsmodellen pflegt. Jenseits dessen, was Derek Bailey einmal als "nicht-idiomatische" Musik bezeichnete, verfügt Fernández - der u.a. bei Iannis Xenakis studierte - über ein erstaunliches Reservoire an Formen, die er zu immer neuen Spielmodellen verknüpft. Obgleich er relativ spät sein erstes Solo-Album veröffentlichte (er war damals 33 Jahre alt), kann er heute auf eine umfangreiche Discografie blicken; darunter Aufnahmen in einem eher intimen Rahmen, aber auch zusammen mit einem großen Ensemble. In jedem Fall erzählt seine Musik vom Willen zur formalen Innovation und zu einer ganz eigenen Sprache.
Samstag, 3 Dezember, 9.05 – 10.00 Uhr
SWR2 Musikstunde: Jazz Across The Border
Von Günther Huesmann
Der wohl auffallendste Trend im aktuellen Jazz ist seine fortschreitende Globalisierung. Entstanden um 1900 in den USA als hybride Musik, ist der Jazz durch die Idee groß geworden, dass es sich immer lohnt, wenn man sich auch mit etwas Anderem beschäftigt als nur mit sich selbst. Die in der Improvisation angelegte Idee des Dialogs erleichtert es Jazzmusikern, sich anderen Stilen und Musikkulturen zu öffnen. So ist Jazz zu einer "global language" geworden. "Jazz across the border" hört auf unterhaltsam-informative Weise hin: Wie verändern Musikerinnen und Musiker aus Südamerika, Afrika und Asien die improvisierte Musik von heute? Welche Antworten geben sie auf die Frage nach einer Musik, in der jeder improvisierende Spieler eingeladen ist, seinen eigenen Sound zu entwickeln, mit seinen ganz eigenen musikalischen Sichtweisen, Statements und kulturellen Färbungen?
Samstag, 3. Dezember, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: Der Gentleman der Trompete
Art Farmer im Portrait
Von Odilo Clausnitzer
"Art ist ein wirklich netter Typ, sehr ruhig und außerdem ein wahnsinniger Trompeter". Mit dieser knappen Charakterisierung bringt Miles Davis zwei Fakten über seinen Kollegen Art Farmer auf den Punkt. Im Leben war Farmer ein Gentleman, in der Musik die Verkörperung vollendeter Geschmackssicherheit. Seine Improvisationen - gelassen phrasiert, sparsam, prägnant und klar in der Tonwahl - wirken oft so perfekt ausbalanciert, dass man sie runder nicht hätte vorab planen können.
Art Farmer, geboren 1928, war einer der wichtigsten Trompeter des Hard Bop. Er verband den zupackenden Grundgestus dieser Musik jedoch mit einem Sinn für Luftigkeit, Eleganz und Introvertierheit. Ein zentrales Ensemble seiner Karriere war das 1960 mit dem Saxofonisten Benny Golson gegründete "Jazztet"; ein Sextett, das geradezu exemplarisch kompositorische Raffinesse mit zupackendem swing verband. Ab Mitte der 1960er Jahre spezialisierte sich Farmer als einer der ersten auf das weichere Schwesterinstrument der Trompete, das Flügelhorn.
Man hat den technisch souveränen Bläser Farmer auch in experimentierfreudigen Third Stream-Kreisen antreffen können, aber was seine eigene Spielauffassung anging, blieb er zeitlebens einem "klassischen" Mainstream-Ideal verpflichtet und war auch am Bebop-Revival der 1980er Jahre beteiligt. Er starb 1999 in New York. Die Sendung gibt einen Querschnitt seines Schaffens - mit Akzent auf der ersten Hälfte seiner Karriere.
Sonntag, 4. Dezember, 19.15 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Wohl bekomm's! Schlemmen nach Noten
Von Ssirus W.Pakzad
Viele Jazzmusiker sind Genussmenschen. Gerne lassen sie sich auch von dem inspirieren, was auf den Teller kommt, ihren Gaumen kitzelt und den Magen wärmt. Davon kündet etwa das Buch "Jazz Cooks", in dem berühmte Instrumentalisten dem Bassisten Dieter Ilg ihre Lieblingsrezepte verraten und über die Beziehung zwischen Jazz und gutem Essen philosophieren. In dieser Ausgabe von SWR2 Jazz wird gleichsam nach Noten geschlemmt - wir servieren beste nahrhafte "Ohren-Cuisine" in Form kulinarisch beeinflusster Musik von u.a. John Ellis, Ray Anderson, Kirk Knuffke und Nils Wogram.
Dienstag, 6. Dezember, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Double The Double Bass
Sebastian Gramss und William Parker im Badischen Kunstverein Karlsruhe
Am Mikrofon: Julia Neupert
Ein Bass ist ihm selten genug: Sebastian Gramss holt sich für seine verschiedenen Bass-Projekte immer wieder gerne Kollegen an seine Seite, in der "Bassmasse" sind es bis zu fünfzig! Vergleichsweise bescheiden nimmt sich da seine Reihe "Double The Double Bass" aus. Für diese lädt Gramss seit 2008 andere Bassisten zu einem Improvisationsduo ein. Nach Stefano Scodanibbio, Barre Phillips, Tetsu Saitoh, Mark Dresser und Barry Guy ist es in diesem Jahr William Parker. Der Musiker gehört zu den prägenden Bassisten der New Yorker Free Jazz- und Improvisationsszene, hat unter anderem mit Cecil Taylor, David S. Ware, Fred Anderson, Derek Bailey gespielt, veröffentlicht darüber hinaus musiktheoretische und poetische Texte.
Donnerstag, 8. Dezember, 23.03 – 23.00 Uhr
NOWJazz Magazin
Von Bert Noglik
Neues aus der Welt des Jazz wird im NOWJazz Magazin von SWR2 regelmäßig präsentiert. Wie immer erwarten Sie in dieser Sendung Informationen über bevorstehende Events, Rezensionen über Festivals, Buchbesprechungen und jede Menge brandneuer CDs. Bert Noglik bespricht das Buch „Die Stasi swingt nicht. Ein Jazzfan im Kalten Krieg“ von Siegfried Schmidt-Joos. Und wir birngen u. a. einen Vorbericht zum SWR NEWJazz Meeting 2016, das in diesem Jahr unter dem Motto „Sound Portraits From Contemporary Africa“ steht.
Freitag, 9. Dezember, 23.30 – 24.00 Uhr
NOWJazz Update: Sonic Wilderness
Von Thomas Loewner
Diese Reihe auf dem freitäglichen NOWJazz Update Sendeplatz führt in abenteuerliche Zwischenwelten des Jazz. Ob Improv, Electronica, Klangkunst, Noise oder Rock - für die atmosphärischen Mixes mit Neuerscheinungen gibt es nur eine Regel: Die Lust am musikalischen Abenteuer muss hörbar sein.
Samstag, 10. Dezember, 22.03 – 23.00 Uhr
Jazztime: The Three Sounds
Der Pianist Gene Harris und sein Groove-Trio
Von Hans-Jürgen Schaal
Von 1956 bis 1973 leitete der amerikanische Pianist Gene Harris das Trio The Three Sounds, das mit grooviger und tanzbarer Musik im Hard Bop- und Soul-Stil berühmt wurde. Neben Jazzballaden, Bop-Nummern und eigenen Stücken interpretierten The Three Sounds auch aktuelle Popsongs - darunter "Still I' m Sad" von den Yardbirds, "Crying Time" von Buck Owens und "Sunny" von Bobby Hebb. Die Erfolge seines Trios mit Andrew Simpkins (Bass) und Bill Dowdy (Schlagzeug) begründeten Gene Harris' Ruf, einer der mitreißendsten Blues-, Gospel- und Soul-Pianisten der Szene zu sein. Zu seinen Vorbildern gehörten Ahmad Jamal, Erroll Garner und Oscar Peterson. Gelegentlich nahmen auch Gastsolisten der groovigen Sorte mit The Three Sounds auf, darunter Lou Donaldson (Altsax), Stanley Turrentine (Tenorsax) und Nat Adderley (Kornett).
Dienstag, 13. Dezember, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: Wilde Señora
Die Pianistin Iréne Schweizer Solo beim Festival Enjoy Jazz 2016
Am Mikrofon: Julia Neupert
Solo! Zu ihrem 75. Geburtstag in diesem Jahr hatte das Festival Enjoy Jazz die Grande Dame des europäischen Jazzpianos für ein Konzert in das Nationaltheater Mannheim eingeladen. Allein mit dem Flügel auf der Bühne - für Irène Schweizer keine ungewohnte Situation. Auch wenn sie als junge Musikerin fast dazu überredet werden musste, sich dieser Herausforderung zu stellen: Sie tat und tut dies mit kraftvoller Spielfreude und großem Einfallsreichtum. "Wilde Señorita", "Hexensabbat", "Many and One Direction", "First Choice" oder zuletzt "To Whom I May Concern: Mittlerweile gehören etliche ihrer über Jahrzehnte
entstandenen Solo-Veröffentlichungen zu den Klassikern des Genres und bezeugen den musikalischen Reifeprozess einer außergewöhnlichen Künstlerinnenpersönlichkeit.
Donnerstag, 15.Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: SWR Jazzpreis 2016
Brückenschlag zur Lyrik und zum Gesang
Das Preisträgerkonzert der Pianistin Julia Hülsmann beim Festival Enjoy Jazz in Ludwigshafen
Am Mikrofon: Günther Huesmann
"Für mich ist Komponieren zunächst mal das allerwichtigste." Auf den ersten Blick scheint das etwas ganz Untypisches zu sein für eine Musikern, die für ihre Spontaneität und brillanten Improvisationen hoch gelobt wird. Aber Julia Hülsmann, die Gewinnerin des gemeinsam vom Land Rheinland-Pfalz und dem Südwestrundfunk vergebenenSWR-Jazzpreises 2016, sagt: " Beim Schreiben komme ich ganz zu mir selbst. Mit 16, 17 habe ich angefangen, Stücke zu komponieren. Und das war für mich immer eine ganz wichtige Sache."
Klang, Poesie und trotzdem eine knisternde rhythmische Spannung. Julia Hülsmann ist eine Meisterin des Sensitiven. Heute senden wir den Mitschnitt ihres Preisträgerkonzertes. das im Rahmen des Festivals Enjoy Jazz stattfand. Die in Berlin lebende Pianistin präsentierte sich sowohl im Duo mit der norwegischen Sängerin Torun Eriksen als auch mit dem seit 14 Jahren in unveränderter Besetzung spielenden Julia Hülsmann Trio mit dem Kontrabassisten Marc Muellbauer und dem Schlagzeuger Heinrich Koebberling.
Freitag, 16. Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: On The Edge (10)
Reden statt spielen oder: Reden und Schreiben über
improvisierte Musik
Von Nina Polaschegg
Zum Abschluss der Sendereihe "On The Edge" steht zwar auch die Musik in ihrer klingenden Form im Zentrum, vor allem aber die Reflexion über sie. Wie wurde und wird über Free Jazz, frei improvisierte Musik und Verwandtes reflektiert? Wo findet man Texte über diese Musik? Welche Aspekte werden thematisiert? Und was sagt die Forschung dazu? Wir geben einen Einblick in Denken und Schreiben über die "freie" Improvisation und ihr soziales und kulturelles Umfeld. Das Motto dieser Sendereihe, "On The Edge", es passt in gewisser Weise auch auf das Reden und Schreiben über improvisierte Musik.
Samstag, 17. Dezember
Jazztime entfällt
Dienstag, 20.Dezember, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs 2016
Von Günther Huesmann
Persönliche Lieblingsalben aus der älteren oder jüngeren Jazzgeschichte werden in "My Favorite Discs" regelmäßig vorgestellt: von den Autorinnen und Autoren unserer SWR2-Jazzredaktion. Am Ende des Jahres zieht diese Reihe nun - wie immer bekennend subjektiv! - Bilanz über die Veröffentlichungen der vergangenen zwölf Monate. Welche Überraschungen hat es im Jahr 2016 gegeben? Welche Neuentdeckungen erstaunten? Welche Musikerinnen und Musiker bescherten die anregendsten oder interessantesten Hörererlebnisse?
Donnerstag, 22. Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Fusion Is Back!
Wie der Jazz-Rock neuen Drive bekommt
Von Odilo Clausnitzer
"Wenn Miles Davis heute lebte, dann wäre ich definitiv in seiner Band" sagte der Keyboarder Robert Glasper kürzlich. Wie einst Miles Davis, so öffnen sich heute jüngere Jazzmusiker bewusst dem Einfluss zeitgenössischer, vor allem schwarzer Popmusik. Kritiker- und Medienlieblinge wie Glasper, Saxofonist Terrace Martin oder E-Bassist Derrick Hodge verstehen sich ebenso als Jazz- wie als R&B-Künstler. Saxofon-Überflieger Kamasi Washington zehrt auch musikalisch von seinen Erfahrungen mit Hip Hop-Stars wie Snoop Dogg. Die erfolgreiche amerikanische Band Snarky Puppy wiederum macht eine moderne Art von Jazzrock mit Einflüssen aus Pop, Gospel und World Music. In SWR2 NOWJazz zeigen wir, wie kreative Improvisatoren unter zeitgenössischen Vorzeichen zur Idee der "Fusion" zurückkehren.
Freitag, 23. Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz Session: Polychrom
Das Trio Grünen im Jazzclub Konstanz
Am Mikrofon: Nina Polaschegg
Grün. Man denkt an monochrome Malerei. Aber Grünen? Sind Schattierungen der Farbe Grün gemeint? Nein, meinen die Musiker dieser Band, es gehe um Vielfarbigkeit. Und ein solcher Eindruck von Vielfarbigkeit und Lebendigkeit kann auch dann entstehen, wenn man mit Schattierungen arbeitet.
Grünen, das ist das Trio des Pianisten Achim Kaufmann, der zusammen mit seinen Kollegen, dem Bassisten Robert Landfermann und dem Schlagzeuger Christian Lillinger frei improvisiert. Fern der klassischen Funktionen eines Klaviertrios interagieren sie blitzartig, eng verzahnt in klanglicher wie rhythmisch-bewegter Hinsicht. Das Trio als Metainstrument? Am 29.September gastierten die drei im Jazzclub Konstanz.
Samstag, 24. Dezember, 12.30 – 13.00 Uhr
SWR2 Xmas Jazz: Marvelous
Die Vokalistin Sarah Vaughan und der Trompeter Clifford Brown
Von Günther Huesmann
New York, 1954: an zwei kalten Dezembertagen betritt die Sängerin Sarah Vaughan mit dem Trompeter Clifford Brown ein Plattenstudio und nimmt mit ihm ein Album auf, das sowohl in ihrer eigenen als auch in Browns Diskografie ein Juwel darstellt. "Sarah Vaughan" hieß diese Platte ursprünglich. Später wurde sie in "Sarah Vaughan with Clifford Brown" umbenannt. Zu Recht. Denn mit Sarah Vaughan, deren stimmliche Möglichkeiten manche Opernsängerin vor Neid erblassen lassen, und mit Clifford Brown, dessen virtuose Linien Glanzlichter der Melodieerfindung sind, trafen zwei Gleichgesinnte aufeinander. Beide sind Meister der swingenden Raffinesse. "Marvelous". Wunderbar.
Samstag, 24. Dezember
Jazztime entfällt
Sonntag, 25. Dezember, 17.05 – 17.55 Uhr
SWR2 Swinging Xmas
Von Gerd Filtgen
Es gibt viele Möglichkeiten, die schönsten Feiertage des Jahres zu gestalten. Menschen feiern Weihnachten mit ihrer Familie zu Hause oder verabreden sich mit Freunden an den Festtagen. Andere packen ihre Koffer und reisen in ferne Länder. Wie auch immer: Ohne die passende Musik macht alles nur halb so viel Freude. In "Swinging Xmas" sorgen bekannte Interpreten aus Oldtime, Swing und Modern Jazz für gute Festtagslaune. Dafür garantieren der Pianist Clarence Williams mit "Christmas Night In Harlem," Duke Ellington bringt die Glocken mit "Jingle Bells" in Schwung, und der Trompeter Chet Baker schwärmt vom "Winter Wonderland". Nur ein paar Beispiele vom musikalischen Weihnachtsteller, der noch weitere Überraschungen bringt.
Sonntag, 25. Dezember, 19.37 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Traumhaft zusammen
Miles Davis/Gil Evans „Sketches Of Spain“
Von Hans-Jürgen Schaal
Der Bassist Joe Mondragon soll es gewesen sein, der Miles Davis auf den spanischen Komponisten Joaquín Rodrigo aufmerksam machte. Genauer gesagt: auf dessen berühmtes Gitarrenkonzert, das "Concierto de Aranjuez". Noch genauer gesagt: auf den zweiten Satz daraus, das Adagio. Eine Melodie, die immer stärker werde, je sanfter man sie spiele - so meinte Miles. Der Trompeter wandte sich 1959 damit an den Arrangeur Gil Evans, mit dem er seit zehn Jahren zusammenarbeitete. Evans re-komponierte Rodrigos Adagio, bediente sich außerdem bei Manuel de Falla, bei einem peruanischen Flötenlied, der andalusischen Passionsmusik, dem Flamenco. Er schrieb die bis dahin komplexeste, raffinierteste Jazzpartitur. Und ließ dabei noch Räume offen für Miles' unnachahmlich melancholische Trompete. Es entstand „Sketches of Spain“, eine Musik, in der gleichsam die südspanische Hitze flimmert. Schrill und oszillierend zugleich. Dieses Album ist auf jeden Fall etwas Besonderes - es ist Impressionismus, Picasso und Cool Jazz in einem.
Montag, 26. Dezember, 19.10 – 20.00 Uhr (nach dem Hörspiel)
Schnee auf dem Kontrabass
Der norwegische Bassist Mats Eilertsen
Von Bert Noglik
Der 1975 in Trondheim geborene Mats Eilertsen machte sich zuerst als Sideman bei Platteneinspielungen von Landsleuten wie Tord Gustavsen und Mathias Eick einen Namen. Mit dem in diesem Jahr veröffentlichten Album "Rubicon" tritt er nun erstmals selbstbewusst als Bandleader hervor und bringt zudem jene Qualitäten ein, die er schon in anderen Kontexten unter Beweis gestellt hat: Teamgeist und ein feines Gespür für die im Prozess des Spiels entstehenden Klanggeflechte. Mit seinen Kompositionen schafft er einen Rahmen für die Musiker seines international besetzten Ensembles, das mit den beiden Bläsern Eirik Hegdal und Trygve Seim sowie Gitarre, Vibrafon, Keyboards und Schlagzeug vielfarbige Stimmungen zaubert.
Dienstag, 27. Dezember, 21.03 – 22.00 Uhr
SWR2 Jazz Session: My Favorite Discs 2016
Von Julia Neupert
Persönliche Lieblingsalben aus der älteren oder jüngeren Jazzgeschichte werden in "My Favorite Discs" regelmäßig vorgestellt: von den Autorinnen und Autoren unserer SWR2-Jazzredaktion. Am Ende des Jahres zieht diese Reihe nun - wie immer bekennend subjektiv! - Bilanz über die Veröffentlichungen der vergangenen zwölf Monate. Welche Überraschungen hat es im Jahr 2016 gegeben? Welche Neuentdeckungen erstaunten? Welche Musikerinnen und Musiker bescherten die anregendsten oder interessantesten Hörererlebnisse?
Donnerstag, 29. Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Worte sind nicht genug
Die norwegische Sängerin Sidsel Endresen (SWR2-Produktion 2015)
Von Thomas Loewner
Seitdem die aus Trondheim stammende Sängerin Sidsel Endresen 1980 erstmals auf der norwegischen Jazzszene aufgetaucht ist, hat sie einen beachtlichen stilistischen Wandel vollzogen. Begonnen hat sie als Sängerin der Jon Eberson Group. Die Band des Gitarristen verbindet Jazzrock, mit Rhythm & Blues und Soul. 1989 startete sie ihre Solokarriere, zunächst mit zwei Alben für ECM. Endresen arbeitete nun mit Musikern wie Django Bates, Nils Petter Molvær oder Bugge Wesseltoft zusammen, mit dem sie ab Mitte der 1990er Jahre mehrere Duoalben veröffentlichte. In dieser Phase öffnete sie sich zunehmend der Improvisation und begann mit lautmalerischen Elementen zu experimentieren, all das aber immer noch im Spannungsfeld von Jazz, ethnischer Musik und der Singer-Songwriter-Tradition. Doch auch von solcherlei Konventionen hat sich Sidsel Endresen zunehmend verabschiedet, sei es mit dem frei improvisierenden Gesangstrio ESE, in der Zusammenarbeit mit dem elektro-akustischen Duo Humcrush oder zuletzt besonders eindrucksvoll gemeinsam mit dem Gitarristen Stian Westerhus.
Freitag, 30. Dezember, 23.03 – 24.00 Uhr
NOWJazz: Jenseits der Exotik
Die Koto-Spielerin Miya Masaoka (SWR2-Produktion 2015)
Von Harry Lachner
Bereits im Instrument selbst spiegelt sich der Ansatz Miya Masaokas: die Auseinandersetzung mit einem traditionellen, ja geradezu Jazz-fremden Klang – und der Wille zur Erkundung des Fremden und Befremdlichen. „Als Komponistin, die sich mit neuen Klängen, Kontexten, Strukturen und Wirklichkeiten beschäftigt, habe ich keine andere Wahl als meine eigene musikalische Wirklichkeit zu schaffen“, sagte die Kotospielerin in einem Interview. Geprägt ist Masaokas persönliche Realität von der Musiktradition Japans ebenso stark wie von der Entwicklung des freien Jazz. Mit ihrem Album „Monk's Japanese Folk Song“ löste Masaoka 1997 einige Kompositionen Thelonious Monks von jedem Anflug des Klischierten und Vertrauten. In ihrer Absicht, das Unwägbare zu wagen, konzentrierte sie sich in vielen Projekten in erster Linie auf die freie Improvisation – mit Musikern wie Andrew Cyrille, Jon Rose, Henry Kaiser oder George Lewis. Sie erweitert in ihrer Ästhetik nicht nur die Sprache der Koto, sondern ringt den Vorstellungen eines aktuellen Jazz ganz neue Aspekte ab.
Fast alle Jazz-Sendungen von SWR2 können Sie als Audio on Demand im Internet 7 Tage online nachhören. Auf www.swr2.de/jazz finden Sie auch Musiklisten und weitere Informationen zum Programm.
| Mehr Infos im Netz unter www.swr2.de/jazz



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